Atemfrequenz bestimmen bei Lungenentzündung

Eine akute Lungenentzündung, eine sogenannte Pneumonie können Sie unter hausärztlicher Begleitung auch zu Hause auskurieren. Allerdings kann sich die Situation trotz einer Therapie auch verschlechtern. Eine zunehmende Schädigung der Lunge verringert dann den Gasaustausch und die Atemarbeit steigt, so dass sich Ihr Körper im respiratorischen Atemversagen erschöpfen kann, was einen lebensbedrohlichen Zustand darstellt.

Folglich macht es Sinn, dass wir in einem solchen Fall unseren Körper sorgfältig überwachen. Neben der Bewertung des Allgemeinbefindens, der Messung von Körpertemperatur, Herzfrequenz und Blutdruck hat die Bestimmung der Atemfrequenz hier eine wichtige Bedeutung für Beurteilung des Schweregrades einer akuten Lungenerkrankung.

Was bedeutet Atmung?

Die Atmung ist wichtig für den Gasaustausch zwischen der Außenluft und unserem Körper. Bei der Einatmung gelangt Sauerstoff (O2) in unseren Körper, mit der Ausatmung wird Kohlendioxid (CO2) vom Körper an die Außenluft abgegeben. Die Atmung passt sich den Bedürfnissen des Körpers an. Wenn Sauerstoffbedarf steigt, zum Beispiel bei körperlicher Belastung oder die Kohlendioxidproduktion erhöht ist, zum Beispiel durch einen gesteigerten Stoffwechsel, dann wird die Atemleistung gesteigert. Der Körper kann die Atemleistung grundsätzlich über 2 Wege steigern:

  • Steigerung des Atemzugvolumens
  • Steigerung der Atemfrequenz

Das Atemzugvolumen bedeutet wieviel ml an Luft der Körper pro Atemzug aufnimmt. Ein großes Atemzugvolumen ist charakterisiert durch tiefe Atemzüge. Die Atemfrequenz bedeutet wie häufig wir atmen, zum Beispiel in Atemzüge pro Minuten.

Atmung – Einflussgrößen auf Atemzugvolumen und Atemfrequenz

Für Atemzugvolumen und Atemfrequenz kennen wir Normwerte. In Ruhe betragen die Normwerte:

  • Atemzugvolumen = 6-8 ml pro kg = 500-700 ml pro Atemzug
  • Atemfrequenz = 12-20 Atemzüge pro Minute

Atemzugvolumen und Atemfrequenz sind individuell unterschiedlich. Sie sind abhängig von Lungenvolumen, Stoffwechsel, Trainingszustand und vom Atemtyp.

Bei einem großen Lungenvolumen sind die Atemzüge in der Regel langsamer und tiefer. Ebenso gilt das bei einem guten Trainingszustand, wobei hier vor allem die der Zellstoffwechsel, zum Beispiel in den Muskelzellen ökonomischer ist als bei nicht-trainierten Menschen. Kurzum, Menschen mit gutem Trainingszustand haben in Ruhe einen niedrigeren Sauerstoffbedarf und es besteht eine geringere Notwendigkeit für Atemarbeit.

Beim Atemtyp unterscheiden wir grundsätzlich die Brustatmung von der Bauchatmung. Bei der überwiegenden Brustatmung ist die Atmung eher flach und schnell, das heißt das Atemzugvolumen ist niedrig und die Atemfrequenz ist hoch. Bei der überwiegenden Bauchatmung ist Atmung eher tief und langsam, also das Atemzugvolumen ist hoch und die Atemfrequenz ist eher niedrig.

Bi körperlicher Belastung und dem damit erhöhten Sauerstoffbedarf des Körpers steigt das Atemzugvolumen, aber vor allen Dingen die Atemfrequenz an. Folglich steigt auch die Atemarbeit.

Atmung und Lungenerkrankungen

Zu den häufigsten akuten Lungenerkrankungen gehört die Pneumonie, so zum Beispiel als Folge einer bakteriellen Infektion oder auch als eine Komplikation einer Virusinfektion mit COVID-19.

Bei der bakteriellen Pneumonie, der typischen Pneumonie wird das Lungengewebe durch die Lungenentzündung funktionsuntüchtig und es sammelt Flüssigkeit im Lungengewebe. So wird nicht nur der Gasaustausch erschwert, sondern auch die Atemarbeit stark erhöht: aus einem trockenen, leichten Schwamm (gesunde Lunge) wird ein nasser, schwerer Schwamm (Lungenentzündung).

Für die typische Pneumonie konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass je höher die Atemfrequenz bei einer stationären Aufnahme im Krankenhaus ist, desto höher ist auf die Sterblichkeit. Bei einer Atemfrequenz von <33 Atemzügen pro Minute ist sie im Vergleich zu einer normalen Atemfrequenz um das 2,59-fache gesteigert. Dabei lag die Gesamtsterblichkeit bei diesem Kollektiv mit 705.928 betroffenen Menschen bei 13%.

Gerade bei der COVID-19 Pneumonie, aber auch bei anderen Viruspneumonien beziehungsweise atypischen Pneumonien findet zunächst überwiegend eine Entzündung des Lungengerüsts statt, so dass fast ausschließlich der Gasaustausch gestört, während eine starke Flüssigkeitsansammlung in der Lunge erst in der Spätphase erfolgt. Folglich ist die Atemarbeit im Gegensatz zur typischen Pneumonie hier in der Frühphase hier zunächst nicht deutlich erhöht.

Sowohl bei der typischen als auch bei der atypischen Pneumonie einschließlich der COVID-19 Pn5eumonie steigt mit dem Schweregrad der Erkrankung die Atemfrequenz. Bei der typischen Pneumonie ist die hohe Atemarbeit hier der relevante Faktor: Ihr Körper muss einfach mehr Kraft aufwenden, um die geschädigte Lunge zu bewegen. Bei der COVID-19 Pneumonie steigt die Atemarbeit zunächst wegen des verringerten Gasaustauschs. Das ist auch der Grund warum sich Menschen mit COVID-19 trotz starker Veränderungen im Computertomogramm der Lunge oder bei deutlich erniedrigter Sauerstoffsättigung in Ruhe noch recht wohl fühlen.

Atemfrequenz selber messen

Bei einer Lungenentzündung, insbesondere wenn sie zu Hause auskuriert wird, ist es sinnvoll regemäßig die Atemfrequenz selber bei sich oder einem erkrankten Mitmenschen zu bestimmen.

  • 5 Minuten ruhig auf einem Stuhl sitzen (oder im Bett liegen)
  • Uhr mit Sekundenzeiger (z.B. Laptop) sichtbar platzieren (z.B. auf einem Tisch)
  • flache Hand dort auflegen, wo Sie die Atmung am besten spüren (Bauch, Brust)
  • über 1 Minute die Atemzüge zählen = Atemzüge pro Minute
  • zeitgleich mittels Pulsoximetrie die Sauerstoffsättigung messen

Wenn die Atemfrequenz >20 Atemzüge pro Minute und/oder die Sauerstoffsättigung <92% beträgt, dann sollten Sie zeitnah ärztlich Hilfe aufsuchen.

 

Literatur

 

 

 

 

 

 

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Der 6-Minuten-Gehtest – hilfreich bei der Bewertung von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Lunge

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Lunge beeinträchtigen die körperliche Leistungsfähigkeit. Um solche Erkrankungen in ihrem Schweregrad besser bewerten zu können, nutzen wir verschiedene Tests zur objektiven Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Am weitesten verbreitet sind hier die standardisierte Fahrradergometrie beziehungsweise die Laufbanduntersuchung.

Der körperliche Leistungstest, der unserer natürlichen Aktivität im Alltag allerdings am besten entspricht, ist der 6-Minuten-Gehtest. Hierbei wird die Gehstrecke in Metern gemessen, die die Testperson in einem Zeitraum von 6 Minuten mit zügigem Schritttempo gehen kann.

Der 6-Minuten-Gehtest – medizinisch-wissenschaftliche Bedeutung

Der 6-Minuten-Gehtest erlaubt dem Arzt eine gute Einschätzung über die funktionelle, das heißt körperliche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eines kranken Menschen. Er ermöglicht:

  • Vergleich zwischen verschiedenen Menschen (inter-individuell), zum Beispiel zwischen Menschen mit einer bestimmten Krankheit bezüglich des funktionellen Schweregrad einer Erkrankung
  • Abschätzung der Langzeitprognose einer Erkrankung
  • Vergleich bei einem einzelnen Menschen (intra-individuell), zum Beispiel vor und nach einer Therapiemaßnahme

Besonders bewährt hat sich der 6-Minuten-Gehtest bei den folgenden chronischen Erkrankungen:

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (COPD)
  • Pulmonal-arterielle Hypertonie (Lungenhochdruck)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (sog. Schaufensterkrankheit)

Der 6-Minuten-Gehtest hat gerade bei der Verlaufsbeurteilung von schweren chronischen Erkrankungen und der Bewertung von Therapiemaßnahmen Vorteile gegenüber den anderen Messverfahren. Das liegt daran, dass er eine feinteilige sprunghafte Größe (Gehstrecke in Metern) als die anderen Verfahren (Belastungs-Stufen in Watt beziehungsweise METs) misst.

Der 6-Minuten-Gehtest ist etwas aufwändiger als die anderen Testverfahren, wie zum Beispiel die Fahrradergometrie, weil eine längere ebenerdige Gehstrecke von mindestens 30 m mit Wendepunkt vorhanden sein muss.

Die Voraussetzungen und Durchführung des 6-Minuten-Gehtests orientieren sich an den Vorgaben der American Thoracic Society. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Punkte.

Der 6-Minuten-Gehtest – medizinisch-wissenschaftliche Durchführung – Voraussetzungen

Grundvoraussetzung für die medizinisch-standardisierte Durchführung des 6-Minuten-Gehtest ist eine ebenerdige 30 m Gehstrecke in einem geschlossenen Raum mit 2 Wendepunkten. Drei-Meter-Intervallmesspunkte werden mit farbigem Klebeband auf dem Boden markiert. Kürzere Korridorlängen können die Fehlerquote des 6-Minuten-Gehtests aufgrund häufigerer Wendepunkte erhöhen und damit das Ergebnis verfälschen.

Schon hier wird klar, warum der 6-Minuten-Gehtest fast ausschließlich in Krankenhäusern beziehungsweise Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt wird.

Erforderliche Ausrüstung

  • Stoppuhr oder Timer
  • 2 kleine Kegel zur Markierung der Rundengrenzen
  • Messskala für die Bodenmessung
  • mechanischer Rundenzähler
  • Reanimationsausrüstung

An den Wendepunkten sollten Stühle zur Verfügung stehen, falls die Patienten so symptomatisch werden, dass sie anhalten und sich setzen müssen.

