Flaschentauchen bei Herz- und Kreislauferkrankungen – Tauchurlaub planen

Das Herz-Kreislaufsystem wird beim Flaschen-Tauchen unter Wasser belastet. Folglich sollten sich gerade Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen über den Einfluss des Flaschentauchens in Verbindung mit der individuellen Grunderkrankung informieren. Das gilt gerade für Menschen, die zum ersten Mal einen Kurs für Gerätetauchen planen.

Flaschentauchen – Risiko mechanische Belastung für die Lunge

Grundsätzlich gilt beim Tauchen: je tiefer Sie tauchen, desto stärker steigt der Umgebungsdruck. Ab Wasseroberfläche mit 1 bar steigt pro 10 m Tauchtiefe der Druck um jeweils 1 bar. Entsprechend dem Boyle-Mariott’schen Gesetze bleibt allerdings das Produkt aus Druck und Volumen konstant (Druck x Volumen = konstant). Das hat erhebliche Konsequenzen für Ihre Lunge.

Beim Tauchen ohne Atemgerät hat das beim Abtauchen folgende Konsequenzen. Zum Beispiel, wenn Sie an der Wasseroberfläche (1 bar) ein Lungenvolumen von 6 l haben, dann beträgt es in 10 m Tiefe (2 bar) nur noch 3 l. Wenn Sie auftauchen dehnt sich das das Volumen entsprechend wieder aus.

Beim Tauchen mit Atemgeräten wird allerdings das Lungenvolumen durch den Druck aus der Atemflasche beim Abtauchen konstant gehalten. Beim Auftauchen jedoch dehnt sich das Gasvolumen in der Lunge trotzdem aus: in 10 Meter Tiefe 6 l Luft, an der Wasseroberfläche 12 l Luft. Folglich sollten Sie stets regelmäßig ein- und auszuatmen und keinesfalls beim Aufstieg die Luft anhalten! Sonst besteht die Gefahr der Lungenüberdehnung mit Mediastinalemphysem, Pneumothorax oder arterieller Gasembolie.

Flaschentauchen – Risiko für Herz und Kreislauf

Alleine die mechanische Belastung der Lunge führt zu einer Beeinträchtigung des Kreislaufs indem die Lungenarterien und -venen eingeengt werden. Hinzu kommen der Umgebungsdruck und die Kälte, welche folglich einen Anstieg des Blutgefäßwiderstandes und damit eine Herabsetzung der Durchblutung begünstigen. Folglich wird auch das Herz vermehrt mechanisch belastet, was gerade bei Herzschwäche und Herzklappenfehlern zu kritischen Konsequenzen, wie Durchblutungsstörungen und Lungenödem führen kann. Das gilt nicht nur für die Phase des Tauchgangs, sondern auch für die Stunden bis Tage danach.

Der sog. Tauchreflex bedingt überdies, dass durch den erhöhten Umgebungsdruck unter Wasser, dass die Herzfrequenz um bis zu 30% abfallen kann. Dieser Mechanismus hat gerade bei Herzerkrankungen in Verbindungen mit einer niedrigen Ausgangsfrequenz, z.B. durch die Einnahme eines Beta-Blockers einen kritischen Einfluss auf die Durchblutung Ihres Körpers.

Tauchen bei Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzklappenfehlern, Herzschwäche und nach Implantation Herzschrittmacher bzw. Defibrillator

Voraussetzung für die Tauchtauglichkeit beim Gerätetauchen ist eine normale linksventrikuläre Ejektionsfraktion in Ruhe und bei Belastung. Zeichen der Durchblutungsstörung unter Belastung müssen ausgeschlossen sein.

Bei Bluthochdruck ist angezeigt:

  • nur bei guter Blutdruckeinstellung
  • Vorsicht bei Betablocker + Tauchreflex: Dadurch können Herzrhythmusstörungen entstehen!

Bei Koronarer Herzkrankheit gilt:

  • frühestens 12 Monate nach Herzinfarkt (wenn beschwerdefrei, Belastung-EKG & Echokardiographie unauffällig)
  • kein Tauchen unter Clopidogrel + Aspirin
  • nach Stent erst nach 6 Monaten Pause

Menschen mit einem Schrittmacher sollten berücksichtigen:

  • das Aggregat muss drucktauglich sein
  • nur in geringen Tiefen tauchen
  • ein adäquater Herzfrequenz-Anstieg unter Belastung ist prinzipiell möglich

Vorhofflimmern stellt kein Problem fürs Flaschentauchen dar, wenn:

  • die Herzfrequenzkontrolle und Belastbarkeit gut sind
  • keine strukturelle Herzerkrankung vorliegt

Bei Herzklappenfehlern können Sie mit Geräten tauchen, wenn:

  • Engstellen der Aortenklappe bzw. der Mitralklappe leichtgradig sind (Öffnungsfläche >1,5 cm2)
  • Undichtigkeiten an den Klappen leichtgradig sind, z.B. an der Aortenklappe oder der Mitralklappe (Rückwurffraktion <20%)

Keine Freigabe zum Flaschentauchen bekommen Menschen mit:

Sonderfall – Flaschentauchen und offenes Foramen ovale (PFO)

Ein offenes Formale ovale als Residuum des Fetalkreislaufs liegt bei ca. 25% der Bevölkerung vor. Im eigentlichen Sinne ist ein offenes Foranen ovale somit kein Herzfehler, sondern eine Normvariante. Dieses sog. PFO (engl.: patent formalen ovale) ist eine Kurzschlussverbindung zwischen venösem und arteriellem Kreislauf, d.h. venöses Blut, und somit auch Gas kann aus der rechten Herzvorkammer in den systemarteriellen Kreislauf und damit in das Gehirn gelangen.

Bei einem PFO besteht immer mindestens eine relative Kontraindikation, d.h. von Flaschentauchen wird eher abgeraten, da das Risiko sowohl einer symptomatischen als auch asymptomatischen Gasembolie in das Gehirn erhöht ist. Letzteres kann auch langfristige Folgen für die Gehirnleistung haben.

