Apple Watch und AliveCor – 1-Kanal EKG zur Vorbeugung eines Schlaganfalls

Mit der Apple Watch von Apple und Kardia Band bzw. Kardia Mobile von AliveCor gibt es Smartphone-basierte Systeme um 1-Kanal-EKG abzuleiten. So können Sie als medizinischer Laien erlauben zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei es zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport ein medizinisch hochwertiges EKG schreiben und auf Ihrem Smartphone speichern.

Medizinisch so bedeutend sind die Systeme, weil sie Herzrhythmusstörungen erkennen können und hier vor allen Dingen Vorhofflimmern. Daneben können auch Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen und Benommenheit im Hinblick auf mögliche andere Rhythmusstörungen objektiviert werden. Ein Herzinfarkt lässt sich mit einem 1-Kanal EKG allerdings nicht erkennen.

Vorhofflimmern – häufig zu spät erkannt

In Deutschland treten pro Jahr 270.000 Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung und die dritthäufigste Todesursache. Ausgangspunkt für einen Schlaganfall ist in 20-25% der Fälle ein Vorhofflimmern des Herzens. Hat ein Mensch Vorhofflimmern, dann ist das Schlaganfallrisiko um das 5-fache erhöht.

Mindestens 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Problematisch ist, dass Vorhofflimmern selbst in über 50% der Fälle keine Symptome verursacht, so dass es häufig nur zufällig entdeckt wird. Immer wieder wird Vorhofflimmern erstmalig beim Auftreten eines Schlaganfalls und damit viel zu spät diagnostiziert. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Vorhofflimmern häufig nur anfallsartig, d.h. vorübergehend auftritt (und trotzdem das Schlaganfallrisiko steigert), so dass der Befund in der Routinediagnostik wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst wird. 1-Kanal-EKGs abgeleitet über die Apple Watch oder über die AliveCor Systeme sind hier eine wertvolle medizinische Hilfe, insbesondere für Risikopatienten.

Verschiedene Anbieter für 1-Kanal-EKGs

Sowohl mit dem KardiaBand von AliveCor als auch beim eigenen System der Apple Watch (ab Apple Watch 4) kann man ein EKG über die Apple Watch ableiten. Für die Nutzung des AliveCor Systems benötigen Sie ein spezielles Armband mit einem zusätzlichen Kontaktpunkt, das KardiaBand. Dieser zweite Kontaktpunkt ist bei der Apple Watch 4 fest in die Uhrkrone integriert.

Als alternative Lösung kann man unabhängig von einer Apple Watch auch die Kardia Mobile Kontaktplatte nutzen. Während beide Lösungen über die Apple Watch auch prinzipiell ohne Smartphone funktionieren, benötigen Sie für das Kardia Mobile immer das Smartphone. Vorteil der Lösung mit Kardia Mobile: Es ist wesentlich kostengünstiger als die beiden anderen Lösungen und lässt sich auch mit anderen mobilen Betriebssystemen wie Android nutzten.

Passive und aktive Messung unterscheiden

Man unterscheidet bei beiden Lösungen, die in Verbindung mit der Apple Watch funktionieren, eine passive und eine aktive Messung. Bei der passiven Messung überwacht die Uhr die Herzfrequenz in Verbindung mit der Bewegung und zeigt an, wenn die Herzfrequenz in Ruhe von der sonst üblichen Herzfrequenz abweicht, z.B. 120 anstatt üblicherweise 72 bpm. Das kann ein indirekter Hinweis auf Vorhofflimmern sein. Die aktive Messung ist dagegen die direkte Registrierung eines EKGs: Dabei wird die EKG-Funktion aktiviert und über 2 Körperkontaktpunkte in der Regel über 30 Sekunden ein EKG abgeleitet. Dieses EKG wird gespeichert und die betroffene Person kann es jederzeit bequem über die App an einen Arzt bzw. eine Ärztin weiterleiten.

Während die passive Messung durchaus häufiger fehlerhaft ist, z.B. durch einen lockeren Sitz der Uhr, ist die aktive EKG-Messung sehr genau und kann im Fall von Vorhofflimmern Grundlage einer Therapieentscheidung sein. Sowohl das System von Apple als auch die Systeme von AliveCor verfügen über eine Diagnosefunktion mit den Diagnosen “normal”, “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern”. Die Treffersicherheit zum Nachweis von Vorhofflimmern bzw. eines normalen Herzrhythmus´ liegt bei beiden Systemen zwischen 97-99%. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt innerhalb von 48h nach Beginn deutlich an. Daher sollten Sie im Fall der Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” den Befund zeitnah einem Arzt zeigen.