Vorbereitung der Testperson

  • Bequeme Kleidung
  • Bequeme Schuhe
  • Falls im Alltag Gehhilfen genutzt werden, sollten sie auch beim Test genutzt werden
  • Angenehme Umgebungstemperatur
  • Leichte Mahlzeiten vor den Tests am Morgen und Nachmittag sind akzeptabel

Der 6-Minuten-Gehtest – medizinisch-wissenschaftliche Durchführung – Technik

Technik

  • Kein Aufwärmen vor dem Test
  • Testperson sollte vor dem Test 10 Minuten lang bequem ruhen. Während dieser Zeit sollten Blutdruck und Herzfrequenz gemessen werden.
  • Pulsoximetrie ist optional. Wenn sie verwendet wird, sollte sichergestellt werden, dass die Messwerte vor Beginn des 6-Minuten-Gehtests stabil sind und das Signal optimiert wird.
  • Stellen Sie den Rundenzähler auf null und den Timer auf 6 Minuten.
  • Die Aufsichtsperson kann eine Runde laufen, um dem Patienten die Durchführung des Tests zu demonstrieren. Während des Tests sollte der Betreuer niemals mit oder vor der Testperson gehen, da die Testperson versuchen könnte, sich dem Tempo des Betreuers anzupassen. Der Betreuer kann hinter dem Patienten gehen, um den Patienten im Falle eines Torkelns zu unterstützen oder um einen Sturz zu verhindern. Der Patient darf sich während des Tests ausruhen, falls er beziehungsweise sie müde wird.
  • Die Testperson sollte zügig gehen, ohne dass sie in einen Laufschritt (Jogging) fällt
  • Zur Ermutigung der Testperson verwenden Sie standardisierte Sätze in einem gleichmäßigen Tonfall am Ende jeder Minute des Tests.
  • Eine Pause während der Prüfung ist erlaubt, aber halten Sie die Uhr nicht an. Wenn die Testperson nicht weitergehen kann, sollte der Test angehalten und die zurückgelegte Strecke aufgezeichnet werden.
  • Beenden Sie den Test, wenn der Patient Brustschmerzen, unerträgliche Luftnot, Torkeln, Schwitzen, unerträgliche Krämpfe und/oder aschfahles Aussehen entwickelt. Die Testüberwacher sollten geschult werden, um zu diesem Zeitpunkt eine angemessene Betreuung zu gewährleisten.
  • Bitten Sie die Testperson am Ende des Tests, den Grad seiner Luftnot und Müdigkeit zu bewerten. Notieren Sie den Grund für den Abbruch des Tests.
  • Es hat sich bewährt, dass eine Testperson vor einer erstmaligen bewertenden Messung des 6-Minuten-Gehtests 2 Testläufe macht. Dabei müssen Zeitabstände zwischen den Messungen von mindesten 30 Minuten eingehalten werden. Am besten erfolgt die bewertende Messung am Folgetag.

Der 6-Minuten-Gehtest – Bewertung im inter-individuellen Vergleich

Wenn wir im medizinisch-wissenschaftlichen Zusammenhang die Ergebnisse des 6-Minuten-Gehtests mit denen von Gesunden bzw. anderen Menschen mit derselben Erkrankung vergleichen wollen, dann müssen wir weitere Einflussgrößen berücksichtigen.

Die Ergebnisse des 6-Minuten-Gehtests hängen neben der Grunderkrankung ab von:

  • Geschlecht
  • Körpergröße
  • Körpergewicht
  • Alter

Diese Eigenschaften repräsentieren wesentliche Einflussgrößen auf die Leistungsfähigkeit im 6-Minuten-Gehtest, so zum Beispiel auf die absolute Muskelmasse (Geschlecht, Alter) und relative Muskelmasse in Bezug auf das Gesamtgewicht (Geschlecht), die Schrittlänge (Körpergröße) die Arbeitslast (Körpergewicht und den zu erwartenden Trainingszustand (Alter).

Um die Ergebnisse des 6-Minuten-Gehtests zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Körpergröße und -gewicht und Alter vergleichbar zu machen, können diese Faktoren für Männer und Frauen jeweils in eine Formel eingeben werden:

Männer

Mittlerer Erwartungswert = (7,57 × Körperlänge cm) – (1,76 × Körpergewicht kg) – (5,02 × Alter) – 309 m

Unter Grenzwert = Mittlerer Erwartungswert – 153

Frauen

Mittlerer Erwartungswert = (2,11 × Körpergröße cm) – (2,29 × Körpergewicht kg) – (5,78 × Alter) + 667 m

Unter Grenzwert = Mittlerer Erwartungswert – 139

Der Mittlere Erwartungswert repräsentiert hierbei den Wert, den 50% der gesunden Menschen mit diesem Geschlecht, Körpergröße und -gewicht und Alter erzielen. Der untere Grenzwert besagt, dass 95% der gesunden Menschen einen besseren Wert haben als diesen. Folglich gelten Werte unterhalb des unteren Grenzwertes als abklärungsbedürftig.

Den Mittleren Erwartungswert können Sie über die Formel, zum Beispiel mithilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms (Excel) selber berechnen oder über eine App (zum Beispiel 6MWD) kalkulieren. Für die Berechnung des unteren Grenzwertes müssen Sie dann noch selber 153 m (Männer) beziehungsweise 139 m (Frauen) abziehen.

So werden im 6-Minuten-Gehtest bei Gesunden in der Regel Gehstrecken von 400 bis 700 m erreicht. Bei verschiedenen Erkrankungen, die mittels des 6-Minunten-Gehtests typischerweise bewertet werden, gilt ein Wert von <300 m als kritisch, das heißt die Lebenserwartung ist bei einem solchen Wert und darunter deutlich eingeschränkt.

Der 6-Minuten-Gehtest – Bewertung im intra-individuellen Vergleich

Von besonderer Bedeutung ist der 6-Minuten-Gehtest zu Bewertung des Erfolges von therapeutischen Maßnahmen bei einem einzelnen Menschen. Ist die Herzinsuffizienzmedikation angepasst worden oder habe Sie ein neues Bronchospray bei chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung erhalten, dann kann der 6-Minunten-Gehtest zeigen, ob auch objektiv eine Besserung eingetreten ist.

Auch Verschlechterungen der Leistungsfähigkeit können so objektiv in Zahlen ausgedrückt werden.

Den 6-Minuten-Gehtest selber zu Hause durchführen

Falls Ihr behandelnder Arzt beziehungsweise Ärztin den 6-Minuten-Gehtest nicht anwendet, dann können Sie sich selber zu Hause eine wertvolle Orientierung verschaffen.

Wenn Sie den 6-Minuten Gehtest zu Hause durchführen wollen, weil Sie zum Beispiel an einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung oder Herzschwäche leiden, dann sollten Sie auch auf standardisierte Bedingungen achten, die sich möglichst nah an die medizinisch-wissenschaftlichen Standards anlehnen.

Falls Sie eine schwere funktionellen Einschränkung entsprechend dem NYHA-Stadium III oder IV aufweisen, dann sollten Sie den 6-Minuten-Gehtest nur unter ärztlicher Aufsicht durchführen.

Weil Sie ja in erster Linie nur Veränderungen der Leistungsfähigkeit bei sich selber messen wollen (intra-individuellen Vergleich), kann die Gehstrecke im Gegensatz zur streng medizinisch-wissenschaftlichen Messung ruhig im Freien liegen. Sie sollte allerdings immer ebenerdig sein, sodass eine gewisse Vergleichbarkeit mit medizinisch-wissenschaftlichen Vergleichszahlen orientierend möglich bleibt. Bei Wiederholungsmessungen sollten Sie auch immer dieselbe Strecke wählen.

Wenn Sie den Test durchführen, dann sollten Sie so zügig als möglich gehen, ohne dass Sie in einen Laufschritt (Jogging) fallen.

Vorab, am einfachsten ist der 6-Minuten-Gehtest zu Hause mit einer App, zum Beispiel mit der App 6WT. Sie können kontinuierlich in eine Richtung gehen und die App registriert über GPS die Laufstrecke in Metern über eine Zeit von 6 Minuten; Sie brauchen noch nicht einmal auf das Handy zu schauen.

Wenn Sie keine App nutzen, dann müssen Sie die Länge der Gehstrecke kennen. Am besten ist eine Strecke mit bekannter Länge und einem Wendepunkt. Das kann ein langer Flur, eine Hausseite oder noch besser ein Weg an einer Verbindungsstraße beziehungsweise Landstraße mit Leitpfosten sein. Der Abstand zwischen 2 Leitpfosten beträgt in Deutschland und der Schweiz 50 m, in Österreich 33 m. Auch ein öffentlicher Sportplatz ist eine gute Teststrecke. Sie müssen dann auf eine Uhr schauen und die Runden zählen.

Den 6-Minuten-Gehtest selber zu Hause durchführen – wann ist das sinnvoll?

Anfänglich müssen Sie den Test erst einmal üben. Wenn Sie ihn beherrschen, dann ist es sinnvoll ihn mindestens 4 Mal im Jahr durchzuführen.

  • zu unterschiedlichen Jahreszeit
  • bei subjektiver Verschlechterung der Leistungsfähigkeit
  • bei Änderung der Therapie

Die Jahreszeit hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die funktionelle Leistungsfähigkeit. In der Regel wird sie im Winter schlechter. Eine Verschlechterung des 6-Minuten-Gehtests zeigt Ihnen dann einen objektiven Messparameter, den Sie dann mit Ihrem Arzt besprechen können. Eine Anpassung der Therapie können Sie dann ebenfalls wieder mit dem 6-Minuten-Gehtest bewerten.

Den 6-Minuten-Gehtest selber durchführen – ein weiterer Schritt hin zu einer besseren medizinischen Versorgung

Die Durchführung des 6-Minuten-Gehtests durch den betroffenen Menschen hat folglich 2 wesentliche Vorteile.

Erstens verbessert dieses gemeinsame Vorgehen von Arzt und betroffenem Menschen, die Möglichkeiten des Arztes, die Leistungsfähigkeit des kranken Menschen besser objektiv zu überwachen.

Zweitens bedeutet die selbstverantwortliche Messung durch den Betroffenen, auch eine Verbesserung des Selbstmanagements, weil der kranke Mensch selber aktiv im Sinne der eigenen Gesundheit handelt und Störungen so frühzeitig objektiv erfasst, bevor es zu einer deutlich kritischeren Einschränkung des Gesundheitszustands kommt.

Die Ergebnisse des selbst durchgeführten 6-Minuten-Getests sollten Sie schriftlich dokumentieren. Vor allen Dingen eine Verkürzung der Gehstrecke sollten Sie mit Ihrer Ärztin bzw. Arzt besprechen.

Hilfreiche Apps

App 6MWD zur Bestimmung des mittleren Erwartungswertes beim 6-Minuten-Gehtest

App 6WT zur Bestimmung der Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest

 

Literatur

 

 

 

 

 

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Pulsoximetrie – Lunge testen

Mit der Pulsoximetrie können wir die Lunge testen. Viel Menschen, und vor allen Dingen Menschen, die regelmäßig körperlich trainieren, haben ein Pulsoximeter zu Hause. Sie fragen sich vielleicht, was kann ich damit eigentlich sinnvoll anfangen? Auf die folgenden Fragen versuchen wir Ihnen daher eine Antwort zu geben.

Was misst eigentlich ein Pulsoximeter? Wie gehen wir mit diesem medizinisch wertvollen Gerät um? Auf welche Krankheiten weisen pathologische Messwerte hin? Welche Bedeutung kann die Pulsoximetrie bei der ambulanten Diagnose und Überwachung der gerade ablaufenden COVID-19 Virusepidemie haben?

Die Sauerstoffsättigung als Maß für den Sauerstoffgehalt im Blut

Sauerstoff hat für zahlreiche biochemische Prozesse in unserem Körper, zum Beispiel bei der Energiegewinnung eine kritische Bedeutung. Ohne Sauerstoff sind wir nicht überlebensfähig. Sauerstoff wird über die Lunge aus der Umgebungsluft in das Blut aufgenommen und über den arteriellen Kreislauf zu allen Organen und Geweben in unserem Organismus transportiert. Dieses sog. arterielle Blut hat einen hohen Sauerstoffgehalt. Das Blut gibt dann im Gewebe eine bestimmte Menge Sauerstoff ab und das sauerstoffärmere Blut wird dann im Körperkreislauf über die Venen zurück zur Lunge transportiert, wo dann erneut Sauerstoff aufgenommen wird.

Die arterielle Sauerstoffsättigung (SaO2 in %) des Blutes ist eine Messgröße, die es uns erlaubt den sogenannten Sauerstoffpartialdruck (paO2 in mmHg) beziehungsweise den Sauerstoffgehalt (CaO2 = SaO2 x Hämoglobin [g/dl] x 1,34 [ml/g] + paO2 [mmHg] x 0,0031 [1/mmHg*ml/dl]) des Blutes abzuschätzen.

Die Sauerstoffsättigung korreliert nicht linear, d.h. nicht im Verhältnis von 1:1 mit genaueren Parametern der Sauerstoffversorgung des Körpers, dem Sauerstoffpartialdruck bzw. Sauerstoffgehalt. Das heißt, dass zum Beispiel bei einer Sauerstoffsättigung von 80% schon ein schwerer Sauerstoffmangel vorliegt.

