Schlaf – charakterisiert durch spezifisches Verhalten und unterschiedliche Hirnströme im EEG

Der Schlaf unterscheidet sich bekanntermaßen vom Wachzustand. Um den Schlaf bei einzelnen Lebewesen besser zu verstehen, bewerten wir das spezifische Verhalten im Schlaf und die Gehirnströme im Elektroenzephalogramm, dem EEG.

Schlafverhalten – Mensch und Tier unterschiedlich

Das Schlafverhalten ist zunächst einmal durch eine Bewegungslosigkeit bzw. Bewegungsarmut gekennzeichnet. Wir reagieren im Schlaf auf Ansprache nur schwerlich, da die Reizschwellen, z.B. für Geräusche, heraufgesetzt sind. Der Körper möchte sich im Schlaf einfach nicht stören lassen.

Allerdings ist der Nachtschlaf auch rasch reversibel. Wenn der Reiz stark genug ist, dann wachen wir auf und sind sehr schnell geistig und körperlich leistungsbereit. Das ist für alle Lebewesen sinnvoll. Vor allen Dingen dann, wenn das Risiko einer körperlichen Bedrohung, z.B. durch Raubtiere, besteht. Ihr Nachtschlaf unterscheidet sich dabei deutlich vom Koma oder vom echten Winterschlaf. In diesen Fällen ist das Lebewesen kaum noch zu wecken und völlig schutzlos.

Es gibt je nach Tierart spezielle Körperhaltungen, die den Schlaf einleiten bzw. unterhalten, z.B. das Liegen beim Menschen. Die Fledermaus hingegen bevorzugt z.B. die senkrechte Position. In der Regel hat das Lebewesen einen bevorzugten Ruheplatz, der sicher und geschützt ist. Vor dem Schlafen haben die meisten Lebewesen Rituale, wie z.B. das Gähnen oder das Drehen in eine bestimmte Seitenlage, welche den Schlaf einleitet.

Unter stabilen Bedingungen ist der Schlaf Teil des zirkadianen 24 Stunden Rhythmus. Sie werden ungefähr zur selben Zeit müde und wachen zur selben Zeit auf. Tagaktive Lebewesen schlafen in der Nacht, nachaktive Tiere am Tag. Schläft das Lebewesen zu wenig, dann tritt vermehrt Müdigkeit auf und es wird ein kompensatorischer Schlafversuch unternommen.

Verschiedene Schlafphasen im Elektroenzephalogramm

Mit dem Elektroenzephalogramm, dem EEG, kann man die Gehirnströme messen. Wir unterscheiden hier grundsätzlich einen sog. orthodoxen Schlaf, in der Folge N I bis N III und den paradoxen Schlaf. Paradox wird er deshalb genannt, weil Ihr Körper zwar komplett still liegt, andere Körperfunktionen aber hochaktiv sind, z.B. in Form von schnellen Augenbewegungen. Diese schnelle Bewegung der Augen nennen wir auch Rapid Eye Movement und die Schlafphase entsprechend den REM-Schlaf.

Gemeinsam bilden der Non-REM-Schlaf und der REM-Schlaf einen sogenannten ultradianen Zyklus. Ultradian bedeutet, dass hier alle Schlafphasen durchlaufen werden. Ein solcher Zyklus dauert 70-90 Minuten und es kommen 4-5 Phasen pro Nacht vor.

Die verschiedenen Schlafphasen sind durch unterschiedliche Hirnströme gekennzeichnet. Hirnströme treten als elektrische Wellen auf, ähnlich wie bei der Meeresbrandung, die Sie am Strand beobachten. Im EEG unterscheiden wir unterschiedliche Amplituden, d.h. Höhen der Wellen und Oszillationen, d.h. wie häufig eine Welle pro Sekunde auftritt. Die Einheit für elektrische Hirnströme sind für die Amplitude Mikrovolt (µV) und für die Oszillation Hertz (Hz).

EEG – der Wachzustand

Im Wachzustand beträgt die Amplitude, also der elektrische Ausschlag der elektrischen Hirnströme, weniger als 30 µV. Die Schwingungen, die sogenannten Oszillationen, betragen mehr als 12 Hz. Wir nennen diese Hirnströme Beta-Wellen.

EEG – leichter Schlaf N1

Beim leichten Schlaf steigt die Amplitude im EEG auf 50-100 µV an, die Oszillationen betragen 4-8 Hz und wir nennen sie Theta-Wellen. Im leichten Schlaf sinkt Ihre Körpertemperatur und die Muskulatur entspannt sich. Dieser Zustand wird manchmal gar nicht als Schlaf wahrgenommen und ist durch eine leichte Erweckbarkeit gekennzeichnet. Der leichte Schlaf nimmt bei einem ultradianen Zyklus 5-10 Minuten ein und in Summe 5% des Nachtschlafes.

EEG – mitteltiefer Schlaf N2

Hier beträgt die Amplitude 50-150 µV und die Oszillationen liegen weiterhin bei 4-8 Hz. Wir sehen weiterhin die Thetawellen sowie zusätzlich spezielle elektrische Phänomene, die sog. Schlafspindeln und K-Komplexe. Sie sind in diesem Zustand immer noch relativ leicht zu wecken. Pro ultradianen Zyklus macht der mitteltiefe Schlaf 30-45 Minuten aus, was 45% des Nachtschlafes entspricht.

EEG – Tiefschlaf N3

Wir unterscheiden hier im EEG zwei Komponenten, einmal mit 100-150 µV und Oszillationen von 2-4 Hz, sowie Amplituden von 100-200 µV und Oszillationen von 0,5-2 Hz. In beiden Fällen spricht man von einem Gemisch aus Theta- und Delta-Wellen. In diesem Zustand sind Sie nur noch sehr schwer aufzuwecken. Diese Phase beträgt 10-40 Minuten eines ultradianen Rhythmus und macht 25% der Schlafzeit aus. Diese Tiefschlafphasen erreichen Sie vor allem in der frühen Schlafzeit um Mitternacht.

EEG – paradoxer oder sogenannter REM-Schlaf

Im EEG sehen wir nun wieder Thetawellen mit niedrigen Amplituden von 30 µV, sowie Oszillationen von mehr als 12 Hz und sogenannte Betawellen, so wie wir es eigentlich aus dem Wachzustand kennen. Der REM-Schlaf ist gekennzeichnet durch eine hohe mentale und vegetative Aktivität in Verbindung mit einer vollen muskulären Relaxation. Die muskuläre Relaxation ist deswegen wichtig, weil während des REM-Schlafs sehr lebhafte Träume auftreten. Sollten Sie diese ausleben, dann würden Sie sich selbst oder andere verletzen. Die muskuläre Relaxation verhindert dies.

Aus Herz-Kreislauf-Sicht ist interessant, dass die sogenannten vegetativen Prozesse wie Herzschlag, Atmung oder auch Körpertemperatur von ihrer zentralen Steuerung, im Hypothalamus im Gehirn, im REM-Schlaf fast vollständig entkoppelt sind. So kommt es zu Herzrasen, schnellem Atmen und Temperaturanstieg.

Den REM-Schlaf können Sie manchmal recht gut bei Ihrem Lebenspartner bzw. Ihrer Lebenspartnerin erkennen am geänderten Atemverhalten mit tieferen und schnelleren Atemzügen. Wenn Sie dann noch die Möglichkeit haben, bei abgedunkelter Beleuchtung die Augen zu beobachten, dann können Sie sehen, wie sich diese sehr schnell hin und her bewegen.

Eine solche REM-Schlafphase als Teil eines ultradianen Rhythmus beträgt 30-40 Minuten und macht 25% des Nachtschlafs aus. Der REM-Schlaf tritt eher in der späten Schlafzeit, also auch gegen Morgen, auf.

Unterschiedliche Schlafphasen – unterschiedliche Funktionen

Welche Bedeutung die einzelnen Schlafphasen für den Menschen haben, ist sicherlich noch nicht endgültig wissenschaftlich geklärt. Den Non-REM Schlafphasen wird im Allgemeinen eine größere Bedeutung für die Regeneration des Energiestoffwechsels zugeschrieben.