Bereits gute Erfahrungen in der Cardiopraxis mit AliveCor

In der Cardiopraxis machen wir mit den AliveCor Systemen seit mehreren Jahren sehr gute Erfahrungen. Ähnliche Ergebnisse erwarten wir bei der Apple Watch 4  (hier geht´s zu einem aktuellen WDR-Bericht über die Apple Watch 4 in der „Aktuellen Stunde“). Wir verfügen über mehrere Kardia Mobile Kontaktplatten, die wir mehrmals im Monat an symptomatische Patienten verleihen.

Das Vorgehen ist insbesondere dann wertvoll, wenn wir aufgrund einer Risikokonstellation und bei immer wieder auftretendem eher typischem Herzstolpern für Vorhofflimmern im Ruhe-EKG und Langzeit-EKG keine relevanten Rhythmusstörungen finden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Um es an einem Beispiel zu erklären: Es kann etwa vorkommen, dass ein Mann an einem Freitagabend nach dem Sport und zwei Gläsern Bier erstmals mittels Kardia Mobile und Smartphone Vorhofflimmern dokumentiert. Er schickt dann das EKG per E-Mail oder per Textmessenger an eine unserer Ärztinnen oder Ärzte in der Cardiopraxis. Das sieht so aus:

Meistens lässt sich dann alles Weitere gut regeln, ohne dass der Patient (oder die Patientin) eine Notaufnahmestation aufsuchen muss. Häufig hat die betroffene Person schon vorab ein Rezept für einen Blutverdünner erhalten, was sie dann in der Notapotheke “scharf stellen” kann. Oder wir schicken eins per Handy-Foto zu, was in der Regel vom Apotheker akzeptiert wird (vorausgesetzt das Originalrezept wird nachgeliefert). So lässt sich ein gefährlicher Schlaganfall verhindern, ohne stundenlang in der Notaufnahme sitzen zu müssen – und man kann am nächsten Tag wieder zum Sport gehen.

Natürlich kann man auch zur Überwachung den Puls tasten, z.B. 2x in der Woche über jeweils 1 Minute. Allerdings ist die Diagnose aufgrund der mündlichen Aussagen bei weitem so nicht sicher. Folglich würden die allermeisten Ärzte und Ärztinnen nie eine Entscheidung für eine gerinnungshemmende Therapie treffen, wenn kein schriftlich dokumentiertes EKG vorliegt. Der Grund ist, dass eine gerinnungshemmende Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist, was als eine erhebliche Nebenwirkung einzustufen ist.

Auch für Risikopatienten ohne bisherige Symptome geeignet

Wir in der Cardiopraxis empfehlen Systeme zur Ableitung eines 1-Kanal EKGs auch solchen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben und bisher noch keine Symptome oder kein gesichertes Vorhofflimmern hatten. Vor allen Dingen dann, wenn eine Kombination mehrerer Risikofaktoren vorliegt:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammer im Herzultraschall
  • Herzschwäche
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)
  • Zustand nach Herzoperation
  • in bestimmten Fällen bei Medikamenten (z.B. Schilddrüsenhormone, Asthma-Sprays)

Da wir nicht wissen, ob solche Menschen ein asymptomatisches Vorhofflimmern entwickeln werden, raten wir dazu, unabhängig von Symptomen 1-2x pro Woche jeweils über 1 Minute ein EKG abzuleiten. Man kann das mit der Blutdruckmessung vergleichen: Man misst regelmäßig, um im richtigen Moment das Richtige tun zu können. Wichtig an dieser Stelle ist, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem betroffenen Menschen und der Ärztin bzw. dem Arzt vereinbart ist. Tauchen bei der EKG-Dokumentation Unsicherheiten auf, dann muss in jedem Fall ein fachlich geschulter Arzt konsultiert werden.

1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone – ein wichtiger Schritt in Zukunft

Heutzutage haben wir gerade bei Vorhofflimmern sehr differenzierte effektive und sichere Behandlungsmöglichkeiten, die uns helfen einen Schlaganfall zu verhindern. Sie müssen allerdings auch zum richtigen Zeitpunkt ärztliche Hilfe suchen. Grundsätzlich besteht in der Medizin eine zunehmende Tendenz, differenzierte technische Diagnostik möglichst nah zu den potentiell betroffenen Menschen zu bringen. Seien es jetzt die Apple Watch 4 oder die Systeme von AliveCor – es handelt sich um valide Diagnosesysteme. Folglich schließen wir eine wichtige diagnostisch Lücke und die Schnittstelle zwischen Ihnen und z.B. ihrer Kardiologin wird weiter verbessert.

Die Verlagerung von hochwertiger medizinisch-technischer Diagnostik in den Alltag von Risikogruppen wird in zunehmen. Daher rechnen wir damit, dass in den nächsten 5-10 Jahren durch diese Systeme die Schlaganfallrate deutlich reduzieren lässt.