Die arterielle Sauerstoffsättigung kann direkt im Blut mittels Blutentnahme, zum Beispiel mit der sogenannten Blutgansanalyse oder auch mittels Pulsoximetrie unblutig und somit schmerzfrei über die Haut bestimmt werden.

Pulsoximetrie – technische Methode

Die Pulsoximetrie misst die Sauerstoffsättigung photometrisch. Das bedeutet, dass mittels Durchleuchtung der Haut die Veränderungen der Lichtabsorption messtechnisch bestimmt werden. Das Pulsoximeter besteht aus einem Sender und einem Empfänger. Der Sender hat 2 LED-Lichtquellen mit unterschiedlichen Wellenlängen, welche ihr Licht in ein Körperteil zum Beispiel den Finger abgeben. Nach Austritt des Lichtes wird dieses dann mittels Fotoelektrode im Empfänger des Pulsoximeters gemessen.

Durch diesen Prozess werden indirekt das oxygenierte (Oxyhämoglobin) und das desoxygenierte Blut (reduziertes Hämoglobin) bewertet. Hierfür werden 2 Lichtwellenlängen 660 nm (rot) und 940 nm (infrarot) verwendet. Das Verhältnis der Absorption bei diesen Wellenlängen wird berechnet um das Maß der arteriellen Sättigung (SpO2) zu ermitteln.

Pulsoximetrie – Ruhemessung

Die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximetrie wird üblicherweise am Finger gemessen, kann aber auch am Ohrläppchen oder am Zeh abgeleitet werden. Wichtig ist, dass der Sensor stabil und erschütterungsfrei sitzt.

Bei der Messung am Finger wird ein Fingerclip über den Finger gestülpt. Aus einem Anteil wird Licht gesendet, und im anderen Anteil wird das Licht nach Durchscheinen des Körperteils analysiert.

Der Normalbereich der Sauerstoffsättigung beträgt 92-97%.

Sind alle Fehlerquellen ausgeschaltet (siehe unten), dann ist die pulsoximetrisch bestimmte Sauerstoffsättigung ein Maß für die Funktionsfähigkeit Ihrer Lunge. Die Messmethode wird sowohl bei akuten als auch bei chronischen Lungenerkrankungen eingesetzt

Bei den akuten bzw. potentiell bedrohlichen Zuständen sind dieses vor allen Dingen die Überwachung bei:

  • Narkosen einschl. Aufwachphase
  • mechanischer Langzeitbeatmung
  • Überwachung medizinischer Maßnahmen mit Sedierung, z.B. Gastroskopie (während und danach)

Die Methode hat sich im akut-medizinischen Bereich besonders bewährt, da sie im Gegensatz zur punktuellen arterielle Blutgasanalyse die Sauerstoffsättigung kontinuierlich messen kann. So wird eine zeitlich lückenlose Überwachung von gefährdeten Patienten möglich.

Allerdings muss die pulsoximetrisch ermittelte Sauerstoffsättigung gerade bei der mechanischen Beatmung auf einer Intensivstation immer wieder mit einer arteriellen Blutgasanalyse abgeglichen werden, zum Beispiel alle 2 Stunden durch eine arterielle Blutentnahme aus einer arteriellen Verweilkanüle.

Bei den chronischen Erkrankungen können wir mit Hilfe der Pulsoximetrie die Funktionsfähigkeit der Lunge sowohl bei den Atemwegserkrankungen, wie zum Beispiel der häufigen chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung, der sog. COPD, den Lungengerüsterkrankungen, wie der Lungenfibrose und Lungengefäßerkrankungen, zum Beispiel der pulmonal-arteriellen Hypertonie besser abschätzen. Dabei ist die Pulsoximetrie allerdings nur ein, wenn auch ein wichtiger Baustein der Diagnostik.

Pulsoximetrie – Belastungstest

Unter körperlicher Belastung bleibt die Sauerstoffsättigung bei gesunden Menschen normal. Ein Abfall der Sauerstoffsättigung auf Werte <92% ist, vorausgesetzt es liegt kein Messfehler vor, nicht normal. Lediglich in Ausnahmefällen können auch Herz-Kreislauf- und Lungen-gesunde Menschen einen Sättigungsabfall bei maximaler exzessiver körperlicher Überanstrengung aufweisen.

Wir müssen bei der Interpretation berücksichtigen, dass ein Sättigungsabfall unter Belastung auch bei einer gesunden Lunge auftreten kann. Dieses kann ein Hinweis auf eine periphere Durchblutungsstörung sein, vor allen Dingen bei Herzschwäche und Bluthochdruck. Der Abfall der Sauerstoffsättigung tritt dann schon bei mittel-schwerer Belastung auf, zum Beispiel bei schnellem Gehen ohne einschränkende Luftnot (aber ohne das Vermögen beim Gehen zusätzlich zu sprechen).

Im Krankheitsfall ist hier es gerade bei den chronischen Lungenerkrankungen so, dass die Sauerstoffsättigung in Ruhe häufig Normwerte aufweist. Daher macht eine Belastungsuntersuchung mit Bestimmung der Sauerstoffsättigung vor, während aber mindestens bei Ende der körperlichen Belastung hier Sinn.

Setzt man diese Menschen dann einem standardisierten Belastungs-Test, zum Beispiel einem 6-Minuten Gehtest oder dem Treppensteigen in einem Treppenhaus aus, dann können wir wertvolle Hinweise nicht nur auf den Funktionszustand der Lunge, sondern auch auf die Langzeitprognose gewinnen. Fällt die Sauerstoffsättigung während der körperlichen Belastung ab, dann ist das ein prognostisch ungünstiges Zeichen.

Pulsoximetrie – Fehlerquellen

Bei der Pulsoximetrie gibt es verschiedene Fehlerquellen:

  • instabiler Sitz des Fingersensors führt zu sogenannten Bewegungsartefakten
  • Nagellack (auch Acryllack)
  • geringe Durchblutung (zum Beispiel durch Herzschwäche oder kalte Hände)
  • dunkle Hautfarbe
  • starkes Kunstlicht in der Umgebung
  • Blutarmut mit geringem Hämoglobingehalt (sogenannte Anämie)
  • Störungen vorhandenen Hämoglobins durch Vergiftungen (zum Beispiel durch Caboxyhämoglobin oder Methämoglobin, eher selten)

Somit werden als Fehlmessung praktisch ausschließlich falsch zu niedrige Werte abgeleitet. Das bedeutet also bei einer gemessenen Sauerstoffsättigung, zum Beispiel von <90%, dass Sie zunächst die Fehlerquellen ausschalten sollten. Vor allen Dingen bei kalten Fingern, sollten Sie diese in warmem Wasser erwärmen.

COVID-19 Viruspneumonie – die H-Form und die L-Form

Bei der COVID-19 Pneumonie gibt es grundsätzlich 2 verschiedene Varianten, die COVID-19-L-Pneumonie (L = light, engl. für leicht) und die COVID-19-H-Pneumonie (H = heavy, engl. für schwer).

Die H-Form entspricht funktionell einer typischen Pneumonie, d.h. hier sind sowohl das Lungengerüst als auch der Luftraum entzündlich verändert und mit Flüssigkeit gefüllt; aus einem leichten trockenen Schwamm ist so ein schwerer nasser Schwamm geworden. Das bedeutet, dass die Atemarbeit erschwert ist und wir die Lungenbeteiligung durch Luftnot und Anstieg der Atemzüge pro Minute, zum Beispiel von in Ruhe normal 8-16 auf >20 Atemzüge pro Minute in der Regel merken. Die H-Form tritt nicht bei allen Patienten mit COVID-19 Pneumonie auf, und damit meistens erst in der späten Phase.

Bei der L-Form, welche typischerweise und gerade in der Frühphase einer Lungenbeteiligung durch COVID-19 vorkommt, ist nur das Lungengerüst betroffen. Die Atemarbeit in Ruhe ist in der Regel nicht erhöht, obwohl bereits schwere Lungenveränderungen in der Computertomografie des Thorax nachweisbar sind und die Sauerstoffsättigung bis auf Werte von unter 80% eingeschränkt ist. Darüber hinaus ist es auch so, dass zwar die Atemfrequenz bis auf Werte von deutlich >20 Atemzüge steigt, dieses von den Patienten allerdings nicht bedrohlich empfunden wird. Folglich können wir ein frühe Lungenbeteiligung, die im weiteren Verlauf lebensbedrohlich werden kann, gerade in der Frühphase häufig gar nicht subjektiv merken.

Zusammengefasst finden wir bei der L-Form der COVID-19 Pneumonie also in Bezug auf die Lunge häufig folgende Konstellation vor:

  • geringe oder gar keine subjektiven Symptome der Luftnot in Ruhe, wie z.B. Unruhe, Angst oder Panik
  • schrittweiser Anstieg der Atemfrequenz bis auf Werte von >20 Atemzüge pro Minute (ohne Symptome)
  • Sauerstoffsättigung <92%
  • ausgeprägte radiologische Veränderungen der Lunge im Computertomogramm

Pulsoximetrie – Stellenwert bei COVID-19

Vor dem Hintergrund der Besonderheiten der COVID-19-L-Pneumonie kann die Anwendung der Pulsoxymetrie in der frühen und mittleren Phase der Erkrankung eine diagnostische Bedeutung haben. Dieses gilt vor allen Dingen für die Anwendung durch Ärzte der sog. Primärversorgung, das heißt für Hausärzte und Fachärzte in der ambulanten Versorgung. Auch medizinische Laien können diese Messung einfach zu Hause durchführen.

Bei der pulsoximetrischen Ruhemessung sollte zeitgleich beziehungsweise zeitnah die Atemfrequenz in körperlicher Ruhe gemessen werden. Dafür setzen Sie sich am besten 5 Minuten ruhig auf einen Stuhl. Sie legen dann mit Blick auf eine Uhr die gefalteten Hände leicht auf den Oberbauch und zählen über 1 Minute die Atemzüge. Individuell unterschiedlich betragen die Normalwerte hier zwischen 8-18 Atemzüge pro Minute.

Da die Sauerstoffsättigung durch eine kompensatorische Steigerung der Atemfrequenz bei einer Lungenerkrankung normal sein kann, ist wahrscheinlich ein individuell standardisierter Belastungstest sinnvoll. So können Sie zum Beispiel 2-4 Treppen steigen und die Sauerstoffsättigung vor und nachher bestimmen. Denkbar ist, dass die Sauerstoffsättigung unter mittel-schwerer Belastung bei Patienten mit asymptomatischen Patienten mit COVID-19 Pneumonie deutlich abfällt. Dieses wäre dann ein hilfreicher Provokationstest, der helfen würde, die Lungenbeteiligung bei Menschen mit normaler Sauerstoffsättigung in Ruhe zu demaskieren.

Bei allen Überlegungen zur Bedeutung der Pulsoximetrie zur Unterstützung der Diagnose bzw. Überwachung der COVID-19 Pneumonie im ambulanten Bereich, d.h. außerhalb des Krankenhauses müssen wir festhalten, dass zu diesem Thema noch keine wissenschaftlichen Daten vorliegen. Daher können die gemachten Ausführungen zunächst nur ein Hinweis sein.

Grundsätzlich kann die Diagnose einer Lungenerkrankung durch COVID-19 alleine auf der Grundlage einer pulsoximetrischen Messung weder ausgeschlossen noch gestellt werden. Wir müssen weitere Zusatzsymptome bzw. Kontakte mit COVID-positiven Menschen beachten. Im Zweifel müssen Sie auf jeden Fall frühzeitig eine Ärztin bzw. einen Arzt um Rat bitten.

Atemfrequenz und Pulsoxymetrie

Wenn Sie zu Hause ein Pulsoximetriegerät zur Überwachung einer Lungenentzündung nutzen, dann sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass die Atmung einem Regelkreis folgt. Das bedeutet, dass Ihr Körper bestrebt ist die Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid jeweils auf einem bestimmten Sollwert zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen nutzt der Körper sog. Ausgleichsmechanismen. Im Fall der Atmung sind dieses die Atemtiefe und vor allen Dingen die Atemfrequenz.