Nach heutigem Wissensstand ist der REM-Schlaf von besonderer Relevanz für die Verarbeitung von Informationen. Stellen Sie sich vor, den ganzen Tag erleben Sie mit hoher Geschwindigkeit Dinge, die Sie wie Notizen auf Ihrem geistigen Schreibtisch liegen lassen. Wenn Sie so wollen, dann bringt der REM-Schlaf Ordnung in Ihre geistige Zettelwirtschaft; über Erlebtes wird im Schlaf nachgedacht, die Inhalte werden sortiert und dann abgespeichert, so dass Sie später wieder darauf zurückgreifen können.

Viele von uns haben schon einmal erlebt, dass sie morgens mit einer Problemlösung wach geworden sind, nachdem am Vortag das Problem trotz großer Anstrengung nicht lösbar war. Dieses Phänomen zeigt Ihnen besonders deutlich, dass diese sog. kognitiven Prozesse im Schlaf für Ihre geistige Gesundheit sehr wichtig sind.

Kann ich verlorenen Schlaf aufholen? – Nein!

Wenn Sie immer wieder ein Schlafdefizit entwickeln, z.B. indem Sie an 5 Tagen in der Woche 6 Stunden und weniger schlafen, dann leidet vor allen Dingen die Funktion des REM-Schlafs und damit Ihre geistige Leistungsfähigkeit. Das hat 3 Gründe.

Erstens: Zu kurzer Schlaf geht auf Kosten des REM-Schlafs, weil REM-Schlaf erst vermehrt in der späten Schlafzeit vorkommt.

Zweitens: Wenn Sie wieder länger schlafen können, z.B. jeweils 8 Stunden am Samstag und Sonntag, dann wird Ihr Körper erst versuchen das Schlafdefizit für den Non-REM Schlaf auszugleichen; der REM-Schlaf kommt wieder zu kurz.

Drittens: Wenn sich geistige Inhalte über 5 Tage angestaut haben, dann ist a) die Masse zu hoch und b) viele Inhalte sind verblasst, sodass eine adäquate Verarbeitung von Erlebtem nicht mehr erfolgen kann.

Kurzum, Schlaf und vor allen Dingen den REM-Schlaf können Sie nicht aufholen. Folglich müssen Sie für eine gute geistige und körperliche Gesundheit am Tag möglichst in jeder Nacht 7-8 Stunden schlafen, damit Sie alle Schlafphasen im ausreichenden Maß durchlaufen.

 

 

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Winterzeit – die normale Zeit 

Astronomisch betrachtet ist die Winterzeit die natürliche Zeit, d.h. die Zeit, die dem normalen Wechsel der Lichtverhältnisse durch die Rotation der Erde in ihrem Neigungswinkel um die Sonne entspricht.

Die Rotation der Erde um die Sonne definiert den Zeitpunkt des längsten Tages am 21. Juni, der Sommersonnenwende und den längsten Tag am 21. Dezember, der Wintersonnenwende, also dem Zeitpunkt, an dem die Dauer des hellen Tages wieder zunimmt. Dazwischen liegen die Tage des sog. Äquinox, der Tagundnachtgleiche am 21. September und 21. März.

Sommerzeit – warum eigentlich?

Das Hauptargument für die Sommerzeit ist, dass durch die Sommerzeit die längere Dauer des Tageslichtes besser ausgenutzt wird, um Energie, z.B. durch Lichtquellen zu sparen. Kurzum, wir machen abends so das Licht später an. Dieser ökonomische und damit auch ökologische Effekt ist allerdings umstritten.

Unbestritten ist, dass die längere Helligkeitsphase im Sommer zu einer Steigerung des Konsumverhaltens führt. Das heißt, dass die längere Helligkeit mehr Einkäufe zur Folge hat, ein nicht unerheblicher ökonomischer Faktor.

Befürworter der Sommerzeit führen auch an, dass durch das längere Tageslicht die Wertigkeit der Freizeit nach der Arbeit und damit die Lebensqualität gesteigert wird.

Zeitumstellung – Änderung des Schlafverhaltens 

Je weiter wir vom Äquator entfernt leben, desto länger ist die Tageshelligkeit im Sommer. Folglich schlafen die meisten von uns im Sommer weniger als im Winter. Dieser chronische Effekt wird durch die Zeitumstellung im Frühjahr weiter verstärkt. Vor dem Hintergrund des chronischen Schlafmangels gerade in den westlichen Industrienationen ist die Sommerzeit also die ungünstigere Zeit.

Auch akute Umstellung hat negative Folgen. Dieses gilt nicht nur für den verkürzten Schlaf bei der Umstellung von Winterzeit auf Sommer- auf Winterzeit, sondern auch beim Wechsel auf die Winter im Herbst.

Hier müssen wir uns vor Augen führen, dass die abrupte Zeitumstellung im Sommer bzw. Im Winter eine abrupte Änderung in Bezug auf die Schlafdauer hat

  • Frühjahr: Sommerzeit = – 1h
  • Herbst:  Winterzeit = + 1h

Für die Umstellung auf die Sommerzeit bedeutet dieses vor allen Dingen in den ersten Tagen ein Schlafmangel, welcher mit Stress und gesundheitlichen Folgen, wie z.B. vermehrter Unfallhäufigkeit, aber auch mit einer erhöhten Herzinfarktrate verbunden ist.

Bei der Zeitumstellung auf die Winterzeit gewinnen wir zwar 1 Stunde Schlafdauer hinzu, aber wir brauchen trotzdem einige Tage bis sich unsere Innere Uhr und damit unser Schlafverhalten an die neuen Verhältnisse angepasst hat. Das kann vor allen Dingen Durchschlafstörungen zur Folge haben, was dann den gesamten Schlafrhythmus durcheinanderbringen kann.

Frühzeitige Anpassung an die Winterzeit 

Um Schlafstörungen bei Wechsel von Sommerzeit auf Winterzeit zu vermeiden ist eine frühzeitige und langsame Umstellung von Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt sinnvoll. Es geht vor allen Dingen darum mit einem späteren Einschlafritual den Einschlafzeitpunkt Schritt-für-Schritt zu verzögern BEVOR die Zeitumstellung stattfindet.

Grundsätzlich gilt Wechsel zur Winterzeit bedeutet später zu Bett gehen und später aufstehen.

Hier ein Beispiel für eine frühzeitige & langsame Zeitanpassung

Normale Schlafzeit 22:00 – 05:00h

Mittwoch

  • 22:15 zu Bett

Donnerstag

  • 05:00 aufstehen
  • 22:30 zu Bett

Freitag

  • 05:15 aufstehen
  • 22:45 zu Bett

Samstag

  • 05:30 (oder später) aufstehen
  • 23:00 zu Bett ???? Zeitumstellung (+1h)

Sonntag

  • 05:00 (oder später) aufstehen
  • 22:00 zu Bett

Montag

  • 05:00 aufstehen

Anpassung an die Winterzeit – meistens ohne Probleme 

Die meisten von uns haben keine Probleme bei der Umstellung auf die Winterzeit. Schließlich können wir ja 1 Stunde länger schlafen. Folglich genügt es, wenn wir uns die Änderung 1 Woche vor Zeitumstellung bewusst machen und ab der Wochenmitte einfach etwas später schlafen gehen. Hilfreich kann auch die Planung von abendlichen Aktivitäten am Freitag und am Samstag sein.

Bei Menschen mit bekannten Schlafstörungen und gerade auch bei Kindern kann das oben genannte disziplinierte Vorgehen allerdings sehr hilfreich sein.

 

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Schlafapnoesyndrom – häufig unentdeckt

Das Schlafapnoesyndrom ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Unbehandelt führt es zu vielfältigen Symptomen, nicht nur in der Nacht, sondern vor allen Dingen auch am Tage. Das äußert sich durch Zeichen von chronischen Alarm- und Stressreaktionen, einhergehend mit gestörtem Stoffwechsel, Schwitzen, Schwindel und möglichen Depressionen. Vor allen Dingen auch durch Störungen im Herz-Kreislaufsystem wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. Eine wichtige Komplikation ist der Sekundenschlaf, zum Beispiel am Steuer eines Autos, was zu Unfällen führen kann.

