Bauchatmung – mehr als nur Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid

Denken wir an die Atmung, dann fällt uns als Erstes der Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlendioxid ein. Darüber hinaus hat Ihre Lunge aber auch noch viele weitere Aufgaben, z.B. die immunologische Funktion der Infektabwehr oder auch die fibrinolytische Aktivität zur Auflösung von Blutgerinnseln, die z.B. aus den Beinvenen in die Lunge verschleppt werden.

Wir in der Cardiopraxis legen ein ganz besonderes Augenmerk auf die Lungenkraft. Das Zwerchfell ist nicht nur der Hauptmotor der Atmung, sondern hat auch eine erhebliche Bedeutung für Ihre Kreislauffunktion, und hier vor allen Dingen für den venösen Rückstrom.

Zwerchfell – der wichtigste Atemmuskel

Der Zwerchfellmuskel trennt den Brustraum vom Bauchraum und hat die Form einer doppelgipfligen Kuppel, die sich in den Brustraum wölbt.

Spannt sich Ihr Zwerchfell an, dann flacht die Kuppel ab und die Lunge entfaltet sich: Außenluft wird in die Lunge eingesaugt, die Einatmung. Entspannt sich Ihr Zwerchfell, dann zieht sich die Lunge aufgrund ihrer elastischen Eigenschaften wieder zusammen, das Zwerchfell wölbt sich wieder in den Brustraum: Luft wird aus der Lunge herausgedrückt, die Ausatmung.

In Ruhe machen Sie so unwillkürlich 12-16 Atemzüge pro Minute. Pro Atemzug werden ca. 500 ml eingeatmet, je nach Körpergröße 6-8 ml/kg.

Starkes Zwerchfell – vollständige Belüftung der Lunge

Ihre Lunge muss, um gesund und leistungsfähig zu bleiben, vollständig belüftet werden. Folglich muss die eingeatmete Außenluft vor allen Dingen die tiefen Abschnitte nahe Ihrem Zwerchfell erreichen. Dieses geht nur, wenn Sie mit Ihrem Zwerchfell tief in den Bauch atmen.

Falls Sie nicht richtig tief atmen, dann bleibt Ausatmenluft in den zwerchfellnahen Abschnitten “stehen”, Sekrete werden nicht richtig bewegt und es steigt das Risiko einer Lungenentzündung. Das ist ähnlich wie bei einem Keller: wird er nicht richtig belüftet, dann wird er feucht und es bildet sich hartnäckiger Schimmel. Beim Menschen sammeln sich Viren und Bakterien als Nährboden für eine Lungenentzündung an.

Atmung mit dem Zwerchfell – starkes Zwerchfell – gesunder Kreislauf

Ein starkes Zwerchfell hat auch einen erheblichen Anteil an einem leistungsfähigen Kreislauf. Das Zwerchfell ist hier Teil eines sehr komplexen Muskelpumpensystems, welches den Rückstrom von venösem Blut von Muskeln und Organen zurück zum Herz und zur Lunge sicherstellt. Ungefähr ab der Mitte des Bauchraums übernehmen hierbei die Sogkraft Ihres Herzens und Ihres Zwerchfells die wesentliche Arbeit.

Ist Ihr Zwerchfell geschwächt, dann kann das bei Ihnen Kreislaufstörungen nach sich ziehen. Das hat nicht nur eine Einschränkung Ihrer Leistungsfähigkeit, Herzrasen und Benommenheit zur Folge, sondern kann sogar eine Ohnmacht verursachen.

Diese Zusammenhänge sind der Grund, warum wir in der Cardiopraxis bei begründetem Verdacht auf ein schwaches Zwerchfell die Muskelkraft des Zwerchfells messen. Sitzen Sie bei einem Besuch vor uns und berichten über Luftnot bzw. Leistungseinschränkung und wir sehen, dass Sie mit offenem Mund atmen, dann machen wir eine Manometrie der Lunge. Leider wird dieses wertvolle Untersuchungsmethode im allgemeinen ärztlichen Alltag viel zu wenig angewandt, auch nicht von den meisten Lungenfachärzten.

Brustatmung – schwaches Zwerchfell – Atemnot

Der häufigste Grund für ein schwaches Zwerchfell ist eine falsche Atemtechnik. Dabei geht es vor allen Dingen um die richtige Technik bei der Einatmung.