Eine absolute Kontraindikation besteht immer, wenn ein offenes Foramen ovale vorliegt und in der Vergangenheit bei Tauchgängen Symptome einer Gasembolie bemerkt wurden. Neurologische Symptome einer arteriellen Gasembolie sind z.B. Verwirrtheit, Sprach- und Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit bis hin zum Bewusstseinsverlust. Auch Halbseiten- und Querschnittslähmungen können die Folge sein.

Ähnlich sollte das auch gehandhabt werden, wenn bei einer Computertomografie des Gehirns ein diffuses embolisches Muster nachgewiesen wird. Wir sind auch der Überzeugung, dass der sog. spontane Rechts-Links-Shunt, d.h. der Übertritt von Blut aus der rechten in die linke Vorkammer ohne Druckerhöhung ein erhöhtes Risiko darstellt. Dieser spontane Rechts-Links-Shunt kommt bei ca. 12,5% in der Bevölkerung vor und kann direkt in der Echokardiografie (am besten transoesophageale Untersuchung von der Speiseröhre aus) werden. Indirekte Hinweise auf eine Kurzschlussverbindung können auch mittels transkranieller Dopplersonografie der Hirnarterien gewonnen werden.

Tauchtauglichkeit bei Herz- und Kreislauferkrankungen – differenzierte Diagnostik wichtig

Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sollten sich im Hinblick auf die Tauchtauglichkeit mit Atemgeräten 1 mal im Jahr von einem spezialisierten Arzt untersuchen lassen. Hier erhalten Sie dann das Attest für die Tauchtauglichkeit, was nicht zuletzt aus versicherungstechnischen Gründen wichtig ist.

Wir halten es für ratsam, dass Sie zusätzlich eine Untersuchung bei einem spezialisierten Herz-Kreislaufmediziner durchführen. Beim Kardiologen sind apparative Möglichkeiten und die Erfahrungen auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufmedizin häufig umfangreicher. So können wir eine Herzschwäche mit der Bestimmung der Ejektionsfraktion, ein möglicher Lungenhochdruck und Herzklappenfehler besser bewerten.

 

 

Flugreisen – ein anderes Höhenklima

Bei Flugreisen wird der Kabinendruck bei jeder Reiseflughöhe auf ca. 2.400 Höhenmeter angepasst. Das bedeutet, dass der Luftdruck in der Flugkabine von 760 mmHg auf Meereshöhe auf 567 mmHg abfällt. Dadurch verringert sich auch der sog. Sauerstoffpartialdruck auf 66-71 mmHg. Der lebenswichtige Sauerstoff wird daher nicht mehr so gut in Ihren Körper aufgenommen. Das können wir daran sehen, dass die Sauerstoffsättigung im Blut von 97 auf 91 % deutlich sinkt. Wir sprechen hier von der hypobaren Hypoxie.

Darüber hinaus ist die Luftfeuchtigkeit der Kabine auf 5 Prozent reduziert, was ebenfalls Ihre Gesundheit beeinträchtigen kann.

Ein weiterer Umstand, der zu Stress führen kann: Gase dehnen sich in Ihrem Körper um 28 bis 46 % aus.

Anpassung an das Höhenklima im Flugzeug

Ihr Körper versucht den veränderten Luftdruck und damit auch den geringeren Sauerstoffpartialdruck auszugleichen. Folglich steigert er Ihre Kreislaufleistung. Das können Sie selbst bemerken durch einen Anstieg der Herzfrequenz um 5 bis 10 Schläge/min. Darüber hinaus versucht Ihr Körper die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen, indem die Atemfrequenz steigt.

Durchaus bedeutsam ist, dass der niedrige Sauerstoffpartialdruck eine Engstellung der Lungenarterien bewirkt. Dadurch steigt der Druck in der Lungenstrombahn. Folglich kann das rechte Herz im Krankheitsfall kritisch belastet werden.

Fliegen mit Herzerkrankung

Langstreckenflüge sind prinzipiell möglich. Voraussetzung dafür ist, dass Sie eine gute Belastungskapazität haben. Den Fahrradergometer-Test sollten Sie erst oberhalb von 75 Watt abbrechen müssen. Das Steigen einer Treppenetage im Alltag sollte Ihnen mühelos möglich sein und ein Hochdruck der Lunge darf nicht vorliegen. Der Hochdruck der Lunge lässt sich übrigens mittels Herzultraschall häufig beim Kardiologen bestimmen.

Risiko bei Flugreise – Koronare Herzkrankheit nach Herzinfarkt und Herzschwäche 

Niedriges Risiko. Ein niedriges Risiko liegt vor, wenn Sie unter 65 Jahre alt sind, die koronare Herzkrankheit erfolgreich behandelt ist und die Pumpleistung des linken Herzens allenfalls leichtgradig eingeschränkt ist. Letzteres bedeutet, dass die Auswurfleistung, die sogenannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, über 45 % liegt (normal ist 55 bis 70 %). Des Weiteren dürfen keine Komplikationen, wie z.B. Rhythmusstörungen, vorliegen. Nach einem Herzinfarkt können Sie so 3 Tage nach dem Ereignis bereits wieder in ein Flugzeug steigen.

Hohes Risiko. Ein hohes Flugrisiko haben indes Patienten mit Symptomen der Herzschwäche bzw. mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von unter 40 %. Letzteres bedeutet zumindest eine höhergradig eingeschränkte Pumpfunktion.

Auch Menschen, bei denen ein Stent oder eine Bypassoperation geplant sind, gehören zur Risikogruppe. Ebenso solche, bei denen ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt werden soll.

 Flugreise nach Herzkatheter, Stent und Bypassoperation

Nach einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung mit unauffälliger Einstichstelle können Sie nach 24 Stunden eine Flugreise antreten. Nach einem Stent ist das je nach Komplexität des Eingriffes nach 2 bis 3 Tagen möglich. Besprechen Sie dies mit dem Kardiologen, der den Eingriff gemacht hat!

Nach einem unkomplizierten herzchirurgischen Eingriff muss auf Folgendes geachtet werden: Die Luft, die operationstechnisch in der Lunge verblieben ist, muss verschwunden sein. Das ist frühestens nach 14 Tagen der Fall.

Nach einem komplizierten herzchirurgischen Eingriff, z.B. mit einer deutlich eingeschränkten Pumpfunktion und Rhythmusstörungen sowie Blutarmut, sollten Sie frühestens nach 6 Wochen eine Reise antreten.