Schlafapnoesyndrom – allgemeine Therapieprinzipien

Bei der obstruktiven Form des Schlafapnoesyndroms ist das gemeinsame Therapieziel das Offenhalten der oberen Atemwege. Folglich wird der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) geringer und die Sauerstoffsättigung während des Schlafs fällt nicht ab. Denn insbesondere der Sauerstoffmangel führt zu einer Adrenalin-vermittelten Stressreaktion und damit verbundenen Komplikationen.

Therapie – Möglichkeiten im Einzelnen

Gewichtsreduktion: Häufig sind vom obstruktiven Schlafapnoesyndrom übergewichtige Menschen betroffen. Durch die vermehrten Fetteinlagerungen auch in den oberen Atemwegen kommt es zu einer Abnahme des Muskeltonus und damit zu einer Verschärfung der Obstruktion. Eine Gewichtsreduktion um 10 kg kann bewirken, dass der AHI bis zu 50% sinkt, teilweise können wir in der Cardiopraxis durch eine Gewichtsreduktion ganz auf apparative Therapieformen verzichten.

Meiden von Alkohol und Schlaftabletten am Abend: Alkohol und Schlaftabletten haben muskelrelaxierende Wirkung. Das heißt: Der Muskeltonus wird zusätzlich vermindert und kann somit zu einer stärkeren Obstruktion beitragen. Zudem können beide Substanzen je nach Dosierung auch den zentralen Atemantrieb dämpfen.

Nächtliche Überdrucktherapie: Es stehen unterschiedliche Nasen-, Nasen-Mund- oder Vollgesichtsmasken zur Verfügung, die einen kontinuierlichen Überdruck in den oberen Atemwegen aufrechterhalten. Dieser Überdruck hält die Atemwege geschient und offen und verhindert somit eine obstruktive Apnoe oder Hypopnoe. Insbesondere bei Therapiebeginn empfinden Benutzer die Maske teils als unangenehm, da gegen einen positiven Druck auch ausgeatmet werden muss. Einige Patienten berichten von Platzangst oder von dem Gefühl aufgepumpt zu werden. Etwa 2/3 der so behandelten Menschen haben aufgrund ihrer verbesserten Symptomatik eine sehr gute Therapieakzeptanz, etwa 1/3 der Betroffenen toleriert auf Dauer die Maskentherapie nicht und sucht alternative Therapieformen.

Therapie – weitere Möglichkeiten

Unterkiefer Protrusionsschiene: Ein alternatives Therapiekonzept ist das nächtliche Einlegen einer Unterkiefer-Protrusionsschiene. Das heißt: Der Unterkiefer wird nach vorne gezogen und gewährleistet ein Freihalten der oberen Atemwege. Ein Kieferchirurg passt die Unterkiefer-Protrusionsschiene in der Regel individuell an.

Verhinderung der Rückenlage im Schlaf: Häufig wird das obstruktive Schlafapnoesyndrom in Rückenlage stärker. Bei einzelnen Betroffenen kommt es beim Schlaf ausschließlich in Rückenlage und nicht in Seitenlage zur Obstruktion. Daher ist ein mögliches Therapiekonzept die Rückenlage im Schlaf zu verhindern. Es gibt zum Beispiel professionelle Rückenlage-Verhinderungswesten. Alternativ kann man durch eingenähte Tennisbälle im Schlafanzug hier auch kreativ die unerwünschte Lage sicher verhindern.

Operationen im HNO-Bereich: Es gibt HNO-ärztliche Operationen beim obstruktiven Schlafapnoesyndrom. Diese Operationen stehen dann zur Diskussion, wenn anatomische ausgeprägt verlegende Befunde vorliegen, beispielsweise große Rachenmandeln oder andere Auffälligkeiten im Gaumen- oder Nasengangbereich.

Stärkung der Muskulatur der oberen Atemwege: Ergänzend zu den genannten Therapien ist eine Stärkung der Muskulatur im Bereich der oberen Atemwege unterstützend sinnvoll. Es gibt beispielsweise positive Studienergebnisse zum Didgeridoo-Spielen. Sicherlich ist auch das Spielen anderer Blasinstrumente eine gute Möglichkeit, um die Muskulatur zu stärken.

obstruktives Schlafapnoesyndrom – sinnvolle Therapie

Das unbehandelte schwere obstruktive Schlafapnoesyndrom führt aufgrund seiner Komplikationen, unter anderem auch im Herz-Kreislauf-Bereich, zu einer kürzeren Lebenserwartung. Eine Therapie ist daher nicht nur symptomlindernd sondern auch lebensverlängernd. Mittlerweile stehen unterschiedliche Therapieverfahren zur Verfügung, sodass für jeden Betroffenen das richtige Therapieinstrument dabei sein sollte.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Schlaf für alle Lebewesen wichtig

Der Schlaf ist allen Lebewesen in der Natur gemeinsam. Alle Lebewesen bis hin zum Einzeller schlafen in irgendeiner Form. Dabei schläft der Mensch ca. 30% des Tages. Bei Tieren ist die Schlafdauer durchaus unterschiedlich. So schlafen kleine Tiere länger als große Tiere. Raubtiere können länger schlafen als ängstliche Beutetiere, die immer auf der Hut vor einem Angriff sein müssen. Die geschützt lebenden Waldtiere schlafen ebenfalls länger als die in der Weite lebenden Steppentiere.

Den Schlaf hat sich für uns Menschen seit der Einführung des künstlichen Lichts erheblich verkürzt, was gesundheitliche Folgen hat. In der Cardiopraxis beschäftigen wir uns mit dem Schlaf, weil eine zu kurze Schlafdauer und/oder eine schlechte Schlafqualität auch einen wesentlichem Einfluss auf Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und auf das Risiko für einen Herzinfarkt hat.

Schlafen – einer der biologischen Primärtriebe

In der Natur gibt es Triebe, die bei allen Lebewesen von Geburt an vorhanden und somit genetisch festgelegt sind, die sog. Primärtriebe. Sie dienen sowohl dem Überleben des Einzelwesens als auch dem Bestand einer Gruppe. Zu den Primärtrieben zählen

  • Nahrungsaufnahme
  • Bewegung
  • Schlafen
  • Vermehrung

Die Nahrungsaufnahme ist für den Energie- und Baustoffwechsel Ihres Körpers da – und damit für Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Der Trieb zur Bewegung trainiert die Muskulatur und trägt zur Aufrechterhaltung Ihres Stoffwechsels und des Kreislaufs bei. Der Drang zu Vermehrung dient dem Überleben der eigenen Art im Speziellen und dem Aufrechterhalten des Lebens auf der Erde überhaupt.

Gesunder Schlaf – hohe Kosten

Praktisch betrachtet hat der Zustand des Schlafs sehr hohe Kosten, sowohl für den einzelnen Menschen als auch für den Bestand einer Gruppe. Wenn Sie gesunde 7-8h Stunden pro Tag schlafen, dann gehen Sie Risiken ein.

Während des Schlafs können Sie als Lebewesen nicht auf Nahrungssuche gehen. Im modernen Alltag des Menschen können wir auch anders sagen, dass Sie nicht Ihrem Beruf oder Ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können. Das führt zu der irrigen Annahme vieler Menschen, dass Schlaf Zeitverschwendung und eine Unterbrechung des eigentlichen Lebens ist.

Weder können Lebewesen im Schlaf Nachkommen zeugen noch sich selbst oder Ihre Nachkommen vor feindlichen Angriffen schützen.

Für den Schutz einer Gruppe ist die Notwendigkeit zu schlafen z.T. dadurch gelöst, dass es – wieder genetisch festgelegt – unterschiedliche Schlaftypen gibt. Dem natürlichen Schlafbedürfnis folgend schlafen Menschen zu unterschiedlichen Zeiten ein und wachen entsprechend auch wieder auf. So ist der Zeitraum, in der eine Gruppe in der Nacht unbewacht ist, möglichst kurz.