Bei einer typischen Lungenentzündung, die alle Anteile der Lunge einschließlich der luftgefüllten Anteile erfasst, ist die Atemarbeit besonders hoch (“Aus einem trockenen leichten Schwamm wird ein nasser schwerer Schwamm”). Im Fall der typischen Lungenentzündung ist es folglich so, dass die Atemfrequenz und damit die Atemarbeit steigt BEVOR die Sauerstoffsättigung abfällt. Daher sollten Sie bei einer Überwachung einer Lungenentzündung immer die Atemfrequenz mitmessen. Fällt die Sauerstoffsättigung ab, dann ist das bereits ein Zeichen eines beginnenden respiratorischen Versagens.

Bei der atypischen Pneumonie ist es so, dass zunächst nur das Lungengerüst von der Entzündung erfasst wird und der luftgefüllte Raum ausgespart bleibt. Das hat zur Folge das trotz einer Störung des Gasaustauschs die Atemarbeit im Vergleich zur typischen Pneumonie geringer ist und die betroffenen Menschen sich in Ruhe recht wohl fühlen. Dementsprechend kann auch die Atemfrequenz trotz eines Abfalls der Sauerstoffsättigung vergleichsweise nur leicht erhöht sein. Diese Gesetzmäßigkeiten gelten übrigens auch bei der COVID-19 Viruspneumonie.

Pulsoximetrie – Lunge: grundsätzliches Vorgehen bei der Selbstmessung

Sollten Sie mit einem Pulsoximeter pathologische Messwerte messen, dann gilt es zunächst mögliche Fehlerquellen ausschließen. Falls Sie nach Ausschluss aller Fehlerquellen weiterhin pathologische Werte ableiten, dann ist es sinnvoll, wenn Sie zeitnah eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren, vor allen Dingen dann, wenn Zusatzsymptome vorliegen. Am besten gehen Sie zu einem Facharzt für Lungenheilkunde beziehungsweise für Kardiologie, da diese in der Regel selber über die Möglichkeit der Pulsoxymetrie verfügen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte einleiten können.

Grundsätzlich gilt, dass Sie bei Lungenentzündung bei einer Atemfrequenz von >20 Atemzügen pro Minute und/oder einer Sauerstoffsättigung von <92% ärztliche Hilfe suchen sollten.

Sollten Sie bei sich selber den Verdacht auf eine COVID-19 Virusinfektion haben, dann sollten Sie den Hausarzt anrufen und sich telefonisch über weitere Schritte informieren. Ihr Hausarzt kennt immer den von Gesundheitsämtern vorgegeben aktuellen Stand zu den weiteren Maßnahmen.

 

Literatur

 

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COVID-19 – Herz bei Corona Virusinfektion 

Im Gegensatz zur COVID-19 Lunge wird das COVID-19 Herz aktuell noch unterschätzt. Die ersten Fälle der Corona Virusinfektion (COVID-19) wurden im Dezember 2019 aus Wuhan, China, gemeldet. Überdies hat sich das Virus rasch in der ganzen Welt ausgebreitet. Der Erreger wurde als neuartiges Coronavirus identifiziert und als schweres akutes respiratorisches Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) bezeichnet.

Demzufolge stehen bisher bei COVID-19 vor allem die Atemwegs- und Lungensymptome im Vordergrund, doch SARS-CoV-2 greift offenbar auch das Herz an, wie Studien aus China nahelegen. Bei manchen Patienten zeigte sich eine SARS-CoV-2-Infektion sogar zuerst durch kardiovaskuläre Symptome wie Herzklopfen und Engegefühl in der Brust statt durch Fieber oder Husten.

Risikogruppe für COVID-19-Infektion

Wir wissen inzwischen aus Studien, dass ältere Menschen und Patienten mit kardio-vaskulären Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz, koronarer Herzerkrankung und auch bestimmte Krebserkrankungen oder Störungen der Hirndurchblutung das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöhen.

Die Infektion mit SARS-CoV-2 kann jedoch auch Ihr Herz schädigen und zwar unabhängig von einer vorliegenden Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Herzschädigung bei COVID-19: Troponin als Indikator

Schliesslich wurde eine Herzschädigung in China bei vielen Patienten bereits bei der Krankenhausaufnahme beobachtet. Folglich war das Risiko für einen tödlichen Ausgang deutlich erhöht.

Eine Untersuchung konnte bei 416 an COVID-19-erkrankten Patienten eindrucksvoll zeigen, dass bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme im Krankenhaus bei jedem 5. ein erhöhtes Troponin und folglich eine Herzschädigung vorliegt. Troponin ist ein Eiweißstoff, der nur im Herzmuskel vorkommt und der wichtigste Blutwert zum Nachweis einer Herzmuskelschädigung.

Auffällig ist, dass die Patienten mit den erhöhten Troponin-Werten häufiger an kardio-vaskulären Vorerkrankungen, aber auch an Krebs oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) litten. Überdies sind auch chronische Nierenerkrankungen deutlich häufiger.

Die Patienten mit Troponinerhöhung haben ein signifikant höheres Risiko an COVID-19 zu versterben – bei ihnen waren es die Hälfte (51,2%), während von den Patienten ohne erhöhte Troponin-Werte nur 4,5% starben. Anders ausgedrückt, ein erhöhter Troponinspiegel bedeutet eine höhere Sterblichkeit.

COVID-19 – Herz – Herzschädigung mit schlechter Prognose

Weiterhin zeigen Patienten mit Herzschäden einen besonders schweren akuten Krankheitsverlauf mit höheren Entzündungswerten (C-reaktives Protein, kurz CRP), höheren Markern einer Herzinsuffizienz (NT-proBNP) und Niereninsuffizienz (Kreatinin).

Folglich ist in dieser Patientengruppe auch der Anteil der notwendigen maschinellen Beatmung deutlich höher. Dementsprechend könnten uns die sogenannten Biomarker (Troponin, NT-proBNP) speziell bei Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Vorerkrankung im Fall einer COVID-19-Infektion eine Risikostratifizierung geben. Mit anderen Worten: je höher auch die anderen Biomarker bei Aufnahme, desto schlechter die Prognose mit höherer Sterblichkeit.

Die erhöhte Sterblichkeit von COVID-19-erkrankten Patienten mit Indikatoren für einen Herzmuskelschaden konnte ebenfalls in einer weiteren Studie mit 187 Patienten aus Wuhan bestätigt werden. Sie ermittelte eine Sterblichkeit von 59,6% bei Personen mit erhöhten Troponinwerten im Vergleich zu 8,9% bei denjenigen mit normalen Troponin-Spiegeln.

Dabei werdender höchsten Mortalitätsraten bei Patienten mit kardio-vaskulären Vorerkrankungen beobachtet (69,4%). Bemerkenswerterweise sind aber auch die Mortalitätsraten bei denen erheblich, die erhöhte Troponinwerte ohne solche Vorerkrankungen haben (37,5%). Im Gegensatz dazu hatten Patienten mit bekannten kardiovaskulären Erkrankungen ohne erhöhte Troponinspiegel eine relativ günstige, aber immer noch besorgniserregende Prognose (Mortalität von 13,3%).

Mögliche Ursachen der Herzschädigung durch SARS-CoV-2

Noch ist nicht klar, welche konkreten Mechanismen und Zusammenhänge hinter der Herzschädigung stehen. Demgemäß vorstellbar ist zum einen eine Herzschädigung durch eine direkte Virusinfektion, auch in Abwesenheit einer vorbestehenden Herzerkrankung, oder indirekt durch die von der Infektion ausgelösten entzündlich-immunologischen Prozesse.

COVID-19 – Herz – Herzschädigung durch Viren im Herzmuskel

Genauso wie von Viren, die mit dem aktuellen Coronavirus eng verwandt sind, wie zum Beispiel SARS-CoV und MERS-CoV, sind auch bei SARS-CoV-2 schon Fälle von akuten Herzschädigungen bekannt. Bei berichteten Forscher aus Italien auch aktuell von dem Fall einer 53-jährigen gesunden Frau, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatte und zunächst die typischen Symptome mit trockenem Husten und Fieber entwickelte.

Aufgrund einer zunehmenden Schwäche mit Kreislaufproblemen wurde die Patientin eine Woche später im Krankenhaus aufgenommen. Bei Aufnahme fielen erhöhte Troponinwerte auf, die nach unauffälliger Herzkatheter-Untersuchung auf eine akute Myokarditis (Herzmuskelentzündung) zurückzuführen waren. Neben einer medikamentösen Herzinsuffizienz-Therapie konnte die Kortisongabe den Zustand der Patientin rasch verbessern.

COVID-19 – Zytokinsturm: Immunsystem außer Kontrolle

Auf jeden Fall ist der sogenannte Zytokinsturm ein indirekter Mechanismus, der für eine Herzschädigung durch eine Corona Virusinfektion in Frage kommt. Intensivmediziner beobachten vor allen Dingen in der späten Phase der Infektion eine Überreaktion des Immunsystems.

Zytokine können Sie sich vereinfacht als körpereigene Botenstoffe, die von Zellen des Immunsystems (Lymphozyten und Makrophagen) produziert werden, vorstellen. Sie übermitteln Informationen zwischen den Zellen des Immunsystems und spielen so eine große Rolle bei der Steuerung der körpereigenen Abwehr. Vermutlich gerät das Immunsystem bei der Bekämpfung der Virusinfektion so außer Kontrolle.  Folglich werden übermäßige Mengen an Zytokinen angestoßen  und somit ausgedehnte Gefäß- und Gewebeschäden an der Lunge und am Herzen verursacht.

In diesem Sinne wäre es vorstellbar, dass die Entzündungsreaktion des Körpers neben einer Herzmuskelentzündung folglich auch Gefäßveränderungen an den Herzkranzgefäßen mit Plaque-Instabilität und Mikrothromben verursacht, was zu einem gehäuften Auftreten von Herzinfarkten führen könnte.

Darüber hinaus kann ein veränderter Stoffwechsel im Rahmen der Infektion eine weitere mögliche Ursache für Durchblutungsstörungen des Herzens sein. Wie Sie wissen, erhöht Fieber den Stoffwechsel und erhöht damit auch den Sauerstoffbedarf des Herzens. Gleichzeitig ist jedoch durch die COVID-19-Infektion der Lunge das Sauerstoff-Angebot reduziert und somit kann der Sauerstoff-Mangel ebenfalls zu Durchblutungsstörungen und Herzschäden (siehe Myokardinfarkt Typ 2) sowie Herzrhythmusstörungen führen.

Haben Patienten bereits ein vorgeschädigtes Herz, etwa eine Insuffizienz, kann eine SARS-CoV-2-Infektion dementsprechend rasch ihren Zustand verschlechtern und zum Tod führen.

COVID-19 – Herz – vermehrte Wachsamkeit bei Herz-Kreislaufsymptomen

Für die Betreuung von Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen ergeben sich hier folglich Konsequenzen, die wir in eine akute und in eine chronische Phase trennen können.

Akute Phase. In Anbetracht der frühen Herzbeteiligung können folgerichtig Herz-Kreislaufsymptome frühe Zeichen einer COVID-19 Virusinfektion sein. Daher müssen wir bei Symptomen wie Brustdruck, Herzstolpern und auch bei Luftnot an eine Herzbeteiligung denken. Folglich müssen wir als Kardiologen und Kardiologinnen in solchen Fällen frühzeitiger den sogenannte Troponin-Test zum Nachweis einer Herzmuskelschädigung einsetzen. In der Tat können Risikopatienten so frühzeitiger erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Chronische Phase. Noch nicht abschätzbar, aber wahrscheinlich ist, dass nach überstandener COVID-19 Virusinfektion insgesamt die Zahl der Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz zunehmen wird. Auch hier werden wir im Zweifel frühzeitiger ein EKG und einen Herzultraschall durchführen müssen, um dann gegebenenfalls eine Herz-entlastende medikamentöse Therapie einzuleiten.

 

Literatur

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

COVID-19 – Corona-Lungenentzündung als kritische Erkrankung

Die Corona-Lungenentzündung  mit Versagen der Atemfunktionist Hauptkomplikation der COVID-19 Virusinfektion. Das führt bei ca. 5% aller Fälle zur Notwendigkeit der künstlichen Beatmung auf einer Intensivstation, wobei die Beatmung in der Regel 1-2 Wochen dauert.