Fliegen bei Herzklappenerkrankungen

Bei Herzklappenerkrankungen sollte sichergestellt sein, dass keine hochgradigen Engstellen von Mitralklappe oder Aortenklappe (kleiner als 1 cm²) bestehen. Ein Lungenhochdruck sollte ebenfalls nicht vorliegen.

Fliegen bei Herzerkrankungen – vorab informieren 

Fliegen bei Herzerkrankung ist also prinzipiell möglich. Sie sollten das Vorgehen bei der Reiseplanung berücksichtigen und vorab mit Ihrer Kardiologin beziehungsweise Ihrem Kardiologen besprechen.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Blitzeinschlag – Gefahr für elektrische Organe im Körper

Ein Blitzeinschlag bedeutet, dass zwischen Wolken und Erde bis zu 100.000.000 Volt Energie freigesetzt werden können. Die Stromstärke beträgt bis zu 100.000 Ampere. Dabei dauert eine Blitzentladung nur ca. 0,02 Sekunden. Gerade wegen der kurzen Entladungsdauer kann man einen direkten Blitzeinschlag überleben.

Besonders empfindlich gegenüber Blitzen sind elektrische Organe Ihres Körpers, vor allen Dingen Herz und Nervensystem. Das Herz ist ein elektro-mechanisches Organ. Im Sinusknoten wird selbstständig eine Erregung erzeugt, die über spezialisierte Zellen geordnet auf die Herzmuskulatur übergeleitet wird. Dort bewirkt sie eine mechanische Aktion. Grundsätzlich können alle Herzmuskelzellen eine elektrische Aktion bilden – und sind somit störanfällig für einen Blitzeinschlag.

Herzschädigung durch Blitzeinschlag

Die Herzschädigung durch einen Blitzeinschlag ist entweder direkt oder indirekt. Die direkte Schädigung bedeutet ein elektrisches bzw. ein mechanisches Trauma des Herzens. Das erkennt man etwa daran, dass vermehrt Herzmuskelenzyme (Troponin) freigesetzt werden. Die indirekte Schädigung entsteht, wenn exzessiv Katecholamine ausgeschüttet werden und eine übermäßige autonome sympathische Stimulation erfolgt. Ihr Herz wird einfach überbeansprucht und erschöpft sich.

Tod durch Blitzschlag – akute Phase

Meistens sind es Herzrhythmusstörungen, die durch einen Blitzeinschlag zum unmittelbaren Tod führen. Kammerflimmern ist dabei eine schnelle unkoordinierte Herzmuskelzuckung. Es kommt praktisch zum elektrischen Sturm im Herzen. Ein geregelter Blutauswurf wird nicht mehr möglich, der Kreislauf steht still.

Eine weitere Form ist die sogenannte Asystolie. Dabei fehlt die elektrische Aktivität des Herzens komplett. Auch das zieht einen Kreislaufstillstand nach sich. Weitere akute Todesursachen sind Atemlähmungen durch geschädigte Nerven sowie sehr selten zerrissene innere Organe durch die enorme Druckwelle.

Tod durch Blitzschlag – frühe Phase

Auch in der frühen Phase nach einem Blitzeinschlag ist das Herz gefährdet. Schon gering geschädigte Herzmuskelzellen können Rhythmusstörungen auslösen. Ausgedehnte Schädigungen können sogar einen Herzinfarkt bis hin zum muskulären Herzversagen zur Folge haben. Des Weiteren können ein akutes Nierenversagen sowie Verbrennungen zu kritischen Konsequenzen mit Todesfolge führen.

Blitzschlagopfer – immer ein Notfall

Ein Blitzunfall ist immer ein Notfall. Er muss für mindestens 24 Stunden intensivmedizinisch überwacht werden. Ebenso muss er langfristig kardiologisch betreut werden, da auch Folgeschäden vorkommen können.

Die kardiale Diagnostik im Intensivbereich ist immer mit einer Monitorüberwachung verbunden, mit der man Rhythmusstörungen erfassen kann. Laborchemische Untersuchungen erfassen das herzspezifische Troponin als Marker für das Absterben von Herzmuskelzellen. Selbstverständlich kommt routinemäßig der Herzultraschall zum Einsatz, um eine Herzmuskelschwäche bzw. einen Herzbeutelerguss zu erfassen.

Blitzeinschlag und Herz – verschiedene Symptome

Wie gesagt, der Blitz kann zu Herzrhythmusstörungen führen, die von einfachen Formen wie Extrasystolen über Vorhofflimmern bis zum gefährlichen Kammerflimmern reichen können. Die elektrische Erregung bzw. Überleitung kann ebenfalls gestört sein, z.B. in Form einer Asystolie bzw. eines AV-Blocks. Diese Phänomene verursachen einen zu langsamen Puls bis hin zum Herzstillstand.

Auch eine Herzschwäche, die mit Luftnot und Wassereinlagerungen verbunden sein kann, ist möglich. Im schlimmsten Fall kommt es zum Herzversagen, dem kardiogenen Schock. Minderdurchblutete Organe gehen damit einher, bis hin zum Ausfall von Nieren-, Leber- und Gehirnfunktion.

Ein Herzbeutelerguss entsteht meistens als Folge eines mechanischen Traumas und zieht eine gestörte Füllung des Herzens nach sich. Damit verbunden ist ebenfalls eine verringerte Kreislauffunktion.

Sollten Sie einen Herzschrittmacher tragen und einem Blitzschlag ausgesetzt sein, dann können Sie davon ausgehen, dass der Herzschrittmacher defekt ist. Hier muss in der Regel ein Austausch des Systems stattfinden.

Blitzschlag – langfristige Folgen für das Herz

Auch lange nach einem Blitzschlag kann dieser noch Probleme am Herzen bereiten. Häufig bleiben über lange Zeit EKG-Veränderungen bestehen beziehungsweise verschwinden gar nicht wieder. Betroffene Personen neigen zu Herzrhythmusstörungen. Besonders hartnäckig ist eine chronische Entzündung des Herzbeutels.