Kurzum, der Schlaf verhindert die Funktion aller anderen Primärtriebe, ist quasi das komplette Gegenteil von diesen. Im Schlaf essen Sie nicht, Sie bewegen sich nicht und Sie vermehren sich auch nicht. Würden Sie ausschließlich schlafen, dann würden Sie sterben. Umgekehrt ist es aber auch so, dass Sie sterben würden, wenn Sie nicht mehr schlafen.

Gesunder Schlaf – hoher Nutzen

In der Wissenschaft ist es eine allgemein anerkannte Schlussfolgerung: Die evolutionsbiologische Entwicklung des Schlafverhaltens ist zwar mit hohen Kosten und Risiken verbunden, die aber durch einen Nutzen aufgewogen werden müssen, der eine kritische existenzielle Bedeutung hat. Schlaf gilt in diesem Zusammenhang als wichtige Voraussetzung dafür, dass die anderen Primärtriebe richtig funktionieren können. Er ist somit für das Leben unabdingbar. Ohne Schlaf ist kein Überleben möglich.

Geistig und körperlich nicht leistungsfähig ohne Schlaf

Der Hauptnutzen des Schlafs ist: Körperzellen können sich regenerieren, Energie kann konserviert werden und Erinnerungen und Erlerntes können sortiert werden.

Gerade Erinnern und Lernen sind ein evolutionsbiologisch wichtiger Wettbewerbsvorteil. So ist es z.B. sinnvoll zu wissen, wo man am Vortag Nahrung erhalten hat, anstatt immer wieder neu suchen zu müssen. Verarbeitungsprozesse im Schlaf schützen zudem auch vor emotionaler und geistiger Überlastung im Wachzustand.

Es gibt zahlreiche Experimente, die gezeigt haben, dass Lernen, Erinnern, komplexes Denken und Entscheiden ohne ausreichenden Schlaf erheblich eingeschränkt bzw. nicht möglich sind. Im Alltag merken wir das vielleicht gar nicht so sehr, weil den meisten von uns hier eine Selbstwahrnehmung fehlt. Manchmal können wir unser Verhalten durch einen zu geringen Schlaf nachvollziehen: Wenn wir z.B. nervös sind, gereizt reagieren oder Fehler machen, z.B. im Straßenverkehr. Ca. 25% aller Verkehrsunfälle auf der Autobahn werden durch den Sekundenschlaf, einer Folge von Schlafmangel, verursacht.

Nicht nur unsere emotionale Ausgeglichenheit und unsere geistigen Fähigkeiten hängen von einem gesunden Schlaf ab, auch unsere körperliche Fitness. So verringert sich z.B. bei jungen Sportlern das Risiko einer Sportverletzung um 50%, wenn Sie 8 anstatt 6 Stunden schlafen. Profisportler achten daher auf einen gesunden Schlaf, um Spitzenleistungen zu erbringen.

Wenn es in Ihrem Alltag nicht richtig rund läuft, dann sollten Sie sich als erstes fragen: Habe ich 7-8 Stunden geschlafen und habe ich gut geschlafen?

Schlaf – genetisch festgelegt durch Helligkeit und Dunkelheit

Der Schlaf-Wach-Rhythmus von Lebewesen wird durch die innere, genetisch festgelegte Uhr gesteuert. Diese Innere Uhr hat einen zirkardianen Rhythmus, der ungefähr 24 Stunden umfasst und in etwa dem solaren Tag entspricht. Abweichungen der Inneren Uhr von der Solaren Uhr werden durch den Einfluss von Helligkeit und Dunkelheit auf die Bildung von Melatonin ausgeglichen.

Seit 3,5-3,9 Milliarden Jahren gibt es Leben auf der Erde und seit dieser Zeit hat sich das genetische Programm der Inneren Uhr durch die Tageszeiten ausgebildet. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass die Wiege der Menschheit in Zentralafrika unweit des Äquators liegt. Hier herrscht ein ausgewogenes Verhältnis von Licht und Dunkelheit, 12 Stunden Helligkeit am Tag, 12 Stunden Dunkelheit in der Nacht. Am Äquator lebten Hominiden, d.h. unsere direkten Vorfahren über 4,6 Millionen Jahre, so dass unser unser genetisches Programm und damit unser biologischer Rhythmus entscheidend durch die Tagundnachtgleiche geprägt sind. Dieses wird auch dadurch kenntlich, dass je weiter wir vom Äquator entfernt leben, desto häufiger saisonale Syndrom wie der Winterblues oder die Winterdepression vorkommen.

Die Möglichkeit für den Menschen die Nacht zu erhellen entwickelte sich erst vor ca. 700.000 Jahren mit der Nutzung des Feuers durch Homo erectus. Eine wesentliche Änderung des Schlafverhaltens durch den spärlichen Gebrauch des Feuers ist unwahrscheinlich, das Leben in der Nacht blieb eine dunkle Angelegenheit.

Den Homo sapiens, den Menschen in seiner heutigen Form, gibt es erst seit 300.000 Jahren. Zwar entwickelte dieser Kochfeuer, Fackeln, Öllampen und Kerzen – das Schlafverhalten und damit die Schlafdauer veränderten sich aber nicht wesentlich. Wurde es dunkel draußen, dann suchten die Menschen Schutz in ihren Behausungen, wurden müde und schliefen bis zum Morgengrauen.

Kunstlicht – wesentlicher Störfaktor für einen gesunden Schlaf

Erst mit der Erfindung der Glühbirne im Jahr 1879 durch Thomas Alvar Edison ändert sich das Schlafverhalten der Menschen drastisch. Wir haben seit dieser Zeit ungefähr 2 Stunden an Nachtschlaf verloren. In den letzten 30 Jahren hat der Einsatz von Computerlicht noch weiter zur Störung des natürlichen Schlafs beigetragen: Der hohe Blauanteil im Computerlicht unterdrückt das Ausschütten von Melatonin.

Aus biologischer und medizinischer Sicht kann es nicht richtig sein, ein Verhalten zu entwickeln, das erheblich von einem seit mehreren Milliarden Jahren entwickelten Prinzip des Lebens abweicht.

Die Orientierung des Schlafs am natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel ist auch für den Menschen biologisch sinnvoll. In der Natur geschieht nichts ohne Grund. Wir sollten uns daher vor Augen führen, dass der Schlaf keine Unterbrechung des Lebens ist, sondern eine essenzielle Voraussetzung für das Leben überhaupt.

Die richtige Schlafdauer ist ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit und das Langzeitüberleben. Dementsprechend macht es Sinn, sich um den eigenen Schlaf aktiv zu kümmern.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Schlafapnoe-Syndrom- gestörte Atmung im Schlaf

Das Schlafapnoesyndrom betrifft etwa 15% aller Männer und etwa 7% aller Frauen. Bei diesen Mensch ist der gesunde Schlaf gestört. Unbehandelt führt es zu Symptomen wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Schwitzen. Kardiologen assoziieren damit außerdem Bluthochdruck und Vorhofflimmern.

Schlafapnoe-Syndrom – erste Hinweise

Die ersten klinischen Hinweise für ein Schlafapnoe-Syndrom sind eine nicht zu erklärende Tagesmüdigkeit sowie Schnarchen oder Atemaussetzer im Schlaf, die oft der Partner oder die Partnerin bemerkt. Darüber hinaus haben übergewichtige Menschen häufiger ein Schlafapnoe-Syndrom. Vor allem bei einer Kombination dieser Merkmale sollte eine weiterführende Diagnostik erfolgen.

Schlafapnoe-Syndrom – kardiorespiratorische Polygrafie als Screeninguntersuchung

Die erste Untersuchung zur Diagnoseerstellung ist eine sogenannte kardiorespiratorische Polygrafie. Der oder die Betroffene nimmt das Screeninggerät nach einer kurzen Erklärung in der Praxis mit nach Hause und legt es sich vor dem Schlafengehen selbst an. Das Gerät besteht aus einem Brust- und Bauchgurt, Sauerstoffsättigungssensor am Finger, einem Atemgasflusssensor sowie einem Mikrofon zur Aufnahme von Schnarchgeräuschen. Außerdem kann das Aufzeichnungsgerät durch einen inkludierten Lagesensor die Schlaflage feststellen. Das ist überaus wichtig, da in den meisten Fällen die Rückenlage das Schlafapnoe-Syndrom verstärkt. Ebenso gibt es Schlafapnoen, die ausschließlich in Rückenlage auftreten.