Die Lungenentzündung, die Viruspneumonie ist auch die Haupttodesursache der COVID-19 Virusinfektion. Vorausgesetzt es sind genügend Beatmungsplätze auf den Intensivstationen vorhanden, liegt die Gesamtsterblichkeit der COVID-19 Infektion bei 2-3%. Entsteht ein Engpass, weil alle Beatmungsplätze belegt sind, dann kann die Sterblichkeit um ein Vielfaches steigen.

Auf der anderen Seite ist aber auch so, dass bei 85% der Menschen die COVID-19 Virusinfektion nur mit Symptomen einhergeht, die gut zu Hause behandelt werden können. Das sind die sog. leichten- bis mittelschweren Verläufe.

Nun stellen wir uns natürlich die Frage, warum bei einigen Menschen schwere und bei anderen Menschen leicht- bis mittelschwere Verläufe auftreten. Hier kennen wir schon einige individuelle Risikofaktoren, wie. z.B.  Alter, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Eine Antwort, warum es zu unterschiedlich schweren Verläufen kommt, kann sicherlich zu mindestens teilweise sein, dass es nicht nur wichtig ist, dass wir uns überhaupt, sondern auch wie wir uns infizieren.

Wir gehen davon aus, dass je schneller die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum mit einer hohen Viruslast in Richtung Lunge überwunden wird, desto schwerer der Verlauf einer COVID-19 Virusinfektion.

COVID-19 – Wie gelangt das Corona-Virus in den Körper?

Die Eintrittspforten für das COVID-19 sind

  • Augen
  • Nase
  • Mund
  • Verletzungsstellen an den Händen

Der Eintritt über kleinere Verletzungen ist quantitativ wahrscheinlich von untergeordneter Bedeutung. Die Haupteintrittspforte ist der Mund. In den Mund gelangt das Virus im Wesentlichen über 3 Mechanismen:

  • Tröpfcheninfektion
  • Aerosolinfektion
  • Hand-Gesichts-Kontakt

COVID-19 – Infektion mit Corona Virus ist häufig eine Tröpfcheninfektion

Die COVID-19 Virusinfektion ist in erster Linie eine sog. Tröpfcheninfektion, d.h. Viren werden durch Tröpfchen, die beim Atmen, Husten oder Niesen in der Luft verteilt, wo sie dann über die typischen Eintrittspforten in den Körper eines anderen Menschen gelangen. Tröpfcheninfektion bedeutet hier, dass das Virus sich im ausgeworfenen Tropfen befindet und dort verbleibt, wo der Tropfen landet, sei es z.B. auf dem Fußboden oder dem Gesicht eines anderen Menschen.

Je weiter der andere Mensch vom Infizierenden Abstand hält, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung; 2 Meter Abstand müssen hier mindestens eingehalten werden.

Corona Virusinfektion – Infektion über Aerosol besonders gefährlich für die Lunge

Die wissenschaftlichen Daten sind hier zwar noch nicht eindeutig, aber wir müssen davon ausgehen, dass das COVID-19 Virus im Alltag auch in Aerosolform vorkommt. Aerosol bedeutet, dass das Virus im Gegensatz zur Tröpfcheninfektion, für eine bestimmte Zeit in der Luft schwebt.

Viren in einem Aerosol gelangen im Gegensatz zu einem Bestandteil eines Tropfens wesentlich besser in direkt die Lunge. Viren in Aerosolen überwinden so die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum wesentlich besser. Die immunologische Auseinandersetzung mit dem Virus findet dann schon frühzeitig in der Lunge statt, was auch mit einer frühen Zerstörung von Lungengewebe einhergeht.

Die Bedingung, die die Aerosolbildung vor allen Dingen begünstigt, ist die hohe Konzentration von Menschen in einem geschlossenen Raum. Wenige bzw. ein einzelner Virusträger kann hier genügen, um die Tröpfchendichte so stark zu erhöhen, dass ein Virusaerosol entsteht. Das gilt wahrscheinlich besonders bei körperlicher Aktivität auf engem Raum, z.B. beim Tanzen in einem Club (siehe Apres Ski in Ischgl).

Hand-Gesichts-Kontakt vermeiden

Bei diesem Infektionsweg gelangt das Virus in mehr oder geringer Konzentration zunächst auf die Hände. Das kann über Körperkontakt oder durch Berührung von Virus-kontaminierten Oberflächen geschehen.

Wenn dann die kontaminierte Hand das Gesicht berührt, dann gelangt das Virus meistens über den Mundraum in den Körper. Daher sind Maßnahmen der Handhygiene so wichtig und wir sollten während der laufenden Epidemie die Hände immer unter der Schulterhöhe halten.

Wie lange kann das COVID-19 Virus außerhalb eines biologischen Organismus überleben?

Das COVID-19 Virus kann außerhalb eines biologischen Wirtes, d.h. außerhalb eines Menschen oder eines Tieres für eine begrenzte Zeit überleben und folglich infektiös bleiben. Nach ersten wissenschaftlichen Daten beträgt die Überlebensdauer hier:

  • Aerosol bis zu 3 Stunden
  • Kupferoberflächen bis zu 4 Stunden
  • Karton bis zu 24 Stunden
  • Edelstahl 2-3 Tage
  • Plastik 2-3 Tage

COVID-19 Virus – über Mund und Nase in den Körper und wie geht es dann weiter?

Die COVID-19 Virusinfektion ist in der Regel eine sog. absteigende Infektion. Das heißt, dass die Viren sich im Zeitverlauf vom Eintrittsort im Bereich des Mundes bzw. der Nase zur Lunge hin ausbreiten.

Durch den Erstkontakt des Virus über die Nase bzw. den Mund dominieren gerade in den ersten Tagen Symptome im Bereich des oberen Verdauungstraktes und in den oberen Luftwegen, d.h. im Mund-Rachenraum bzw. im Kehlkopfbereich und in der Luftröhre. Entsprechend sind frühe Symptome ein geröteter Rachen und ein trockener unproduktiver Husten, d.h. ein Husten ohne übermäßige Schleimbildung.

Wir müssen wissen, dass gerade der Mund-Rachenraum eine starke immunologische Barriere darstellt. Dieses sind neben den sog. Mandeln zahlreiche Lymphknoten. Sie erfüllen eine lebenswichtige Wächterfunktion, denn jeden Tag werden wir mit infektiologischen Angreifern, vor allen Dingen Viren und Bakterien konfrontiert.

Durch den Kontakt des Virus mit den Lymphknoten beginnt die immunologische Antwort Ihres Körpers auf die COVID-19 Infektion, was nach einem Zeitraum von ca. 14 Tagen in der Regel einen ausreichenden Antikörperspiegel und folglich auch einen Schutz vor COVID-19 Viren zur Folge hat. Diese spezifischen Antikörper wehren dann die Viren ab, kurzum sie machen sie unschädlich.

Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Das Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie ist es die Infektion so lange als möglich zu vermeiden. Dieses hat vor allen Dingen folgende Gründe:

  • Vermeidung von Überlastung Beatmungsplätze auf den Intensivstationen.
  • Zeitgewinn bis zur breiteren Anwendung von Antigentests (Virusnachweis) und Antikörpertests (immunologischer Schutz). Damit verbunden sind gezielteren Maßnahmen des Seuchenschutzes.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung und Bewertung von spezifischen Therapiemaßnahmen zur Reduktion der Viruslast selbst (antiviral) und Verringerung einer überschießenden Immunantwort in der Akutphase.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung einer Prophylaxe (Impfstoff)

Sekundärärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Neben dem Primärziel, d.h. dass wir gar keinen Kontakt mit dem Virus haben sollten, lässt sich unter Berücksichtigung des Infektionsweges ein sinnvolles Sekundärziel formulieren.

  • Konzentration des Virus im Körper bei Erstkontakt möglichst gering halten.
  • Viruslast in der Lunge bzw. im Magen-Darmtrakt so lange als möglich gering halten.

Bei dem Sekundärziel gilt es bei Kontakt mit Virusträgern die Konzentration des Virus in unserem Körper möglichst gering und am Ort der optimalen Infektabwehr im Mund-Rachenraum zu halten. Wir müssen dem Körper Zeit geben immunologisch auf das Virus zu reagieren. Dabei müssen wir so weit als möglich vermeiden, dass das Virus früh in die Lunge gelangt und dort mit der Schädigung des Lungengewebes beginnt.

Darüber hinaus müssen wir den frühzeitigen Eintritt des Virus in den Darmtrakt verhindern. Auch bei Menschen, die zu Beginn Darmsymptome hatten, sind besonders schwere Krankheitsverläufe der COVID-19 Virusinfektion berichtet worden. Inwieweit Protonenpumpenhemmer zur Reduktion der Magensäure, die ja auch selber einen infektiologischen Schutz darstellt, hier eine schädliche Rolle spielt, ist spekulativ, aber aus unserer Sicht wahrscheinlich. Überwindet das Virus den Magen, dann kann es sich leichter über den Darm im Körper ausbreiten. Folglich raten wir Menschen soweit als möglich dazu auf Medikamente zur Reduktion der Magensäure, vor allen Dingen auf sog. Protonenpumpenhemmer zu verzichten.

 Corona-Lungenentzündung

Corona-Lungenentzündung – die Pneumonie bei COVID-19 Virusinfektion

Die Pneumonie bei der COVID-19 Virusinfektion führt relativ spät zu Symptomen. Das hat 2 wesentliche Gründe.

Absteigende Infektionsausbreitung. Der eine Grund ist, wie bereits angesprochen der typischerweise absteigende Charakter der Virusinfektion vom Mund-Rachenraum bzw. von den oberen Atemwegen in die Lunge.

Atypischer Charakter der Pneumonie. Der andere Grund ist, dass es bei der COVID-19 Viruspneumonie noch vor Ausprägung der Atemnot in der Regel deutliche, z.T. schwere radiologische Veränderungen im Röntgen-Thorax und im Thorax-CT nachgewiesen werden können. Es besteht also ein Missverhältnis zwischen Symptomen und Strukturveränderungen der Lunge. Vom Erscheinungsbild ähnelt die COVID-19 Viruspneumonie somit einer sog. atypischen Pneumonie.

Die atypische Pneumonie ist dadurch gekennzeichnet, dass vor allen Dingen das Lungengerüst mit den Bereichen zur Aufnahme bzw. Abgabe von Sauerstoff bzw. Kohledioxid gestört ist. Die Transitstrecke zwischen Gasaustauschfläche und Blutgefäßen wird durch entzündliche Veränderungen verbreitert und der Gasaustausch folglich erschwert. Bei nur geringer körperlicher Aktivität hat das nicht unbedingt Symptome zur Folge. Wir sehen dann auch Menschen, die einen Sauerstoffsättigung des Blutes von 80% (normal 92-96%) haben, ohne dass sie sich zunächst beeinträchtigt fühlen.

Die typische Pneumonie, meistens eine bakterielle Pneumonie hingegen ist bereits in der Frühphase dadurch charakterisiert, dass sich die lufthaltigen Bereiche der Lunge, Lungenbläschen oder auch Alveolen genannt mit entzündlicher Flüssigkeit füllen. Folglich wird aus einer gesunden Lunge, eine schwere Lunge und die Atemarbeit steigt frühzeitig an. Sie können sich das so vorstellen, dass aus einem trockenen leichten Schwamm ein nasser schwerer Schwamm wird.

Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Lunge bei COVID-19 Virusepidemie

Zum Schutz der Atemwege und der Lunge gibt es verschiedene sinnvolle Maßnahmen.

  • Nasen-Einatmung – Mund-Ausatmung
  • Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden
  • geschlossene Räume regelmäßig lüften
  • Mundschutz bei Verlassen des Hauses

Atmung optimieren

Durch die Einatmung durch die Nase wird der Atemwiderstand erhöht und die potentiell Virus-haltige Atemluft wird bei der Einatmung durch die Nase im Vergleich zum Mund frühzeitiger mit dem Immunsystems des Rachens in Kontakt gebracht. Die Ausatmung durch den Mund ermöglicht eine möglichst komplette Entleerung Luftwege und hat damit in gewisser Weise einen Auswascheffekt.

Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden

Die selbstverständlichste und wichtigste Regel ist die Einhaltung eines Abstandes zwischen Menschen von mindestens 2 Meter. So wird das Risiko für eine Tröpfcheninfektion deutlich verringert.

Corona Luftqualität – Räume lüften

Die Viruslast in einem Raum kann durch regelmäßiges Lüften deutlich gesenkt werden. Die Qualität, und damit die Viruslast der Raumlauft kann über den Gehalt an CO2 bewertet werden. In der Raumluft beträgt die Konzentration 350 ppm, in der normalen Ausatemluft ca. 40.000 ppm. Eine Raumluft von < 1.000 ppm gilt als unbedenklich. Hat eine Person in einem Raum mit 30 Menschen eine Virusgrippe, dann beträgt die Ansteckungsrate innerhalb von 4 Stunden bei entsprechenden CO2-Messungen bei:

  • 1.000 ppm 5/29 = 17,2%
  • 2.000 ppm 12/29 = 51,4%
  • 3.000 ppm 15,29 = 51,7%

Diese Zahlen, die sich sicherlich auf die Verhältnisse von COVID-19 übertragen lassen, veranschaulichen, wie wichtig neben der Verringerung der Konzentration von Menschen auch das Lüften von geschlossenen Räumen ist.

Zur Veranschaulichung: bei einem Kubikmeter Luft, d.h. einem Würfel mit einer Kantenlänge von 1x1x1 m entsprechen 1.000 ppm einem Anteil von 10x10x10 cm.

Optimal zur Bestimmung der Qualität der Raumluft ist ein CO2-Messgerät, welches Sie z.B. im Baumarkt (noch) besorgen können. Wir halten die Anschaffung für Betriebe, die weiter arbeiten müssen für sinnvoll.

 

 Corona-Lungenentzündung – Mundschutz oder Maske außerhalb des Hauses tragen

Wir unterscheiden beim Mundschutz grundsätzlich den Selbstschutz und den Fremdschutz.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

 Corona-Lungenentzündung

Corona – Atemschutzmaske FFP2 und FFP3 relevant als Infektionsschutz zum Selbstschutz

Die bekannten FFP2- und FFP3-Masken (Filtering Face Piece Level 2/3) schützen den Träger mit einer Sicherheit von ca. 99% vor der Inhalation von Viren. Sie weisen bei der Ein- und Ausatmung spezifische Eigenarten auf.

Einatmung. FFP2- und FFP3-Atemschutzmasken stellen einen spürbar er höhten Atemwegswiderstand bei der Einatmung gerade für Lungenerkrankte dar. Die vermehrte Atemarbeit kann so zu einer schnelleren Erschöpfung mit der Notwenigkeit einer maschinellen Beatmung führen.

Ausatmung. Bei Atemschutzmasken erfolg die Ausatmung durch zwar durch das Ventil, Allerdings mit deutlich niedrigerem Atemwegswiderstand als bei der Einatmung. Ist der Träger der Maske virusinfiziert, dann weist die Ausatemluft durch diese Masken eine stark konzentrierte hohe Viruslast auf. Menschen, die Virusträger sind, dürfen daher eine solche Maske in der Gegenwart anderer Menschen nicht tragen. Ein Virusträger mit einer FFP2 bzw. FFP3-Maske ist ein Fremdgefährder.

Corona – Atemschutzmasken – Halb- und Vollmasken

Die FFP2 bzw. FFP3 werden auch in sog. Halb- oder Vollmasken in Filterkartuschen mit Schraubgewinde verbaut. Diese Masken aus Gummi oder Kautschuk zeichnen sich durch einen einen besseren Dichtungsausschluss aus als die gängigen Fliesmasken. Weiterhin halten die Filtersysteme zum Teil sehr lange.

 

 Corona-Lungenentzündung

Corona – Papiermasken und Stoffmasken relevanter Infektionsschutz für Fremdschutz und Selbstschutz

Der einfache Mundschutz aus Papier- bzw. Stoffmaterialien schützt nur unvollständig vor der inhalativen Aufnahme von COVID-19 Viren durch die Atmung. Allerdings gehen wir sicher davon aus, dass die Viruslast, d.h. die Konzentration des Virus bei der Einatmung durch diese Masken reduziert wird. Hier kommt das “wie” bei der Infektion zum Tragen: je länger die die Viruslast im Körper gering bleibt, desto mehr Zeit hat Ihr Immunsystem eine effiziente immunologische Antwort zu entwickeln und damit möglicherweise eine schwere Virusinfektion zu verhindern.

Erkrankte bzw. symptomatische Menschen müssen einen einfachen Mundschutz tragen.

Einmalartikel aus Papier sollten am Tage mehrmals gewechselt werden.

Allerdings werden uns die Versorgungsengpässe hier dazu zwingen auf nicht-optimal Lösungen zurückzugreifen. Festere Papiermasken, übrigens auch die FFP2 und FFP3-Masken können mittels feuchter Bürstenreinigung gereinigt und in die Sonne zum Trockenen gehängt werden. Die UV-Strahlung der Sonne unterstützt das Absterben des Virus. Ein System mit 1 personalisierten Maske pro Tageshälfte für 3 Tage, das bedeutet 6 Masken insgesamt erscheint praktikabel. So liegt eine Maske nach der Reinigung für 72 Stunden bis sie wieder getragen wird.

Stoffmasken müssen am Tag mindestens 2 Mal über 10 Minuten in kochendem Wasser ausgekocht werden. Sie sollten also immer einen Kochtopf spezielle zur Reinigung auf dem Herd stehen haben.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

Sonderfall – infizierte Person im eigenen Haushalt

Ist eine Person im eigenen Haushalt infiziert bzw. besteht der Verdacht auf eine COVID-19 Virusinfektion, dann stehen alle Mitglieder dieses Haushaltes unter Quarantäne, da alle infiziert sein können. Auch in diesem Fall sollten die noch nicht symptomatischen Mitglieder des Haushaltes die oben genannten Schutzmaßnahmen zur Reduktion der Viruslast im eigenen Körper nutzen.

Infizierte Person. Die nachgewiesen infizierte bzw. potentiell infizierte symptomatische Person sollte im eigenen Haushalt immer einen einfachen Mundschutz tragen. Eine sog. FFP2 oder FFP3 Maske darf nicht getragen werden, weil durch diesen Maskentyp die Viruskonzentration in der Ausatmenluft konzentriert wird. Andere noch nicht infizierte Personen dürfen durch eine höhere Viruslast nicht zusätzlich gefährdet werden.

Ist ein medizinischer Mundschutz nicht vorhanden, dann können Hilfskonstruktionen, wie z.B. Halstücher verwendet werden. Stoffmasken bzw. Hilfskonstruktionen aus Stoff müssen mehrmals am Tag in kochendem Wasser für 10 Minuten ausgekocht werden.

Nicht-infizierte Person. So lange keine Symptome bestehen bzw. eine COVID-19 Virusinfektion nicht nachgewiesen ist, können diese Menschen zum Selbstschutz FFP2 und FFP3 Masken tragen. Alle Maßnahmen einschließlich Abstandsregeln und Handhygiene müssen eingehalten werden.

COVID-19 Virusepidemie – wachsam und informiert bleiben

Die Erkenntnisse und „Verhaltensweisen“ des Virus mehren sich bzw. werden nachvollziehbarer. Daher sind aus unserer Sicht fachliche Updates sehr wichtig. Heute ist der Wissensstand der letzten Woche schon wieder alt. Zum Glück erweitert sich das Wissen nun, so dass sich jetzt alle bisherigen Maßnahmen als die die richtigen erwiesen haben.

Informieren Sie sich regelmäßig zu neuen Erkenntnissen, z.B. auch beim Robert-Koch-Institut (RKI). Das RKI hat viel Kritik einstecken müssen, vielleicht zum Teil auch zu Recht. Allerdings machen Schuldzuweisungen im Hinblick auf die Vergangenheit keinen Sinn und sind sogar kontraproduktiv. Wir müssen alle, jeder einzelne von uns nach vorne denken und handeln und die Probleme Schritt-für-Schritt lösen.

Genauso wenig wie es Sinn macht vergangene Chancen zu beklagen, sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass die Hygienemaßnahmen mit Abstandsregel, Mundschutz und Händedesinfektion so bald verschwinden werden. Wir werden mindestens bis zu einer kompletten Durchseuchung bzw. zur breiten Einführung eines Impfstoffes verschärfte Regeln einhalten müssen. Wer anderes behauptet oder will, der lebt in einer gefährlichen Illusion und ist ein Narr (meistens alte Männer).

Auch, wenn wir einen Impfstoff haben, werden wir nicht unser “altes Leben” zurückkommen. Wir haben über Mitbürger aus Asien immer gelächelt, weil sie gerade auf Flugreisen einen Mundschutz tragen. Wir können davon ausgehen, dass auch wir Europäer in der Zukunft dauerhaft infektiologisch vorsichtiger sein werden, denn nach SARS (2002), MERS (2012) und COVID-19 (2019) kommt die nächste Virusepidemie bestimmt.

Literatur

 

 

Atemübungen – ein Weg zur aktiven Entspannung

Unser Alltag wird bestimmt von ständiger geistiger und körperlicher Aktivität, häufig genug bis zur Erschöpfung. Aktive Pausen sind deswegen immer wieder wichtig, damit Sie zur Ruhe kommen können und aktiv Geist und Körper harmonisieren.

Dieses Innehalten kann Ihnen bei einer Morgenroutine beim Start in den Tag helfen, sodass Sie die Kontrolle behalten. Hilfreich ist es auch als Teil einer Abendroutine, die in einen erholsamen Abend und damit in den  Schlaf überleiten kann. Häufig ist kann Ihnen eine Pause mitten am Tag Ihnen Gelassenheit und Energie geben.

Das bewusste „Abschalten“ ist bei solchen aktiven Pausen kein einfaches Erschlaffen, sondern ein entspannt konzentrierter Vorgang, der im optimalen Fall eine Gedankenleere zum Ziel hat. Die meisten von uns können das nicht so einfach, sondern müssen es erst lernen und üben. Atemtechniken können hier eine wertvolle Unterstützung sein.

Der Atemantrieb – wesentlich durch den Stoffwechsel bestimmt

Beim Verbrauch von Energie wird in Ihrem Körper Kohlendioxid, kurz CO2, freigesetzt. Das Gas CO2 ist quasi ein „Abfallprodukt“ des Energiestoffwechsels. Daher verlässt CO2 Ihren Körper beim Ausatmen über die Lunge.

Der Atemantrieb wird über sog. Chemorezeptoren gesteuert. Diese Messsensoren liegen überwiegend im Gehirn, zentrale Schaltstation ist der Hirnstamm. Steigt Kohlendioxid in Ihrem Körper an, dann steigt auch der Atemantrieb. Die Atmung wird dann schneller und tiefer.

Der Stoffwechsel bestimmt die Produktion von CO2. Wir unterscheiden dabei den Ruhestoffwechsel und den Aktivitätsstoffwechsel. Letzterer wird sowohl von körperlicher als auch geistiger Aktivität beeinflusst. Das heißt also, dass selbst Gedanken mit einem höheren Energieverbrauch verbunden sind. Wie Sie gleich sehen werden, ist es nicht allein der Energieverbrauch des Gehirns, der hier eine Rolle spielt.

Normale geistige Aktivität in körperlicher Ruhe

Gerade im Wachzustand steht unser Gehirn nie still, auch wenn wir Augen und Ohren schließen. Ständig wandern uns Gedanken und Bilder in Verbindung mit Gefühlen durch den Kopf. Vermittelt durch das vegetative Nervensystem hat das nicht nur geistige, sondern auch körperliche Aktivität Ihres Körpers zur Folge. Zum Beispiel verändern Gedanken den Herzschlag, die Atemtätigkeit und die Muskelanspannung. Das passiert ganz unwillkürlich, obwohl Sie sich nicht körperlich bewegen, und entspricht so gewissermaßen dem Erleben in einer virtuellen Realität. Das liegt daran, dass Gedanken meistens einer Rekonstruktion bzw. einer Präkonstruktion von Ereignissen dienen.