Atmen Sie durch den Mund anstatt durch die Nase ein, dann ist die Atemarbeit geringer als wenn Sie durch die Nase atmen. Atmen Sie überwiegend mit der Zwischenrippenmuskulatur bzw. den Atemhilfsmuskeln lediglich bis zur Brust, dann ist Ihre Atemarbeit geringer als wenn Sie vornehmlich mit dem Zwerchfell tief in den Bauch atmen.

Folglich ist es so, dass durch beide Faktoren, also den niedrigen Atemwegswiderstand als auch durch die flache Brustatmung Ihr Zwerchfell nicht richtig beansprucht wird. Genauso so wie bei allen anderen Muskeln in Ihrem Körper auch wir Ihr Zwerchfell dadurch schwächer, es wird dekonditioniert.

Besonders tückisch ist es, dass je schwächer ihr Zwerchfell ist, desto flacher werden Sie atmen, ein Teufelskreis.

Krankheiten, die zu einem schwachen Zwerchfell führen 

Die häufigste Ursache für ein schwaches Zwerchfell beim nicht gesunden Menschen ist eine allgemeine Schwächung der Muskulatur.

Die allgemeine Schwächung der Muskulatur ist meistens die Folge eines Mangels an Mikronährstoffen, und hier vor allen Dingen an Vitamin B12 und Eisen. Gerade ältere Menschen essen wenig Fleisch, welches ja reichhaltig Vitamin B12 und Eisen enthält. Bei Vegetariern bzw. Veganern ist der Fleischverzicht Teil des Ernährungskonzepts. Übrigens, Fisch enthält zwar ausreichend Vitamin B12, aber kaum Eisen, genügt also nicht um einen Fleischverzicht auszugleichen.

Auch nach größeren Operationen, z.B. nach einer Herzoperation, aber auch nach anderen Krankenhausaufenthalten sehen wir in der Cardiopraxis Menschen mit Eisen und Vitamin B12 Mangel. Das ist neben dem operationsbedingten Blutverlust dann auch die Folge des Heilungsprozesses, der ja mit einem Mehrbedarf an Baustoffen verbunden ist. In diesem Fall ist natürlich auch die gesteigerte Zufuhr von Eiweiß und anderen Mikronährstoffen wichtig.

Weitere Gründe für ein schwaches Zwerchfell sind meist einseitige Lähmungen der Zwerchfellnerven, des rechten oder linken Nervus phrenicus. Das kann Folge einer Operation oder auch einer Entzündung sein. Im Zweifel fertigen wir dann auch ein Röntgenbild an.

Wie atme ich richtig?

Vorausgesetzt Sie sind ansonsten gesund, dann steht einer gesunden Atemtechnik nichts mehr im Wege.

Nun, Sie werden es sich schon denken, bei der Einatmung ist eine Nasen-Bauchatmung die gesunde Atmung. So belüften Sie nicht nur Ihre zwerchfellnahen Lungenabschnitte und halten Ihren Kreislauf in Schwung, sondern darüber hinaus trainieren Sie so auch noch das Zwerchfell.

In der Ausatmung ist es sinnvoll durch den leicht geöffneten Mund zu atmen. Da die Ausatmung muskulär passiv ist, sollte in dieser Phase der Atmung möglichst wenig Widerstand entgegen gesetzt werden, damit die Luft möglichst vollständig entweichen kann.

Sie können Ihren Hauptatmemmuskel auch mit einfachen Übungen für das Zwerchfell regelrecht trainieren. Falls Sie Schwierigkeiten haben Ihr Zwerchfell “anzusprechen”, d.h. tief in den Bauch zu atmen, dann sind Übungen mit Führungswiderstand sinnvoll. Das kann z.B. Teil eines Yoga-Trainings sein. Aber auch betagte Menschen können mit einem Ball im Sitzen das Zwerchfell trainieren. Hinzu kommen noch ein paar schöne Übungen mit sog. Umkehrpositionen. Dabei muss es nicht immer gleich ein Kopfstand sein.

Gesunde Atmung – Beruhigung und Aktivierung

Wenn Sie ein gutes Gefühl für Ihre Atmung entwickeln, dann können Sie durch eine bewusste Änderung Ihrer Atemtechnik auch Ihren Aktivitätszustand gezielt beeinflussen. So können Sie Körper und Geist aktivieren und beruhigen.

 

 

……weiter im Selbsthilfekurs “Mehr Lungenkraft”

 

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