Schlafapnoe-Syndrom – was messen wir?

Das Messsystem kann die relevanten Parameter der nächtlichen Atmungsstörung aufzeichnen. Im Einzelnen sind das:

Schlafapnoe-Syndrom – obstruktiv versus zentral

Das Auswerten der kardiorespiratorischen Polygrafie beantwortet die Frage, ob ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt. Der wichtigste Parameter ist der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index. Gemessen und gezählt werden dabei die Phasen einer Apnoe beziehungsweise einer Hypopnoe pro Stunde. Ein AHI-Wert bis 5 gilt noch als normal. Darüber hinaus sind der sogenannte Entsättigungsindex und die minimale Sauerstoffsättigung wichtig und zeigen eine Gefährdung an. Denn ein nächtlicher Sauerstoffmangel führt auch zur Stress-Belastung und zum Freisetzen von Adrenalin.

Ergänzend unterscheidet man ein überwiegend obstruktives Schlafapnoe-Syndrom von einem zentralen Schlafapnoe-Syndrom. Bei der obstruktiven Form sind die oberen Atemwege verlegt, eine Atembewegung von Brustkorb und Bauch ist jedoch vorhanden. Bei der zentralen Form, die vom Gehirn gesteuert wird, fehlt der Atemantrieb und somit diese Atembewegung. Beide Formen zeichnen sich durch einen fehlenden oder unzureichenden Atemgasfluss in die Lunge aus.

Außerdem wird untersucht, ob und wie das Schlafapnoe-Syndrom von der individuellen Körperlage abhängt. So ist der Befund in Rückenlage in aller Regel schlechter als der auf Seite.

Schlafapnoe-Syndrom – Schweregradeinteilung

Abhängig vom Schweregrad ist nicht nur die weiterführende Diagnostik im Schlaflabor, sondern auch die Dringlichkeit einer Therapie. Leichtgradige Befunde bei Übergewicht können zum Beispiel zunächst behandelt werden, indem das Gewicht reduziert und die Rückenlage im Schlaf verhindert werden. Die Schweregrade werden anhand des AHI eingeteilt:

  • Leichtgradiges Schlafapnoe-Syndrom: AHI bis 15/h
  • Mittelgradiges Schlafapnoe-Syndrom AHI bis 30/h
  • Schwergradiges Schlafapnoe-Syndrom AHI >30/h

Schlafapnoe-Syndrom-Screening – sinnvoller Einsatz?

Wir sehen die kardiorespiratorische Polygrafie als sinnvolle Screening-Untersuchung insbesondere bei klassischen Symptomen wie Tagesmüdigkeit und Schnarchen. Darüber hinaus erleben wir in der Cardiopraxis Menschen mit anfallsartigem Vorhofflimmern oder schwerem und schlecht einstellbarem Bluthochdruck, deren Ursache ein unentdecktes Schlafapnoe-Syndrom ist. Hier setzen wir insbesondere in der Screening-Diagnostik an.

[ratings]

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Schlafapnoe-Syndrom – zu wenig Atmung in der Nacht

Ein gesunder Schlaf ist wichtig für die Leistungsfähigkeit am Tag. Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Beim Schlafapnoe-Syndrom unterscheiden wir die Hypopnoe von der Apnoe. Eine Hypopnoe ist ein verminderter Atemgasfluss bei gleichzeitigem Abfall der Sauerstoffsättigung. Apnoe bedeutet einen kompletten Atemstillstand für mehr als 10 Sekunden.

Die Schlafapnoe ist zum Teil mit einfachen Methoden messbar. Wir bestimmen hier den sogenannten Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Dieser misst die Anzahl der Ereignisse an relevanter Apnoe bzw.Hypopnoe pro Stunde. Ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index von 5 gilt der Befund als auffällig.

Wenig Sauerstoff in der Nacht hat hohen Adrenalinspiegel zur Folge

Der Abfall der Sauerstoffsättigung bedeutet für Ihren Körper eine erhebliche Stresssituation. Denn Sauerstoff ist lebenswichtig und muss dem Körper Tag und Nacht zugeführt werden. Der Körper kann einen Abfall der Sauerstoffsättigung sehr früh wahrnehmen. Er reagiert dann mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, um im wahrsten Sinne des Wortes den Körper wach zu rütteln, sodass er wieder anfängt vernünftig zu atmen. Diese Stressreaktion mit Adrenalin, die in der Nacht bis zu 60 Mal pro Stunde und fast ausnahmslos unbewusst vorkommt, hat erhebliche gesundheitliche Folgen – gerade im Herz-Kreislauf-Bereich.

Schlafapnoe – zentral, obstruktiv oder kombiniert?

Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Formen des Schlafapnoe-Syndroms: das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Beide Formen kommen auch kombiniert vor.

Zentrales Schlafapnoe-Syndrom. Hier liegt ein verminderter Atemantrieb in Ihrem Gehirn vor. Es kommt zur fehlenden Atembewegung von Brustkorb und Bauch, so dass der Atemgasfluss vermindert ist. Das wiederum führt zum bekannten Abfall der Sauerstoffsättigung.

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Hier ist der Atemantrieb komplett normal. Auch eine Atembewegung von Brustkorb und Bauch ist vorhanden. Allerdings sind die oberen Atemwege vorübergehend verlegt. Der Atemgasfluss kann deshalb nicht vernünftig stattfinden, so dass wiederum die Sauerstoffsättigung abfällt. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist die häufigste Form.

Schlafapnoe-Syndrom – Risikofaktoren

Der Hauptrisikofaktor für eine Schlafapnoe ist das Übergewicht. Weil die oberen Atemwege stärker mit Fett unterpolstert sind, treten in Verbindung mit einer schlaffen Muskulatur dann die oben genannten Probleme auf.

Zudem kann abendlicher Alkohol ein Schlafapnoe-Syndrom noch erheblich verstärken. Des Weiteren begünstigen anatomische Besonderheiten, zum Beispiel eine Verlegung durch eine geschwollene Nasenmuschel bzw. geschwollene Rachenmandeln, eine Schlafapnoe.

Schlaftabletten haben ähnlich wie Alkohol eine Schlafapnoe-verstärkende bzw. -auslösende Wirkung.

Nicht zu vergessen ist, dass das Schlafen in Rückenlage die obstruktive Schlafapnoe begünstigt. In einigen Fällen treten die nächtlichen Atmungsstörungen ausschliesslich in Rückenlage auf. Eigentlich ist das mit die erste therapeutische Maßnahme, die wir bei der Diagnose eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms empfehlen: Schlafen Sie bitte auf der Seite!

Schlafapnoe-Syndrom – Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck, Vorhofflimmern

Meistens ist es der Lebenspartner, der beim Betroffenen das Schlafapnoe-Syndrom bemerkt. Hierbei gilt es auf Schnarchen mit phasenweise tiefen seufzerartigen Atemzügen zu achten. Nicht jedes Schnarchen bedeutet, dass Sie ein Schlafapnoe-Syndrom haben. Entscheidend ist der Nachweis von Hypopnoe- oder Apnoe und der damit verbundene Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, was man nur messtechnisch, z.B. mit der kardiorespiratorischen Polygrafie erfassen kann.

Grundsätzlich gilt, dass der Schlaf nicht erholsam ist, unabhängig von seiner Dauer. Die wiederholt auftretenden nächtlichen Alarm- und Stressreaktionen führen zu einer neuro-vegetativen Dysbalance. Diese äußert sich durch Tagesmüdigkeit mit dem Bedürfnis weniger als 5 Stunden nach dem Erwachen wieder zu schlafen. Gereiztheit und Unkonzentriertheit sind häufig ein Problem.

Für uns in der Cardiopraxis ist es vor allen Dingen der schwer einstellbare Bluthochdruck und Vorhofflimmern ohne klar erkennbare Ursache, die uns an ein Schlafapnoe-Syndrom denken lassen.