Eine Rekonstruktion ist das Erinnern an Vergangenes, was auch mit einem körperlichen Nacherleben verbunden ist. Stellen Sie sich z.B. vor, wie Sie das letzte Mal bei einem Beinahe-Unfall auf die Bremse treten mussten. Da klopft Ihnen jetzt noch das Herz.

Die Präkonstruktion bezieht sich auf erwartete Ereignisse und entspricht so der Planung zukünftiger Aktivitäten. Hier findet in Ihrem Körper ein Vorerleben statt. Das entspricht in gewisser Weise einem innerlichen Vorab-Test, ob das geplante Vorhaben für einen selbst realisierbar ist. Steht eine körperliche Aktivität, z.B. das Ersteigen einer Treppe, unmittelbar bevor, dann sind diese Mechanismen im Sinne eines „Vorglühens“ besonders bedeutsam. Der Körper wird in die richtige Grundspannung gebracht, so dass wir eine Tätigkeit reibungslos durchführen können.

Beide Prozesse, die Rekonstruktion und die Präkonstruktion von Ereignissen, sind für Sie wichtig. Durch sie sind Sie im Alltag gut handlungsfähig, indem Sie Vergangenes gedanklich sortieren und Zukünftiges vernünftig planen können. Allerdings sind diese geistigen Aktivitäten mit einem Aktivitätsstoffwechsel verbunden, den man beim ruhigen meditativen Atmen ja gerade vermeiden will.

Ruhestoffwechsel für eine entspannte Atmung

Das Ziel einer entspannenden Atmung ist es, frei von Gedanken, als von Prä- bzw. Rekonstruktionen und körperlicher Aktivität zu atmen. Folglich streben wir eine Atmung an, die vom Ruhestoffwechsel geführt wird. Die Atemfrequenz und -häufigkeit können dabei von Tag zu Tag variieren. Das hängt mit Ihrem individuellen Stoffwechsel, der zugeführten Nahrung und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Zum Beispiel ist die Aufnahme von Kohlenhydraten mit mehr CO2-Produktion verbunden, als die Verstoffwechselung von Fett. Folglich kann das Atmen nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit schneller sein als nach einer fettreichen Gericht.

Geistige Aktivität bei entspannter Atmung

Bei der angestrebten Tiefenentspannung haben wir in körperlicher Ruhe zwei Ziele: zunächst die Dissoziation und schlussendlich die Gedankenleere.

Dissoziation bedeutet hier eine emotionale Distanz zu geistigen Inhalten, sodass diese möglichst wenige körperliche Reaktionen hervorrufen. Bilder und Gedanken sollten an Ihnen vorbeiziehen, ähnlich wie die Wolken am Himmel: Sie sind da, aber Sie brauchen sie nicht zu greifen. Das verringert das körperliche Erleben von Rekonstruktion und Präkonstruktion.

Gedankenleere meint, dass keine geistigen Inhalte vorhanden sind: Sie sehen weder Bilder noch haben Sie Gedanken oder beunruhigende Gefühle. Nun wird das Atmen ausschließlich durch den basalen Stoffwechsel bestimmt, was zu einer tiefen Entspannung beiträgt.

Das Problem für die meisten Menschen ist nur, dass Dissoziation und Gedankenleere schwierig zu erreichen sind. Das Gehirn ist immer geistig aktiv, im schlimmsten Fall haben wir kreisende Gedanken, immer und immer wieder um denselben Inhalt. Wenn Sie eine Dissoziation bzw. Gedankenleere anstreben, dann lohnt es sich auf einige Hilfstechniken zurückzugreifen.

Voraussetzung für eine beruhigende Atmung – körperliche Ruhe und richtige Atemtechnik

Sie sollten eine ruhige Körperposition einnehmen, die Sie zu ruhiger Aufmerksamkeit befähigt. Es muss nicht gleich ein Schneidersitz oder gar ein Lotussitz sein. Das aufrechte Sitzen auf einem Stuhl genügt voll und ganz.

In der entspannten Atmung beträgt das Zeitverhältnis zwischen Einatmen und Ausatmen 1:(2-3). Bei körperlicher Anstrengung beträgt das Atemverhältnis eher 1:1. Bei der gesunden Einatmung sind Ihre Atemmuskeln, wie z. B. das Zwerchfell, aktiv und Sie atmen durch die Nase in den Bauch ein, sodass sich der Bauch entspannt nach vorne wölbt. Wir nennen das Nasen-Bauchatmung. Die Ausatmung ist muskulär passiv, die Lunge zieht sich zusammen und die Luft entleert sich über den Mund.

Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Bauchatmung haben, dann legen Sie die Hände einfach auf den Bauch. Dieser Führungswiderstand erleichtert Ihnen vor allen Dingen das Atmen von der Nase in den Bauch. Hilfreich ist auch die Übung mit einem Ball.

Tiefenentspannung – schrittweise Verringerung von geistiger Aktivität

Das Ziel der Gedankenleere können Sie schrittweise erreichen, indem Sie Hilfstechniken benutzen. Hier helfen das Visualisieren, das Zählen der Atemzüge in einem Atemmandala und das Fokussieren auf die Atmung.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen über eine Hängebrücke und fühlen sich unsicher. Sie greifen verständlicherweise nach den beiden Geländern: das eine ist ein Atemmandala zum Zählen, das andere ist der Fokus auf die Atmung. Mit der Zeit fühlen Sie sich auf der Brücke sicherer und Sie können die Geländer nacheinander loslassen und angstfrei gelassen weiter über die Brücke gehen.

Wir gehen also zum Erreichen der Gedankenleere schrittweise vor:

  • Atemmandala
  • Fokus auf Atmung
  • Dissoziation
  • Gedankenleere

Atemmandala – durch Zählen fokussieren

Sie visualisieren ein Atemmandala, wie Sie es im Beispiel im Bild sehen. Sie folgen dem natürlichen Atemrhythmus. Mit der Zahl 1 beginnen Sie und zählen z.B. bis 7 bzw. bis 11 und dann von der jeweiligen Zahl rückwärts bis zur 1. Dann beginnt der nächste Zyklus.

Bei ungeraden Zahlen atmen Sie ein, bei geraden Zahlen atmen Sie aus. Wenn Sie sich verzählt haben, dann ist das nicht schlimm. Machen Sie einfach entspannt weiter!

Atemmandala – Phase des Verweilens 

Wenn Sie eine innere geistige Ruhe erreicht haben, dann können Sie z.B. zwischen zwei Zahlen hin und her atmen: von 1 zu 2, von 2 zu 1, von 1 zu 2 und so weiter. Sie können auch auf einer Zahl atmen, also 1, 1, 1. Ab einem Moment der geistigen Entspannung können Sie das Fokussieren auf die Zahlen loslassen und den Fokus ganz allein auf das Atmen legen.

Fokus auf die Atmung – dem natürlichen Atemantrieb folgen

Atmen Sie einfach natürlich ein und aus, indem Sie versuchen den Rhythmus zu halten und langsam auszuatmen. Hilfreich ist es hier, in der Ausatmung am Ende eine entspannte Atempause zu machen und auf den natürlichen Atemantrieb zu warten, bis dieser wieder sanft „anspringt“. Ihr entspannter Geist ruht jetzt auf der Atmung und Sie sind einfach präsent.

Dissoziation – Gedanken vorüberziehen lassen

Bei der Dissoziation gehen Ihnen noch Gedanken und Gefühle weiter durch den Kopf. Versuchen Sie sich zunächst an positive Bilder, Gedanken und Gefühle zu erinnern, ohne diese zu bewerten. Diese Gedanken lassen Sie dann mit emotionaler Distanz gelassen vorbeiziehen, ähnlich wie beim Beobachten von Wolken. Wenn Sie die Bilder, Gedanken und Gefühle zu sehr beschäftigen, was vollkommen normal ist, dann können Sie behutsam wieder das Zählen im Atemmandala aufnehmen.

Fokus ist nicht unbedingt die Fähigkeit, aufmerksam zu bleiben….. Es ist vielmehr die Fähigkeit, nicht abgelenkt zu bleiben. (Andy Puddicombe)

Gedankenleere – entspannte Präsenz

Durch Dissoziation stellen sich Phasen der Gedankenleere ein. Hier sind Sie einfach nur da. Selbst die Atmung nehmen Sie nur noch entfernt war. Wenn Ihnen diese Techniken neu sind, dann stellen sich diese Phasen während einer Übungseinheit zunächst erst spät ein und halten meist nur kurz an. Sollten erneut Bildern und Gedanken auftauchen, dann können Sie sie wieder spielerisch an sich vorbeiziehen lassen.

Atemübungen – üben übt

Gehen Sie spielerisch mit den Atemübungen um. Sie werden immer wieder etwas Neues entdecken. Manchmal läuft es auch nicht so gut, Sie sind unruhig und ungeduldig. Lassen Sie das einfach geschehen, der nächste Tag wird wieder anderes.

Regelmäßiges Üben erleichtert das Erreichen der Gedankenleere. Sinnvoll ist es 10-20 Minuten am Tag zu üben. Mit der Zeit kann die Phase der Gedankenleere so schon nach einigen Minuten erreicht werden. Das Ergebnis ist eine tiefe geistige und körperliche Entspannung.

Besonders sinnvoll ist es, diese meditative Atemtechnik in die Morgenroutine zum Einleiten des Tages zu integrieren. Denn dann bestimmen Sie bereits den Takt des Tages.

Hilfreich sind auch Apps, wie z.B. BreathingZone, VaYouHeadspace und Muse 1. BreathingZone hilft visuell und akustisch bei der Atemsynchronisierung. Bei VaYou handelt es sich um eine einfache (und erschwingliche) sehr interessante App für Biofeedback durch die eigene Atmung (leider nur für iPhone). Headspace vermittelt weitere Techniken zur Dissoziation und hilft mit den Anforderungen der Alltages besser umzugehen. Muse 1 ist eine EEG-geführte Meditation über Neurofeedback. Allen 3 Apps ist gemein, dass Sie sachlich und klar, d.h. nicht spirituell überlagert sind.

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Bei Menschen mit Grippe gelangen Viren über die oberen Luftwege und die Lunge in den ganzen Körper. Die meisten Viren tummeln sich in der Lunge. Daher besteht ein Risiko, eine zusätzliche bakterielle Infektion der Lunge oder gar eine schwere Lungenentzündung zu bekommen.

Das therapeutische Ziel muss deswegen heißen: Ausbreitung der Viren und eine bakterielle Zusatzinfektion verhindern! Erreichen kann man dies mit verschiedenen Maßnahmen.

Weil bei Grippe der Flüssigkeitsbedarf (z. B. durch Sekretbildung) höher ist, sollte man 40 ml pro kg pro Tag trinken (außer wenn anders verordnet). Trinken stärkt das Immunsystem und den Kreislauf.

Die Lungen sollten belüftet werden. Das erreicht man, indem man nicht nur im Bett liegt, sondern auch mal durch die Wohnung geht. Außerdem ist eine tiefe Nasen-Bauchatmung (Ein-: Ausatmung im Verhältnis 1: (2-3)) wichtig.

Den Sekretabfluss fördern Betroffene, indem Sie beim Liegen regelmäßig die Seite wechseln. Auch das aktive Husten und Schnäuzen in unterschiedlichen Körperlagen hilft. Ebenso effektiv: die Schulterbrücke machen.

Risikopatienten sollten frühzeitig zum Arzt. Dazu zählen Menschen

  • über 65 Jahre
  • mit Herzschwäche
  • mit einer Lungenerkrankung
  • während einer Schwangerschaft

Bleiben Sie bei Grippe auf jeden Fall soweit als möglich körperlich aktiv. Sie sollten allerdings sehr starke Anstrengungen vermeiden.

 

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…weiter im Selbsthilfekurs “Grippe”

Virale Infekte wie die Grippe können das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Die Verläufe variieren von flüchtigen Symptomen bis hin zu fortschreitender Herzschwäche. Schwere Verläufe sind allerdings sehr selten.