Erste Hilfe bei Blitzschlag

Auf jeden Fall sollten Sie einem Blitzschlagopfer Erste Hilfe leisten. Berührung bedeutet nach dem Blitzschlag keine Gefahr für Sie.

Bevor Sie mit den Maßnahmen beginnen, setzen Sie den Notruf 112 ab. Falls erforderlich, beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Die Wiederbelebungsmaßnahmen sind, da es sich nicht um eine Herzerkrankung im eigentlichen Sinne handelt, überdurchschnittlich erfolgreich.

Vorbeugung bester Schutz vor Blitzschäden

Blitzeinschläge treffen auch elektrische Organe und können lebensbedrohlich sein.
Der beste Schutz vor einem tödlichen Blitzschlag ist die Vorbeugung. Beachten Sie die 30/30 Regel: Zeit zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden: hohes Risiko; 30 Minuten nach dem letzten Donner: Entwarnung.

Bei hohem Risiko eines Blitzeinschlags suchen Sie frühzeitig Schutz in einem Gebäude oder Automobil auf. Im Freien verringern Sie die Kontaktfläche mit dem Boden und verringern Sie Ihre Körperhöhe, indem Sie in die Hocke gehen.Ist die Zeit zwischen Blitz und Donner gar kürzer als 5 Sekunden, besteht ein sehr hohes Risiko. Beim Golfspielen zum Beispiel sollten Sie dann unmittelbar in die Hocke gehen, am besten in einer Vertiefung, und nicht mehr das entfernte Clubhaus aufsuchen.
Hilfreich ist die App Blitzortung Live.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Borrelien werden durch Zecken übertragen

Die Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Erkrankung, die auch das Herz angreifen kann. Der Erreger, ein Bakterium, heißt Borrelia burgdorferi und bevölkert den Darm der Zecke. Durch den Zeckenstich und dem damit verbundenem Verdauungsakt gelangt das Bakterium aus dem Darm zu den Beißwerkzeugen und so in das menschliche Gewebe. Die Übertragung findet frühestens nach einigen Stunden Kontaktzeit statt. Folglich ist ein frühes Entfernen der Zecken hocheffektiv und schützt vor der Borreliose.

Zecken in ganz Deutschland verbreitet

Zecken sind in ganz Deutschland verbreitet. Erkrankungen an Borreliose werden vor allen Dingen aus allen ostdeutschen Bundesländern, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Die Saison für die verschiedenen Zecken beginnt im Frühjahr mit Temperaturen zum Teil schon ab 8 Grad Celsius und dauert bis zum Herbst.

Die Häufigkeit von Borrelien in Zecken ist schwierig zu ermitteln. Wir wissen, dass es beim Menschen nach einem Zeckenstich in 2,6 bis 5,6 Prozent der Fälle zu einer immunologischen Antwort kommt: Antikörper bilden sich. 41 von 100.000 Einwohnern pro Jahr erkranken an Borreliose, die Dunkelziffer ist allerdings unklar.

Borreliose – Symptome nach Tagen bis Wochen

Die Inkubationszeit für eine Borreliose, also bis sich Krankheitssymptome bemerkbar machen, beträgt nach Zeckenstich 3 bis 30 Tage. Ein frühes Symptom ist eine wandernde, ringförmige Rötung an der Stichstelle, das sogenannte Erythema migrans. Später sind dann auch das Nervensystem, die Haut, Gelenke und auch das Herz beteiligt – was erst Monate nach dem ursächlichen Stich auftreten kann.

Herz und Borreliose – Störungen des Herzrhythmus meistens das Problem

In 0,3 bis 4 Prozent aller Fälle ist das Herz bei Borreliose beteiligt – und damit sehr selten. Frauen sind im Gegensatz zu Männern deutlich häufiger betroffen, das Geschlechterverhältnis beträgt 3 zu 1. Die Herzbeteiligung wird ungefähr 3 Wochen nach dem Erythema migrans symptomatisch.

Die wichtigste Form der Herzbeteiligung bei einer Borreliose ist ein blockierter AV-Knoten. Folglich kann es zu einem langsamen Herzschlag kommen. Das Risiko für eine Ohnmacht ist so erhöht. Diese Störung ist allerdings häufig nur vorübergehend, und lediglich in 10 Prozent der Fälle ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation erforderlich.

Weiterhin kommen als Folge der Infektion auch Rhythmusstörungen wie einzelne Extrasystolen vor. Diese können dann auch mal komplexe Formen annehmen, z.B. in Form von Vorhofflimmern.

Eine weitere Form der Herzbeteiligung durch Borrelia burgdorferi ist die Herzbeutel– beziehungsweise Herzmuskelentzündung. Folglich kann auch eine Herzschwäche auftreten.

Borreliose – schwierige Diagnose

Die Diagnostik der Borreliose ist schwierig. Vor allen Dingen muss der Arzt gerade in den Sommermonaten und in den Folgemonaten daran denken.

Für den Kardiologen ist es der neu aufgetretene langsame Herzschlag vor allem bei jungen Menschen, der an eine Borreliose denken lässt. Im Ruhe-EKG oder auch im Langzeit-EKG können wir dann die durchaus flüchtig auftretende AV-Blockierung nachweisen. Auch bei einem Herzbeutelerguss oder einer Herzschwäche ohne erkennbare Ursache sollte man den Verdacht auf eine Borreliose lenken.

Nun muss der Zusammenhang zwischen den Veränderungen am Herzen und einem möglichen Zeckenstich hergestellt werden. Häufig können sich betroffene Personen zunächst nicht an einen Zeckenstich erinnern. Manchmal war es nur eine Wanderung durch ein waldreiches Gebiet vor einigen Wochen, und die Zecke wurde gar nicht bemerkt.

Als frühes Symptom kommt das Erythema migrans nur in 50 Prozent der Fälle vor. Der Antikörpernachweis im Blut ist bei der Interpretation im Hinblick auf eine akute Erkrankung schwierig. Ein Antikörper-Test wird daher nur bei einem begründeten klinischen Verdacht durchgeführt.

In der Frühphase der Erkrankung kann der Antikörper-Test ein negatives Ergebnis hervorbringen – hier besteht eine diagnostische Lücke. Daher sollte bei klinisch begründetem Verdacht trotzdem eine Behandlung in Erwägung gezogen werden. An Herzdiagnostik führen wir ein EKG, ein Langzeit-EKG, einen Herzultraschall und häufig auch ein MRT durch.