Schwere Komplikationen des Schlafapnoe-Syndroms

An erster Stelle hier zu nennen ist der tagsüber auftretende Sekundenschlaf im Straßenverkehr. Eine erhebliche Zahl an Unfällen in Deutschland wird durch den sogenannten Sekundenschlaf am Steuer verursacht – häufig eine Folge eines Schlafapnoe-Syndroms. Es wird geschätzt, dass 25% aller Unfälle auf der Autobahn Folge eines Sekundenschlafs sind.

Der Abfall der Sauerstoffsättigung und die damit verbundene Steigerung des Adrenalinspiegels im Blut hat erhebliche Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem. Im kardiovaskulären Bereich bereiten vor allem Bluthochdruck sowie Herzrhythmusstörungen wie z.B. Vorhofflimmern Probleme. Allerdings steigt auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder auch einen Schlaganfall.

Bei begleitender Koronarer Herzkrankheit ist das Schlafapnoe-Syndrom auch ein Risikofaktor für eine potenziell tödliche Rhythmusstörung: das gefürchtete Kammerflimmern.

Schlafapnoe-Syndrom – daran denken und handeln

Das Schlafapnoe-Syndrom ist also eine Erkrankung, bei der Probleme in der Nacht zu gesundheitlichen Folgen am Tage führen. Sollten Sie bei sich oder einem anderen Menschen Symptome des Schlafapnoe-Syndroms bemerken, dann ist eine orientierende Diagnostik zu Hause, z.B. mit einem tragbaren kardio-respiratorischem Polysomnografiegerät, sinnvoll.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Der Mensch – ein tagaktives Lebewesen

Die Biologie des Menschen ist darauf ausgerichtet, dass er tagaktiv ist – dann, wenn es hell ist. Wesentliche Gründe sind evolutionsbiologisch entwickelte Merkmale des Menschen. Dazu zählen das hochentwickelte räumliche Sehvermögen, bedingt durch die Überschneidung der Blickfelder beider Augen und der aufrechte Gang, der bei gegebener Größe eine maximale Weitsicht ermöglicht. Für tagaktive Lebewesen wie den Menschen ist es daher sinnvoll, dass sie am Tag wach sind und in der Nacht schlafen.

Chronobiologie – der Mensch voller Uhren

Damit diese Vorgänge gut funktionieren, gibt es zum einen eine Innere Uhr, die genetisch festgelegt ist. Zum anderen existiert eine äußere oder solare Uhr, die durch den tagezeitlichen Wechsel von Hell und Dunkel bestimmt wird. Diese sogenannten chronobiologischen Prozesse (chronos: gr. Zeit) haben für uns in der Cardiopraxis eine zunehmende Bedeutung, weil sie für die Gesundheit im Allgemeinen und vor allen Dingen für das Schlafverhalten sehr wichtig sind. Der gesunde Schlaf wiederum schützt vor Herzinfarkt und Bluthochdruck.

Innere Uhr – die genetische Uhr

Die innere Uhr von Lebewesen besteht eigentlich aus vielen genetisch festgelegten Unteruhren. So hat jede einzelne Körperzelle und damit verbunden jedes biologische Untersystem, z.B. Leber, Lunge, Immunsystem etc. seine eigene Innere Uhr, die jeweils einem zirkardianen Rhythmus (circardian: lat. ungefährer Tag) folgt. Das heißt, dass es über ca. 24 Stunden zu einem regelhaften Ablauf, wie z.B. bei der Körpertemperatur kommt. In der zeitlichen Abfolge kommt es dann zu einem zyklischen Verlauf (zyklisch: gr. kreisförmig): Ist ein Zyklus beendet, beginnt ein neuer Zyklus.

Diese ungefähren 24-Stunden-Zyklen haben sich evolutionsbiologisch orientiert an der Helligkeit des Tages und der Dunkelheit der Nacht. Das hat sich über mehrere Milliarden Jahre entwickelt und ist genetisch festgelegt.

Die inneren Uhren sorgen dafür, dass alle physiologischen und biochemischen Prozesse im Körper fein aufeinander abgestimmt sind. Vereinfacht gesagt macht es z.B. wenig Sinn, wenn der Darm “wach” ist und für Nahrungsaufnahme sorgt, während die Leber “schläft”. Besonders wichtig ist, dass die Organe Vorgänge bzw. regelhaft auftretende Veränderungen antizipieren (anticipare: lat. vorwegnehmen). So fällt die Körpertemperatur zwar über Nacht im Vergleich zum Tage deutlich ab, sie steigt im Sinne eines “Vorglühens” aber schon vor dem Erwachen wieder an.

Innere Uhr – kein perfektes System

Das System ist nicht perfekt, alle Unteruhren laufen etwas unterschiedlich. So dauert z.B. bei der einen Uhr ein Zyklus 24,5 Stunden, während bei einer anderen Unteruhr der Zyklus schon nach 23,8 Stunden beendet ist. Unkontrolliert liefen alle Unteruhren phasenverschoben und wären zeitlich nicht aufeinander abgestimmt. Die Folge wäre ein Durcheinander, ähnlich wie bei einem Symphonieorchester ohne einen Dirigenten: Jeder Musiker spielt sein Instrument dann so, wie er will – ein unschönes Gelärme.

Übertragen auf die biologischen Prozesse bedeutet eine fehlende Abstimmung, dass diese irgendwann nicht mehr richtig ineinandergreifen. Das Lebewesen wird dann krank und stirbt. Damit das nicht passiert, brauchen die Unteruhren einen Dirigenten, der sie alle in einem Takt hält – eine sogenannte Master-Clock.

Die Master-Clock ist eine kleine Region im Gehirn mit einem Querdurchmesser von ca. 1 mm. Sie liegt unmittelbar oberhalb der Kreuzung der Sehnerven beider Augen. Man bezeichnet sie als Nucleus suprachiasmaticus. Der Nucleus suprachiasmaticus synchronisiert als Dirigent fast alle Unteruhren auf einen gleichmäßigen zirkardianen Rhythmus.

Aber auch dieser ist nur ungefähr und beträgt nicht genau 24 Stunden. Er liegt zwischen 23,5 und 26,5 Stunden, im Durchschnitt bei 24 Stunden und 15 Minuten. Bei 75% der Menschen ist er länger als 24 Stunden. Dieser Rhythmus verändert sich mit dem Lebensalter, bei jüngeren Menschen ist er länger, bei älteren kürzer.

Innere Uhr – was passiert eigentlich in einer dunklen Höhle?

Würden wir 60 Tage in einer Höhle vollkommen abgeschnitten vom Tageslicht leben und unser individueller zirkardianer Zyklus würde 24,5 Stunden betragen, dann käme es pro Tag in Relation zum Wechsel von Tag und Nacht in der Natur zu einer zeitlichen Phasenverschiebung: Nach 24 Tagen würden wir uns um 12:00 Uhr mittags in unserer Höhle so verhalten als wenn es 24:00 Uhr in der Nacht wäre. Das würde unser Leben als tagaktives Lebewesen an sich und vor allen Dingen auch in der sozialen Gemeinschaft mit anderen Menschen erheblich erschweren. Deshalb muss auch die Master-Clock synchronisiert werden – mit dem Hell-Dunkel-Zyklus des terrestrischen Tages.

Äußere Uhr – die Solare Uhr

Bedingt durch die Rotation der Erde um die Sonne richtet sich der Erdtag nach der Sonne und beträgt 24 Stunden. Menschen nehmen Hell und Dunkel fast ausschließlich über die Augen wahr. Die Lichtsignale werden darüber an den Nucleus suprachiasmaticus (die Master Clock) weitergleitet. Dieser ist wiederum über komplexe Verschaltungsprozesse mit der Zirbeldrüse verbunden. Hier wird in Abhängigkeit von der Lichteinstrahlung der wesentliche Vermittler von Hell und Dunkel, der Botenstoff Melatonin, ausgeschüttet.

Äußeren Uhr – Melatonin als wichtigster Vermittler von Licht und Dunkelheit

Melatonin ist ein universelles Dunkelsignal bei Säugetieren. Die Ausschüttung steigt mit zunehmender Dunkelheit an und leitet bei Menschen über verschiedene Prozesse den Schlaf ein. Bei Licht wiederum stoppt die Melatoninausschüttung. Bei nachtaktiven Tieren ist dieser Prozess aufgrund einer anderen Übersetzung umgekehrt.