Abklären sollten Sie folgende Symptome, die nach einer Grippe neu auftreten:

Dafür wird folgende Basis-Diagnostik eingesetzt:

  • Körperliche Untersuchung
  • Labor
  • EKG
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)

Um weiter abklären zu können, wendet ein Arzt/eine Ärztin ggf. auch ein Herz-MRT und in seltenen Fällen einen Herzkatheter oder eine Herzmuskelbiospie an.

…weiter im Selbsthilfekurs “Grippe”

 

 

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Ohnmacht und Bewusstlosigkeit bei normaler Atmung: stabile Seitenlage

Wenn Sie bewusstlos sind, dann erschlafft die gesamte Muskulatur. Das kann dazu führen, dass Ihre Zunge zurückfällt und sich die Atemwege verlegen. Der fehlende Luftstrom in die Lunge bewirkt dann einen Sauerstoffmangel, der Organschäden zur Folge haben kann, vor allem für Ihr Herz und Gehirn.

Ein weiteres Problem bei Bewusstlosigkeit sind die verringerten bzw. aufgehobenen Schutzreflexe. Hier zu nennen sind vor allem der gestörte Schluck- bzw. Hustenreflex. Folglich besteht die Gefahr der Aspiration, das heißt: Nahrung, Blut oder Erbrochenes kann in die Luftröhre und in die Bronchien gelangen.

Im allerschlimmsten Fall können Sie an einer Aspiration akut ersticken. Überleben Sie das akute Ereignis, dann besteht immer noch die mittelfristige Gefahr einer schweren Lungenentzündung – die sogenannte Aspirationspneumonie.

Stabile Seitenlage – Atemwege frei halten

  • Atemwege freihalten
  • Zunge fällt nicht nach hinten
  • Erbrochenes kann aus dem Mund abfließen
  • Spontanatmung wird aufrechterhalten
  • Schutz vor Ersticken

Nur eine bewusstlose Person mit normaler Atmung darf in die stabile Seitenlage gebracht werden. Eine bewusstlose Person mit gestörter Atmung dürfen Sie hingegen nicht in die stabile Seitenlage bringen. Hier müssen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Bewusstlosigkeit und Ohnmacht bei erhaltener Atmung

Mit bewusstlosen Menschen kann jeder von uns einmal konfrontiert sein. Für eine Bewusstlosigkeit mit erhaltener Spontanatmung kann es verschiedene Gründe geben, so z.B.

  • Trunkenheit und Drogengebrauch
  • Kreislaufkollaps bei längerem Stehen
  • Krampfanfall des Gehirns
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Unterzuckerung

Stabile Seitenlage anwenden – Wie geht die stabile Seitenlage?

  • Überprüfen Sie die Spontanatmung
  • Bringen Sie den bewusstlosen Menschen in Rückenlage
  • Knien Sie sich seitlich neben den Betroffenen, z.B. links
  • Bringen Sie den nahen (linken) Arm angewinkelt nach oben
  • Greifen Sie den fernen (rechten) Arm, kreuzen den Arm über die Brust und legen die Handoberfläche an die Wange. Dabei lassen Sie die Hand nicht los.
  • Beugen Sie das ferne (rechte) Bein im Knie
  • Ziehen Sie den Betroffenen zu sich herüber
  • das oben liegende (rechte) Bein rechtwinklig zur Hüfte legen
  • Überstrecken Sie den Kopf der bewusstlosen Person leicht
  • Nutzen Sie die Hand an der Wange zur Stabilisierung
  • Öffnen Sie leicht den Mund der Person
  • Der Mund ist so der tiefste Punkt des Körpers

Überwachung in stabiler Seitenlage

Bei einem bewusstlosen Menschen wissen Sie nie, wie sich der Zustand weiterentwickelt. Folglich müssen Sie die Atmung engmaschig kontrollieren und darauf achten, ob Atemgeräusche hörbar sind. Ein weiterer Hinweis für eine regelrechte Atemtätigkeit ist das Heben von Brustkorb oder Bauch.

Haben Sie Zweifel, dann gehen Sie davon aus, dass die Atmung nicht normal ist. Dann müssen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Dabei sollten Sie immer wieder das Bewusstsein kontrollieren. Neben der akustischen Ansprache bewerten Sie auch die Reaktion auf Schmerzreize durch kräftiges Rütteln, Kneifen oder Klatschen des Körpers.

Stabile Seitenlage – drohender Notfall?

Die Tatsache, dass Sie eine stabile Seitenlage eingeleitet haben, weist auf einen kritischen Gesundheitszustand hin. Die kurzfristige Dynamik mit drohendem Herzkreislaufstillstand, Atemstillstand beziehungsweise Krampfanfall können Sie dann nicht sicher abschätzen. Daher sollten Sie bei stabiler Seitenlage immer den Notruf unter 112 absetzen.

 

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Schweregrade der Luftnot – Symptome bei Herzschwäche

Bei Herzschwäche, der sog. Herzinsuffizienz, bedeuten Symptome eine Einschränkung der Lebensqualität. Auch ist das Langzeitüberleben in Abhängigkeit vom Schweregrad der Symptome eingeschränkt. Folglich sind Symptome ein wichtiger Hinweis dafür, Therapiemaßnahmen einzuleiten bzw. zu intensivieren.

Unser Ziel ist es, für Sie ein gutes geistiges und körperliches Befinden im Alltag zu gewährleisten und auch das Langzeitüberleben zu verbessern.

Das Hauptsymptom der Herzschwäche ist die Luftnot, die sowohl in Ruhe als auch bei Belastung auftreten kann. Dabei teilt man die Schweregrade der Luftnot entsprechend der sogenannten NYHA-Klassifikation ein.

NYHA-Klassifikation – Schweregrad der Luftnot einteilen

Die NYHA-Klassifikation hat ursprünglich die New York Heart Association entwickelt, um die Mitralklappenstenose zu bewerten. Sie ist ein gutes Maß für die Belastungsgrenzen im Alltag. Folglich setzen Ärzte  dieses Stadieneinteilung vor allen Dingen ein, um Herzschwäche, aber auch Lungenhochdruck und Herzklappenfehler (Mitral- und Aortenklappenstenose) zu klassifizieren. In Verbindung mit dem Brustdruck, der sog. Angina pectoris, können wir so die Symptome von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels bei koronarer Herzkrankheit bewerten.

Dementsprechend ist die NYHA-Klassifikation ist ein wichtiger Parameter in klinischen Studien. Neben den objektiven Parametern wird die NYHA-Klassifikation hier als Maß für eine verbesserte Alltagstauglichkeit herangezogen

NYHA-Klassifikation – Schweregrade

NYHA-Stadium I
Herzerkrankung ohne körperliche Einschränkungen:

Das bedeutet, dass alltägliche körperliche Belastung keine inadäquate Erschöpfung, keine Rhythmusstörungen, keine Luftnot oder Angina pectoris verursacht. Zum Beispiel Skifahren, Fahrradfahren mit 25 km/h und Laufen mit 12 km/h sind ohne Einschränkung möglich.

NYHA-Stadium II
Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit:

Das bedeutet, dass in Ruhe keine Beschwerden auftreten. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris. Bereits schnelles Gehen mit 6 km/h, Schnee schaufeln oder Gartenarbeit führen zu Luftnot.

NYHA-Stadium III
Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit:

Das bedeutet, dass in Ruhe keine Beschwerden auftreten. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris. Langsames Gehen mit 3 km/h oder auch Hausarbeit verursachen Luftnot.

NYHA-Stadium IV
Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten, auch in Ruhe:

Betroffene sind überwiegend bettlägrig. Gehen in der Wohnung, Sprechen und Ankleiden verursachen Luftnot.

Ab NYHA-Stadium III sprechen wir von einer schweren funktionellen Einschränkung. In klinischen Studien werden die Stadien III und IV häufig zusammengefasst und stellen die Schwelle zur intensivierten Therapie dar.
Objektivieren lässt sich das NYHA-Stadium III zum Beispiel in der Fahrradergometrie im Sitzen. Wird bei 75 Watt aufgrund von Luftnot abgebrochen, dann liegt mindestens ein NYHA-Stadium III vor.

NYHA-Klasse und Lebensqualität

Die NYHA-Klasse ist ein sehr gutes Maß für die Einschränkung der Lebensqualität. Daher erfolgt ab dem NYHA-Stadium III eine maximale symptomatische Therapie, um die Alltagstauglichkeit aufrechtzuerhalten. Wird therapeutisch ein NYHA-Stadium II erzielt, dann sprechen wir von einem relativen Therapieerfolg. Unser Ziel ist immer die komplette Beschwerdefreiheit bei normaler körperlicher Belastungskapazität. Das werten wir als absoluten Therapieerfolg.

NYHA-Klasse und Langzeitüberleben

Bei Linksherzschwäche ist der Einfluss der NYHA-Klassifikation auf das Langzeitüberleben gesichert. Je höher die NYHA-Klasse bei Herzschwäche, desto kürzer ist das Langzeitüberleben.

Wir sollten die NYHA-Klasse nicht nur als ein Maß für die Belastungsgrenze, sondern auch als die Schwelle zur starken potentiellen Überlastung verstehen. Denn körperliche Überlastung bedeutet eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung, was wiederum gerade bei Herzerkrankungen negative Konsequenzen haben kann. Etwa für das Auftreten von gefährlichen Rhythmusstörungen.

Natürlich können und sollten Sie mit einer Herzschwäche kontrolliert körperlich trainieren. Mit starken körperlichen Überlastungen sind hier z.B. Situationen gemeint, in denen Sie sich sehr stark körperlich belasten müssen, ohne vermeintlich eine Wahl zu haben. Ein Beispiel: Am Bahnhof in sommerlicher Hitze müssen Sie mit einer NYHA-Klasse III die Koffer der Familie (2 x 20 kg) bis zum Hotel schleppen.

NYHA-Klasse und objektiver Schweregrad einer Erkrankung

In der Tat  ist eine Übereinstimmung zwischen dem objektiven Schweregrad der Erkrankung und den Symptomen nur für die Mitralklappenstenose gesichert. Das heißt, je enger die Öffnungsfläche der Mitralklappe, desto schwerer die Symptome.

Leider ist das bei der Herzschwäche nicht immer der Fall. Denn die objektiven Parameter, z.B. die Ejektionsfraktion und der Schweregrad der NYHA-Klasse, stimmen kaum überein. Das Gleiche gilt auch für die Mitralklappeninsuffizienz und die Aortenklappeninsuffizienz. Sie können durchaus eine schwere Aortenklappeninsuffizienz haben, ohne dass Sie diese in Form von Luftnot merken.

NYHA-Klasse und Wirksamkeit von Therapiemaßnahmen bei Herzschwäche

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der NYHA-Klasse und verbesserter Lebenserwartung bei Medikamenten. Das bedeutet, dass Medikamente die Lebenserwartung unabhängig von der NYHA-Klasse verbessern. Hier sind die objektiven Parameter, wie z.B. die Ejektionsfraktion, ein besseres Maß.

Lediglich bei hoher NYHA-Klasse in Verbindung mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator zeigt sich hier ein Zusammenhang. Menschen mit NYHA-Klasse III/IV haben eine Risikoreduktion der Sterblichkeit um 40%, mit NYHA-Klasse I/II um 20%.

NYHA-Klasse hat weiterhin eine hohe medizinische Bedeutung

Die NYHA-Klasse bleibt ein wichtiger Parameter, um die Einschränkung der Lebensqualität zu bewerten und damit die Notwendigkeit der Therapieintensität von symptomatischen Maßnahmen. Die NYHA- Klasse ist ein wichtiger Indikator für die Lebenserwartung.

Die NYHA-Klasse eignet sich nicht, um den objektiven Schweregrad einer Herzmuskelschädigung zu bewerten. Folglich kann man mit ihr nicht die zu erwartende lebensverlängernde Wirkung von Behandlungsmaßnahmen erfassen. Ausnahme ist die Implantation eines ICD: Hier profitieren Menschen mit höherer NYHA-Klasse deutlicher als mit geringer Symptomatik.

Miller, R. J. H. et al.  Canadian Journal of Cardiology 2015;31: 792–799

 

 

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