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika über 3 bis 4 Wochen behandelt. In sehr seltenen Fällen kann ein vorübergehender Herzschrittmacher erforderlich sein. In 10 Prozent der Fälle mit AV-Blockierung ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation nötig.

Zeckenbiß –  richtig vorbeugen ist bester Schutz

Bei der Borreliose ist der Schutz vor Zecken die wichtigste Vorbeugung. Beispielsweise sollten Sie im Wald auf festen Wegen bleiben, lange Hosen und feste Schuhe tragen. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur, sei es auf einer hochgrasigen Wiese, im Wald oder auch in Ihrem eigenen Garten, suchen Sie den Körper nach Zecken ab. Das ist vor allen Dingen bei Kindern wichtig. Achten Sie auf Kopf, Hals, die Unterseite der Arme einschließlich der Achseln und schauen Sie in den Kniekehlen und im Genitalbereich nach!

Zeckenbiß – richtig handeln

Die Zecke sollten Sie dann rasch entfernen, am besten mit einer Zeckenpipette. Diese wird unterhalb des Zeckenkopfs im Hautniveau angesetzt und die Zecke wird unterhalb des Körpers gegriffen. NIEMALS sollten Sie den vollgesaugten Zeckenkörper greifen. Als nächstes ziehen Sie die Zecke vorsichtig und gerade heraus. NICHT die Zecke herausdrehen, denn sonst bleiben Teile der Zecke in Ihrer Haut. Abschließend desinfizieren Sie die Einstichstelle gründlich und beobachten sie den Hautbereich in den nächsten Wochen!

 

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Zecken – aufgepasst!

Zeckensaison ist in Deutschland, wenn die Temperaturen steigen. Zecken sind auf dem Vormarsch. Es gibt zunehmend Berichte über neue Gattungen, die in unseren Breitengraden heimisch werden. Der Stich der Zecke ist häufig schmerzlos, so dass unser Warnsystem Schmerz nicht alarmiert. Folglich könen Zecken unbemerkt auf der Haut stundenlang verharren und es kann durch den Stich zur Übertragung von Krankheitserregern kommen.

Zecken können krank machen

Zwei Krankheiten übertragen Zecken hierzulande: die Borreliose und die Frühsommermenigoencephalitis (FSME).

Borreliose, die in ganz Deutschland verbreitet ist, erkennt man an der wandernden, ringförmigen Rötung an der Einstichstelle. Diese Rötung tritt nicht sofort auf, sondern nach wenigen Wochen, der Zeckenbiss, wenn er nicht bemerkt wurde, ist oft nicht erinnerlich. Eine Antibiotika-Therapie kann helfen und sollte durchgeführt werden, in der Regel über 3 Wochen. Eine vorbeugende Impfung gegen Borreliose gibt es allerdings nicht.

Die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), die vor allem in Süddeutschland verbreitet ist, löst grippeähnliche Symptome etwa 1 Woche nach dem Zeckenbiss aus. Gegen FSME kann man sich impfen lassen, eine spezifische Therapie wie bei der Borreliose gibt es jedoch nicht.

Zecken – so schützen Sie sich

Entscheidender Schritt sich vor Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden, zu schützen, sind präventive Massnahmen. Beim Biss einer Zecke, die potentielle Krankheitserreger in sich trägt, ist das Infektions- und damit Erkrankungsrisiko abhängig von der Verweildauer der Zecke auf der Haut.

Schützen kann man sich vor Zecken folgendermaßen:

  • im Wald auf festen Wegen bleiben
  • lange Hose und feste Schuhe anziehen
  • Körper nach Zecken absuchen
  • bei Kindern bevorzugt absuchen: Kopf, Hals, unter den Armen, Kniekehlen

Zecken – so entfernen Sie sie

Eine Zecke sollte unmittelbar aus der Haut entfernt werden. Dies muss nicht ärztlich passieren. Zu beachten gilt:

  • mit der Zeckenpinzette (gibt es im Drogeriemarkt) unterhalb des Zeckenkopfs im Hautniveau greifen (niemals den vollgesaugten Zeckenkörper!)
  • vorsichtig gerade herausziehen, nicht herausdrehen
  • abschließend die Einstichstelle desinfizieren
  • Einstichstelle in den nächsten Wochen beobachten

Seien Sie wachsam, suchen Sie vor allem Ihre Kinder nach dem Spielen im Grünen auf Zecken ab.

Wir empfehlen zudem die kostenlose App „ZeckTag“. Sie informiert umfassend über Vorsorge, regionale Verbreitung und Symptome der durch Zecken übertragenen Krankheiten.

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Hitzestress – Belastung für Herz und Kreislauf

Eine stabile Körpertemperatur ist sehr wichtig, damit alle biochemischen Prozesse in Ihrem Körper richtig funktionieren. Weicht die Körpertemperatur von Ihrem individuellen Sollwert ab, dann sprechen wir von thermischem Stress.

Im Falle von Wärme- oder sogar Hitzestress genügt schon eine Abweichung von +0,4 Grad Celsius, um bei Ihnen Symptome zu verursachen. Das kennt jeder von uns, wir werden unruhig, beim Aufstehen sind wir leichter benommen und unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind eingeschränkt.

Gerade in den Sommermonaten erleben wir in der Cardiopraxis dann immer wieder Menschen, die dann zusätzlich über einen Anstieg ihrer Herzfrequenz und starke Blutdruckschwankungen berichten. Nicht selten sind es auch Herzrhythmusstörungen, die Probleme bereiten. Folglich sind  vorbeugende Massnahmen gegen Hitzestress und Abkühlung gerade in dieser Jahreszeit besonders wichtig für Herz und Kreislauf.

Ihr Körper versucht Hitzestress selber auszugleichen

Damit Ihrem Körper nicht zu heiß wird, gibt es sog. Ausgleichsmechanismen, über die Ihre Wärmeabgabe gesteigert werden kann. In körperliche Ruhe und bei normalen Außentemperaturen erfolgt ca. 60% der Wärmeabgabe über die passive Abstrahlung; das ist ein ähnlicher Mechanismus, wie die Abkühlung einer warmen Tasse Tee in kühlerer Umgebung.