Äußere Uhr – Fasten und Essen takten auch

Licht ist als photoperiodisches Signal somit der wichtigste Zeitgeber für das sog. Entrainment. Damit ist gemeint, dass die genetische Uhr des Menschen mitgeführt wird. Es gibt allerdings noch einen weiteren, wahrscheinlich sehr relevanten Mechanismus des Entrainments: der Hunger bzw. regelmäßige Mahlzeiten. So konnte man bei Mäusen, denen der Nucleus suprachiasmaticus operativ entfernt worden war, zeigen, dass ihre inneren Unteruhren zunehmend phasenverschoben laufen – was zu gesundheitlichen Störungen führte. Das galt allerdings nur für die Tiere, denen man kontinuierlich Futter zur Verfügung stellte. Hingegen kam es bei Tieren, die mindestens 16 Stunden hungern und dann nur in einem kurzen Zeitfenster Nahrung erhielten, zu einer vollkommenen Resynchronisierung der Unteruhren. Dieser Befund spielt höchstwahrscheinlich auch eine Rolle bei der Frage, wie Jetlag oder Schichtarbeit beherrscht werden kann. Möglicherweise ist das auch ein Argument für die sogenannte 16/8-Diät, bei der in einem Zeitraum von 16 Stunden nicht gegessen wird.

Äußere Uhr – regelmäßige Rituale helfen auch

Andere nachgeordnete externe Zeitgeber sind regelmäßige Rituale: Zum Beispiel eine kalte Dusche am Morgen bzw. ein warmes Bad am Abend, Meditation am Morgen, körperliche oder soziale Aktivität zu einer bestimmten Tageszeit.

Störungen der Chronobiologie – kurzer Überblick

Störungen des zirkadianen Rhythmus können sowohl Folge als auch Ursache von Erkrankungen sein.
Die wichtigste ursächliche Störquelle ist künstliches Licht, und hier vor allen Dingen Computerlicht mit einem hohen Blauanteil. So hat sich die Schlafzeit seit der Einführung der Glühbirne um ca. 2 Stunden verkürzt. Weitere zivilisatorische Ursachen für chronobiologische Fehlsteuerungen sind z.B. der Zeitzonenwechsel bei Fernreisen mit dem bekannten Jetlag und die Schichtarbeit. Solche Faktoren können das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen negativ beeinflussen. Zum Beispiel Bluthochdruck und Herzinfarkt, Stoffwechselstörungen wie den Diabetes mellitus und auch das Immunsystem, so dass z.B. eine vermehrte Infektanfälligkeit entsteht.

Eine natürliche chronobiologische Anpassungsstörung tritt mit dem Wechsel der Jahreszeiten auf. Es kann zum Beispiel zu saisonalen depressiven Verstimmungen, dem Winterblues, kommen. Bei verschiedenen neuro-psychiatrischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz oder manisch-depressiven Erkrankungen weiß man noch nicht genau, ob eine chronobiologische Störung die Erkrankung mit begünstigt oder ob die Erkrankung Folge einer veränderten Chronobiologie ist.

Chronotherapie – ein Gebiet mit Zukunft

Die Chronobiologie ist ein noch sehr junges wissenschaftliches Gebiet. In Zukunft sind hier weitere wichtige Erkenntnisse zur Gesunderhaltung bzw. zur Therapie bei Erkrankungen, angefangen bei den weit verbreiteten Schlafstörungen, zu erwarten. Das medizinische Gebiet, welches sich mit der Behandlung von chronobiologischen Prozessen beschäftigt, ist die Chronomedizin bzw. die Chronotherapie. Sie zielt wesentlich auf die Synchronisierung von biologischen Prozessen mit Helligkeit und Dunkelheit ab.

Wir in der Cardiopraxis berücksichtigen auch zunehmend Erkenntnisse der Chronopharmakologie. Diese beschäftigt sich speziell mit der Einnahme von Medikamenten in Abhängigkeit vom zirkardianen Rhythmus des Menschen.

 

Terman M, McMahan I (2012) Chronotherapy: Resetting Your Inner Clock to Boost Mood, Alertness, and Quality Sleep. New York, Penguin

Fuller PM, Lu J, Saper CB. Differential Rescue of Light- and Food-Entrainable Circadian Rhythms. Science 2008;320:1074-1077 ?Podcast mit Clifford Saper 

Walker M (2019) Ds große Buch vom Schlaf. Goldmann Verlag

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Zwei Mal jährlich wird in Deutschland die Uhr umgestellt: im Frühjahr um eine Stunde vor auf Sommerzeit, im Herbst um eine Stunde zurück auf Winterzeit. Wer den alten Rhythmus bis zuletzt beibehält und den Wechsel damit abrupt erlebt, kann unter Schlafstörungen leiden. Das Unfall- und Krankheitsrisiko ist dann erhöht, die eigene Leistungsfähigkeit zudem reduziert.

Wer sich dagegen frühzeitig langsam auf die Zeitumstellung vorbereitet, kann solche Probleme vermeiden. Wie das geht, zeigen wir Ihnen an einem Beispiel zum Wechsel auf Sommerzeit.

Angenommen wird dabei eine siebenstündige Schlafzeit von 22 Uhr bis 5 Uhr im Normalfall. Stufenweise soll folgendermaßen früher zu Bett gegangen und früher aufgestanden werden:

• Mittwoch: 21:45 Uhr zu Bett

• Donnerstag: 04:45 aufstehen und um 21:45 Uhr zu Bett

• Freitag: 04:30 Uhr aufstehen und um 21:30 Uhr zu Bett

• Samstag: 04:15 Uhr aufstehen und um 21:15 Uhr zu Bett (in dieser Nacht wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt!)

• Sonntag: 05:00 Uhr aufstehen und um 22 Uhr zu Bett

• Montag: 05:00 Uhr aufstehen

Diese Zeitintervalle können natürlich auch auf andere, individuell für Sie passendere Uhrzeiten angewendet werden – es geht hierbei lediglich um die beispielhafte Veranschaulichung der stufenweisen Anpassung.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Mindestens 84 Prozent aller deutschen Haushalte haben heute einen Computer oder ein Smartphone. Häufig werden diese Geräte auch abends genutzt – mit gravierenden Folgen: Die Geräte emittieren Licht mit hohem kurzwelligem Blauanteil, was die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin um bis zu 22 Prozent reduziert. Schlafstörungen werden dadurch begünstigt.

Abhilfe schaffen kann die Nightshift-Funktion, die den Blauanteil aus dem Computerlicht herausfiltert und wärmere Farben benutzt. Durch unsere Instagram-Befragung, bei der 90 Personen (davon 55 Prozent unter 35 Jahre) teilnahmen, haben wir herausgefunden: 52,2 Prozent der Computernutzer kannten die Nightshift-Funktion nicht – leider! Dabei können insbesondere Menschen mit Schlafstörungen von dieser kleinen Umstellung am Abend profitieren.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Die Schlafseite in der Nacht – Blutdruck, Blutfluss und Befinden

„Wer rechts liegt, schont das Herz“ titelte die Welt am Sonntag am 1. Juli 2018 – aber so einfach ist es nicht! Denn die Belastung des Herz-Kreislaufsystems durch eine bestimmte Seitenlage ist individuell unterschiedlich.

Zu Thema “Kreislauf und Schlaflage” werden Sie einiges im Internet finden, vieles ist davon Unsinn. Sie werden zu diesen Zusammenhängen auch wenige wissenschaftliche Daten finden. In der Cardiopraxis verfügen wir durch das Finapres-System über langjährige messtechnisch quantifizierte Erfahrung bei Kreislaufveränderungen in unterschiedlicher Körperlage. Das hat auch Konsequenzen bei der Behandlung von verschiedenen Erkrankungen. Hier haben wir gute Erfahrungen bei Schlafstörungen, sowohl bei erhöhtem als auch bei erniedrigtem Blutdruck sowie bei Herzschwäche und Herzklappenfehler gemacht.

Schlafseite – individuell unwillkürlich oder willkürlich? 

Fast alle Menschen haben eine bevorzugte Schlafseite, viele schlafen auf der rechten Körperseite, nicht wenige auf der linken Seite und manchen schlafen sogar gerne auf dem Bauch. Der Grund dafür, dass Sie eine bestimmte Schlafseite wählen ist meistens instinktiv, d.h. Sie fühlen sich auf dieser Seite innerlich am wohlsten und ruhigsten, wir nennen das die unwillkürliche Schlafseite. Haben Sie andere Gründe für die Wahl einer Seite, z.B. liegen Sie gerne zum Fenster hin oder vom Partner abgewandt, dann nennen wir das die willkürliche Schlafseite.

Schlafseite – Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand unterschiedlich 

Der Blutdruck kann auch bei Ihnen z.B. zwischen der Rechts- und der Linksseitenlage bis zu 40 mmHg unterschiedlich sein. Diese Erkenntnisse zum Blutdruck sind durch die polysomonografischen Messungen aus der Schlafmedizin bekannt.

Was nicht bekannt ist, sind der Einfluss der Seitenlage im Liegen auf differenzierte Kreislaufparameter. In der Tat ist es so, dass Kreislaufwerte, so z.B. Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand ebenfalls in wechselnder Seitenlage unterschiedlich sind. In der Cardiopraxis haben wir, dank der Möglichkeit zur differenzierten Kreislaufmessung mit dem Finapres-System diesbezüglich umfangreiche Erfahrungen.

Unsere Betrachtung beginnt immer mit der Bestimmung des Durchmessers der unteren Hohlvene, die sauerstoffarmes Blut zum Körper zurückführt. In der Regel ist so, dass auf der Körperseite, auf der die untere Hohlvene weiter gestellt ist, auch der Blutfluss höher und der arterielle Blutdruck bzw. der errechnete Gefäßwiderstand niedriger sind. Das Herz-Kreislaufsystem ist somit prinzipiell mehr entlastet. Wir gehen hier von einem Schutzreflex aus, der die anatomischen Strukturen, z.B. die dünne Muskulatur der Vorkammern vor Überdehnung schützt: weite Vene bedeutet erhöhte Wandspannung in der Herzvorkammer und hat zu entlastender Arterienweitstellung.

Grundsätzlich stellt dieser Zusammenhang den Normalzustand dar, auf einer Seite ist der Gefäßwiderstand immer niedriger als auf der anderen. Die am besten entlastete Seite wird häufig instinktiv als die unwillkürliche Schlafseite gewählt. In etwa 30 % der Fälle wird der Kreislauf in Linksseitenlage besser entlastet als in Rechtsseitenlage.

Kreislauf differenziert im Liegen messen

Liegen bei Ihnen Schlafstörungen bzw. Kreislaufveränderungen, wie zu niedriger oder zu hoher Blutdruck oder auch eine Herzschwäche bzw. ein Herzklappenfehler vor, dann führen wir bei Ihnen eine sog. Rotationsmessung im Liegen durch.

Wir beginnen indem wir den Durchmesser der unteren Hohlvene direkt vor dem Übergang zur rechten Vorkammer des Herzens in unterschiedlicher Seitenlage im Liegen bestimmen. Dann schließen die Messungen im arteriellen Gefäßkreislauf an. Hier leiten wir mit dem Finapres-System die differenzierten Kreislaufparameter wie Blutfluss, Gefäßwiderstand und als Maß für das neuro-vegetative Gleichgewicht die Baro-Rezeptorsensitivtität in unterschiedlicher Seitenlage ab.

Die Dauer der Untersuchung beträgt ca. 10 Minuten, die Auswertung dauert etwa 5 Minuten.

Unsere Erkenntnisse zu den Veränderungen des Kreislaufs setzen wir immer wieder bei gesundheitlichen Störungen ein.

Schlafseite in der Nacht – Schlafstörungen

Leiden Sie unter Schlafstörungen, vor allen Dingen unter Einschlafstörungen und liegen willkürlich auf der Herz-belastenden Seite, dann können wir Ihnen den praktischen Hinweis geben, die Schlafseite zu wechseln. Das hat manchmal zur Folge, dass mit Ihrem Partner die Bettseite tauschen (um weiter zu- oder abgewandt zu liegen) oder auch mal das Bett umstellen (um weiter zum Fenster oder der Tür zu liegen).

Schlafseite in der Nacht – Bluthochdruck

Wenn bei Ihnen ein erhöhter Blutdruck vorliegt, dann raten wir Ihnen in der Regel dazu auf der Niederdruck-Seite zu schlafen. Das hat nicht nur zur Folge, dass Ihr Herz besser entlastet ist, sondern kann auch zu einer Verbesserung der Blutdruckeinstellung insgesamt beitragen. Es ist nämlich so, dass beim krankhaften Bluthochdruck der Sollwert im Regelkreis der Blutdruck nach oben verstellt ist. Durch konsequentes Schlafen auf der Niederdruck-Seite kann der Sollwert nach unten normalisiert werden.

Schlafseite in der Nacht – Benommenheit, Schwindel, Ohnmacht

Gerade bei jüngeren Menschen kommt häufig die Kombination aus niedrigem Blutdruck und Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfällen vor. Jüngere Menschen schlafen meistens tiefer und in Kombination mit dem Schlaf auf der Niedrigdruck-Seite, kann das Probleme zur Folge haben. Gerade diese Kombination hat zur Folge, dass der Sollwert für den Blutdruck in der Nacht auf einen zu niedrigeren Wert eingestellt wird. Das führt dann am Tag, wenn das Gehirn auch im Stehen richtig durchblutet werden muss, zu den bekannten Problemen. Wir sind dann meistens in der Lage mit einer Empfehlung zur Schlaflage gegebenenfalls auch mit unterstützenden mechanischen Maßnahmen Hilfe (Führungswiderstand bei Schlafen) zu leisten.

Schlafseite in der Nacht – Herzschwäche und Herzklappenfehler

Selbstverständlich ist dieser Ansatz zur richtigen Entlastung des Herzens im Schlaf auch von Bedeutung für Menschen mit Herzschwäche bzw. mit Herzklappenfehlern. Wenn das Herz im Schlaf lediglich gegen einen niedrig-normalen arteriellen anstatt einen hohen Gefäßwiderstand anpumpen muss, dann ist es besser entlastet und kann sich besser erholen.

Bei der Aortenklappenstenose, dem häufigsten Herzklappenfehler muss der linke Herzmuskel schon alleine durch die verengte Klappe gegen einen erhöhten Widerstand angepumpt werden. In der Nacht sollte daher gerade hier eine zusätzliche Belastung durch Schlaf auf der Hochdruck-Seite vermieden werden.

Gerade wenn die Aortenklappeninsuffizienz  und/oder der Mitralklappeninsuffizienz, dann wenn als eine Klappe undicht ist, sollte der nachgeschaltete Gefäßwiderstand niedrig sein, so dass bei undichter Klappe möglichst wenig Blut in die linke Haupt- bzw. Vorkammer zurückfließt. Das entlastet im Schlaf nicht nur das Herz, sondern auch die Lunge.

Empfehlung zur richtigen Schlaflage – individuell nur mit differenzierenden Messungen

Wir haben Ihnen in den vorangehenden Ausführungen das normale Kreislaufverhalten bei unterschiedlicher Seitenlage geschildert. Von diesem Normalzustand gibt es allerdings einige Ausnahmen. Wir sehen diese immer wieder bei Menschen mit niedrigem Blutdruck und Benommenheit, bei Bluthochdruck, bei Herzschwäche. Auch der Einsatz von Herz-Kreislaufmedikamenten verändert das Kreislaufverhalten im Liegen.

Wir raten daher von der alleinigen Messung des Blutdrucks als Maß für die Entlastung des Herz-Kreislaufsystems ab. Dieses Vorgehen kann Fehldiagnosen und Falschbehandlungen zur Folge haben. Ein vollständige Kreislaufmessung ist gerade bei Veränderungen im Liegen immer die Voraussetzung für richtiges Handeln.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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