Ungefähr 25% der Wärme wird über die Blutbahn aus dem Inneren des Körpers an die Oberfläche geleitet und dort an die Umgebung abgegeben. Nur 15% werden über die Verdunstung, und vor allen Dingen hier über Schwitzen verloren.

Unter normalen Bedingungen hat die Steuerung der Durchblutung bei der Feinregulation des Wärmehaushalts die entscheidende Rolle, Schwitzen ist lediglich ein Reservemechanismus. Steigt Ihre Körpertemperatur, z.B. durch scharfes Essen oder hohe Außentemperaturen, dann gewinnt die Abgabe von Wärme über das Schwitzen zunehmend an Bedeutung.

Die Verdunstungswärme von Wasser beträgt 2.400 kJ/l. Das bedeutet, dass Sie mit dem Verdunsten von 0,5 l Wasser auf der Haut ca. 1/6 der Ruhewärmeproduktion eines ganzen Tages abgeben können. Unter anderem hat auch die erhöhte Wärmeleitfähigkeit von Wasser gegenüber festem Gewebe eine herausragende Bedeutung. Stehen Sie dann noch in einem leichten Luftzug, dann wird die Wärmeabgabe von intensiver, weil die vorbeiziehende Luft die Wärme noch besser abführt.

Kühle Dusche an heißen Tagen

Die Erkenntnisse aus der Thermodynamik und menschlichen Thermoregulation können für Sie bei hohen Außentemperaturen sehr nützlich sein. Wenn Sie nun, z.B. an einem heißen Sommertag merken, dass Sie Ihnen heiß wird und Sie unruhig werden, dann gehen Sie unter die Dusche.

Richtige Wassertemperatur. Die Wassertemperatur ist bei einer abkühlenden Dusche besonders wichtig. Sie sollte ca. 0,5 Grad Celsius über der Hauttemperatur liegen und folglich handwarm bis lauwarm sein. Ist die Wassertemperatur zu kalt, dann aktiviert Ihr Körper Ausgleichsmechanismen indem er die Durchblutung drosselt, weil er wahrnimmt, dass die Außentemperaturen deutliche gefallen sind. Folglich steigt Ihre Körpertemperatur sogar, Ihnen wird noch heißer. Duschen Sie zu heiß, dann steigt die Körpertemperatur ebenfalls unerwünscht.

Nicht abtrocknen. Nun das wichtigste. Nach dem Duschen nicht abtrocknen. So kann die Feuchtigkeit auf der Haut die Wärme sehr gut verdunstet werden.

Leicht bewegen. Sie können sich das Handtuch um die Hüften legen und sollten sich bewegen. Zum Beispiel hat es sich bewährt in dieser Zeit das Badezimmer aufzuräumen. Folglich wird durch den leichten Windzug Wärme noch besser abgeführt.

Mit dieser einfachen Maßnahme erreichen Sie eine sehr effektive Abkühlung. Das haben Mitarbeiter der Cardiopraxis selber mehrfach getestet.

Herz-Kreislauferkrankungen – kühl und ruhig bleiben

Gerade Menschen mit Herz-Kreislauf profitieren an heißen Tagen von kühlenden Maßnahmen. Denken Sie bitte immer auch daran genügend zu trinken: 30-(40) ml pro kg Körpergewicht pro Tag sollten es sein. Gut hydrierte Körperzellen leiten die Wärme über Abstrahlung besser ab. Bei Herzschwäche oder Nierenschwäche sollten Sie die Menge mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt absprechen.

 

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Der Mensch – ein tagaktives Lebewesen

Die Biologie des Menschen ist darauf ausgerichtet, dass er tagaktiv ist – dann, wenn es hell ist. Wesentliche Gründe sind evolutionsbiologisch entwickelte Merkmale des Menschen. Dazu zählen das hochentwickelte räumliche Sehvermögen, bedingt durch die Überschneidung der Blickfelder beider Augen und der aufrechte Gang, der bei gegebener Größe eine maximale Weitsicht ermöglicht. Für tagaktive Lebewesen wie den Menschen ist es daher sinnvoll, dass sie am Tag wach sind und in der Nacht schlafen.

Chronobiologie – der Mensch voller Uhren

Damit diese Vorgänge gut funktionieren, gibt es zum einen eine Innere Uhr, die genetisch festgelegt ist. Zum anderen existiert eine äußere oder solare Uhr, die durch den tagezeitlichen Wechsel von Hell und Dunkel bestimmt wird. Diese sogenannten chronobiologischen Prozesse (chronos: gr. Zeit) haben für uns in der Cardiopraxis eine zunehmende Bedeutung, weil sie für die Gesundheit im Allgemeinen und vor allen Dingen für das Schlafverhalten sehr wichtig sind. Der gesunde Schlaf wiederum schützt vor Herzinfarkt und Bluthochdruck.

Innere Uhr – die genetische Uhr

Die innere Uhr von Lebewesen besteht eigentlich aus vielen genetisch festgelegten Unteruhren. So hat jede einzelne Körperzelle und damit verbunden jedes biologische Untersystem, z.B. Leber, Lunge, Immunsystem etc. seine eigene Innere Uhr, die jeweils einem zirkardianen Rhythmus (circardian: lat. ungefährer Tag) folgt. Das heißt, dass es über ca. 24 Stunden zu einem regelhaften Ablauf, wie z.B. bei der Körpertemperatur kommt. In der zeitlichen Abfolge kommt es dann zu einem zyklischen Verlauf (zyklisch: gr. kreisförmig): Ist ein Zyklus beendet, beginnt ein neuer Zyklus.

Diese ungefähren 24-Stunden-Zyklen haben sich evolutionsbiologisch orientiert an der Helligkeit des Tages und der Dunkelheit der Nacht. Das hat sich über mehrere Milliarden Jahre entwickelt und ist genetisch festgelegt.

Die inneren Uhren sorgen dafür, dass alle physiologischen und biochemischen Prozesse im Körper fein aufeinander abgestimmt sind. Vereinfacht gesagt macht es z.B. wenig Sinn, wenn der Darm “wach” ist und für Nahrungsaufnahme sorgt, während die Leber “schläft”. Besonders wichtig ist, dass die Organe Vorgänge bzw. regelhaft auftretende Veränderungen antizipieren (anticipare: lat. vorwegnehmen). So fällt die Körpertemperatur zwar über Nacht im Vergleich zum Tage deutlich ab, sie steigt im Sinne eines “Vorglühens” aber schon vor dem Erwachen wieder an.

Innere Uhr – kein perfektes System

Das System ist nicht perfekt, alle Unteruhren laufen etwas unterschiedlich. So dauert z.B. bei der einen Uhr ein Zyklus 24,5 Stunden, während bei einer anderen Unteruhr der Zyklus schon nach 23,8 Stunden beendet ist. Unkontrolliert liefen alle Unteruhren phasenverschoben und wären zeitlich nicht aufeinander abgestimmt. Die Folge wäre ein Durcheinander, ähnlich wie bei einem Symphonieorchester ohne einen Dirigenten: Jeder Musiker spielt sein Instrument dann so, wie er will – ein unschönes Gelärme.

Übertragen auf die biologischen Prozesse bedeutet eine fehlende Abstimmung, dass diese irgendwann nicht mehr richtig ineinandergreifen. Das Lebewesen wird dann krank und stirbt. Damit das nicht passiert, brauchen die Unteruhren einen Dirigenten, der sie alle in einem Takt hält – eine sogenannte Master-Clock.

Die Master-Clock ist eine kleine Region im Gehirn mit einem Querdurchmesser von ca. 1 mm. Sie liegt unmittelbar oberhalb der Kreuzung der Sehnerven beider Augen. Man bezeichnet sie als Nucleus suprachiasmaticus. Der Nucleus suprachiasmaticus synchronisiert als Dirigent fast alle Unteruhren auf einen gleichmäßigen zirkardianen Rhythmus.

Aber auch dieser ist nur ungefähr und beträgt nicht genau 24 Stunden. Er liegt zwischen 23,5 und 26,5 Stunden, im Durchschnitt bei 24 Stunden und 15 Minuten. Bei 75% der Menschen ist er länger als 24 Stunden. Dieser Rhythmus verändert sich mit dem Lebensalter, bei jüngeren Menschen ist er länger, bei älteren kürzer.

Innere Uhr – was passiert eigentlich in einer dunklen Höhle?

Würden wir 60 Tage in einer Höhle vollkommen abgeschnitten vom Tageslicht leben und unser individueller zirkardianer Zyklus würde 24,5 Stunden betragen, dann käme es pro Tag in Relation zum Wechsel von Tag und Nacht in der Natur zu einer zeitlichen Phasenverschiebung: Nach 24 Tagen würden wir uns um 12:00 Uhr mittags in unserer Höhle so verhalten als wenn es 24:00 Uhr in der Nacht wäre. Das würde unser Leben als tagaktives Lebewesen an sich und vor allen Dingen auch in der sozialen Gemeinschaft mit anderen Menschen erheblich erschweren. Deshalb muss auch die Master-Clock synchronisiert werden – mit dem Hell-Dunkel-Zyklus des terrestrischen Tages.

Äußere Uhr – die Solare Uhr

Bedingt durch die Rotation der Erde um die Sonne richtet sich der Erdtag nach der Sonne und beträgt 24 Stunden. Menschen nehmen Hell und Dunkel fast ausschließlich über die Augen wahr. Die Lichtsignale werden darüber an den Nucleus suprachiasmaticus (die Master Clock) weitergleitet. Dieser ist wiederum über komplexe Verschaltungsprozesse mit der Zirbeldrüse verbunden. Hier wird in Abhängigkeit von der Lichteinstrahlung der wesentliche Vermittler von Hell und Dunkel, der Botenstoff Melatonin, ausgeschüttet.

Äußeren Uhr – Melatonin als wichtigster Vermittler von Licht und Dunkelheit

Melatonin ist ein universelles Dunkelsignal bei Säugetieren. Die Ausschüttung steigt mit zunehmender Dunkelheit an und leitet bei Menschen über verschiedene Prozesse den Schlaf ein. Bei Licht wiederum stoppt die Melatoninausschüttung. Bei nachtaktiven Tieren ist dieser Prozess aufgrund einer anderen Übersetzung umgekehrt.

Äußere Uhr – Fasten und Essen takten auch

Licht ist als photoperiodisches Signal somit der wichtigste Zeitgeber für das sog. Entrainment. Damit ist gemeint, dass die genetische Uhr des Menschen mitgeführt wird. Es gibt allerdings noch einen weiteren, wahrscheinlich sehr relevanten Mechanismus des Entrainments: der Hunger bzw. regelmäßige Mahlzeiten. So konnte man bei Mäusen, denen der Nucleus suprachiasmaticus operativ entfernt worden war, zeigen, dass ihre inneren Unteruhren zunehmend phasenverschoben laufen – was zu gesundheitlichen Störungen führte. Das galt allerdings nur für die Tiere, denen man kontinuierlich Futter zur Verfügung stellte. Hingegen kam es bei Tieren, die mindestens 16 Stunden hungern und dann nur in einem kurzen Zeitfenster Nahrung erhielten, zu einer vollkommenen Resynchronisierung der Unteruhren. Dieser Befund spielt höchstwahrscheinlich auch eine Rolle bei der Frage, wie Jetlag oder Schichtarbeit beherrscht werden kann. Möglicherweise ist das auch ein Argument für die sogenannte 16/8-Diät, bei der in einem Zeitraum von 16 Stunden nicht gegessen wird.

Äußere Uhr – regelmäßige Rituale helfen auch

Andere nachgeordnete externe Zeitgeber sind regelmäßige Rituale: Zum Beispiel eine kalte Dusche am Morgen bzw. ein warmes Bad am Abend, Meditation am Morgen, körperliche oder soziale Aktivität zu einer bestimmten Tageszeit.

Störungen der Chronobiologie – kurzer Überblick

Störungen des zirkadianen Rhythmus können sowohl Folge als auch Ursache von Erkrankungen sein.
Die wichtigste ursächliche Störquelle ist künstliches Licht, und hier vor allen Dingen Computerlicht mit einem hohen Blauanteil. So hat sich die Schlafzeit seit der Einführung der Glühbirne um ca. 2 Stunden verkürzt. Weitere zivilisatorische Ursachen für chronobiologische Fehlsteuerungen sind z.B. der Zeitzonenwechsel bei Fernreisen mit dem bekannten Jetlag und die Schichtarbeit. Solche Faktoren können das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen negativ beeinflussen. Zum Beispiel Bluthochdruck und Herzinfarkt, Stoffwechselstörungen wie den Diabetes mellitus und auch das Immunsystem, so dass z.B. eine vermehrte Infektanfälligkeit entsteht.

Eine natürliche chronobiologische Anpassungsstörung tritt mit dem Wechsel der Jahreszeiten auf. Es kann zum Beispiel zu saisonalen depressiven Verstimmungen, dem Winterblues, kommen. Bei verschiedenen neuro-psychiatrischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz oder manisch-depressiven Erkrankungen weiß man noch nicht genau, ob eine chronobiologische Störung die Erkrankung mit begünstigt oder ob die Erkrankung Folge einer veränderten Chronobiologie ist.

Chronotherapie – ein Gebiet mit Zukunft

Die Chronobiologie ist ein noch sehr junges wissenschaftliches Gebiet. In Zukunft sind hier weitere wichtige Erkenntnisse zur Gesunderhaltung bzw. zur Therapie bei Erkrankungen, angefangen bei den weit verbreiteten Schlafstörungen, zu erwarten. Das medizinische Gebiet, welches sich mit der Behandlung von chronobiologischen Prozessen beschäftigt, ist die Chronomedizin bzw. die Chronotherapie. Sie zielt wesentlich auf die Synchronisierung von biologischen Prozessen mit Helligkeit und Dunkelheit ab.

Wir in der Cardiopraxis berücksichtigen auch zunehmend Erkenntnisse der Chronopharmakologie. Diese beschäftigt sich speziell mit der Einnahme von Medikamenten in Abhängigkeit vom zirkardianen Rhythmus des Menschen.

 

? Terman M, McMahan I (2012) Chronotherapy: Resetting Your Inner Clock to Boost Mood, Alertness, and Quality Sleep. New York, Penguin

? Fuller PM, Lu J, Saper CB. Differential Rescue of Light- and Food-Entrainable Circadian Rhythms. Science 2008;320:1074-1077 ?Podcast mit Clifford Saper 

? Walker M (2019) Ds große Buch vom Schlaf. Goldmann Verlag

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Bei Erkältung und Grippe ist die Tröpfcheninfektion die gefährlichste Ansteckungsform, z. B. beim Niesen im freien Raum.

Dagegen hilft die sogenannte Dracula-Technik: Man niest bzw. hustet in die Armbeuge. Diese Technik
• verhindert am effizientesten, dass sich Viren im Raum ausbreiten
• verhindert die Ansteckung von anderen Menschen am effizientesten
• ist dem Taschentuch überlegen, da die Kontamination der Hand mit Viren vermieden wird

Sollten Sie dennoch ein Taschentuch benutzen, dann bitte immer die Hände waschen.

Die Dracula-Technik wird empfohlen vom Center of Disease Control (USA), von der American Academy of Pediatrics und von der American Public Health Association.

…..weiter im Selbsthilfekurs „Grippe“

 

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In der Saison 2017/18 waren über 333.000 registrierte Menschen in Deutschland von einer Grippe betroffen, 1.665 starben daran (87 % von ihnen waren älter als 60 Jahre). Grippeviren verändern sich genetisch, deswegen gibt es jedes Jahr einen neuen Impfwirkstoff. Einen 100-prozentigen Schutz vor Infektion gibt es allerdings nicht. Eine besonders schwere Komplikation der Grippe ist die Lungenentzündung, die zu Beatmungspflichtigkeit und Tod führen kann.

Idealer Zeitraum für eine Schutzimpfung ist Oktober bis November, um für die Haupt-Grippewelle von Januar bis März gut gerüstet zu sein. Eine frühere Impfung sollte man vermeiden, weil der Grippeschutz nach der Impfung stetig abnimmt. Um ausreichenden Schutz aufzubauen, sollten vor einer Virusinfektion zudem mindestens 14 Tage vergangen sein.

Zu den Hochrisikogruppen bei Grippe zählen

• Menschen über 60 Jahre
• Menschen mit Immundefekten, z. B. einer HIV-Infektion
• Menschen mit Diabetes mellitus
• Menschen mit chronischen Erkrankungen: Herz-Kreislauf, Leber, Niere, Lunge, Nervensystem
• Schwangere Frauen
• Medizinisches Personal, Personal in Pflegeeinrichtungen
• Bewohner von Alten- und Pflegeheimen

Die Kosten für eine Grippeschutzimpfung werden übrigens von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen!

Und bitte denken Sie daran, die Grippeschutzimpfung hat eine sehr starke soziale Wirkung, Sie schützt nicht nur sich selber sondern auch Menschen mit einem erhöhten Gripperisiko in Ihrem Umfeld. – Grippeschutz ist Familienschutz!

….zum Start Selbsthilfekurs „Grippe“

 

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Die direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ist für die soziale Gesundheit unerlässlich. Nichtsdestotrotz unterstützen Smartphones die Kommunikation gut.

Gerade für ältere Menschen können Smartphones ein Gewinn sein, wenn zum Beispiel die Kinder und Enkelkinder an anderen Orten auf der Welt leben. Eine kurze Textnachricht oder ein Bild kann einfach zeigen, dass man an den anderen denkt – eine wichtige, warmherzige Bestätigung.

Es gibt zahlreiche Apps, die das Leben für ältere Menschen erleichtern können (z. B. digitale Lupe, Gesundheits-Tipps, Gedächtnistraining). Sie finden sich, wenn man in einer Suchmaschine die Schlagwörter „Smartphone“, „App“, „ältere Menschen“ eingibt.

Wichtig für ältere Menschen sind bei einem Smartphone:

  • großes Display
  • hohe Bildschirmauflösung
  • Spracherkennung

Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie sich selbst oder Ihren Eltern zu Weihnachten schenken sollen: vielleicht ein leistungsfähiges Smartphone?

 

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