Blog „EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch“

Hier geht es zu unserem Blog „EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch“. Dort finden Sie Fallberichte mit EKG-Beispielen und Erklärungen der EKGs. In loser Folge werden Sie hier immer wieder neue Beiträge finden.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Herzstolpern, Herzrasen – Warum ein 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone?

Die EKG-Funktion von Smartphones entweder in Verbindung mit einer Smartwatch oder anderen Geräten zur Ableitung wird  zunehmend auch in Fachkreisen diskutiert. Auch wir in der Cardiopraxis erleben hier alltäglich den wertvollen Beitrag dieser Systeme bei der Gesundheitsversorgung, insbesondere bei der Verhinderung eines Schlaganfalls. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, dann werden Sie bei Cardiopraxis immer wieder Beiträge zum Thema „Smartphone EKG“ finden.

Smartphone, Smartwatch oder Blutdruckgerät mit EKG-Funktion – planen und kaufen 

Sie überlegen sich, ob Sie ein Smartphone-basiertes Gerät mit EKG-Funktion oder ein ähnliches Gerät kaufen sollen. Möglicherweise haben Sie ein solch teures Produkt bereits erworben und fragen sich jetzt: Was soll ich damit anfangen? Wozu brauche ich überhaupt eine EKG-Funktion auf meinem Smartphone?

Aus professioneller Sicht handelt es sich bei den Smartphone-basierten Angeboten zur Ableitung eines EKGs zunächst einmal um hochwertige Produkte. Es gibt hier verschiedene Anbieter, z.B. AliveCor, Apple, Withings und Samsung.Die Information des 1-Kanal-EKGs ist medizinisch verwertbar und wissenschaftlich getestet. Es handelt sich somit nicht um ein Spielzeug, da die Messergebnisse diagnostische und therapeutische Konsequenzen haben können.

Wie können Sie die EKG-Funktion für sich sinnvoll nutzen?

Der Blog “Smartphone-EKG” – EKG lernen

Um Ihnen ein besseres Verständnis für den Sinn und die Feinheiten des 1-Kanal-EKGs zu ermöglichen, betreibt Cardiopraxis zu diesem zukunftsweisenden Thema einen Blog.

Wir veröffentlichen Beiträge zum Thema EKG mit dem Smartphone in loser Folge. Dabei stehen Fallberichte mit Beispiel-EKGs und den dazu passenden Erklärungen im Vordergrund. Wir wollen Ihnen die Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Fehlerquellen beim 1-Kanal-EKG aufzeigen.

Warum macht die Cardiopraxis einen Blog zum Thema Smartphone und EKG? 

Wir in der Cardiopraxis nutzen seit 2016 KardiaMobile von AliveCor bei der Patientenversorgung, die Systeme verleihen wir mehrmals im Monat an Patienten mit unklaren Rhythmusstörungen. Da Rhythmusstörungen häufig nur vorübergehend sind, die z.B. nur 2 mal im Monat auftreten, werden Sie häufig auch mit einem Langzeit-EKG nicht erfasst. Gerade hier sind uns die Smartphone-basierten Systeme eine große Hilfe.

Inzwischen haben wir auch umfangreiche Erfahrungen mit dem KardiaBand und der AppleWatch 4. Im Bereich Smartphone EKG werden wir in der Zukungft auch alle medizinsich sinnvollen Systeme testen und Sie darüber informieren.

Wir sind von den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone und deren Nutzen auch als Profis überzeugt. Die Verlagerung von hochwertiger Diagnostik zum betroffenen Menschen halten wir für zukunftsweisend und gesundheitsfördernd. Der medizinische Hauptnutzen bei den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone ist der Nachweis bzw. der Ausschluss von symptomatischem und asymptomatischem Vorhofflimmern, was der Schlaganfallverhütung dient.

Schlaganfall – unerkanntes Vorhofflimmern häufig die Ursache 

Pro Jahr treten in Deutschland ca. 270.000 neue Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Dieser Zustand ist nur allzu häufig mit einem Verlust der vollen körperlichen und geistigen Selbstbestimmtheit verbunden. Das Gefühl der Hilflosigkeit vor dem Hintergrund verlorener Gesundheit lässt Sie bisweilen verzweifeln und an den Verlust der eigenen Würde denken.

Wer schwere Verläufe von Schlaganfällen kennt, und wenn es nur ein einziger „Fall“  ist, der weiß, warum wir diesen Blog machen.

In 20-25% der Fälle ist die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern die Ursache eines Schlaganfalls. Vor allen Dingen unerkanntes und unbehandeltes Vorhofflimmern ist dabei meistens der Grund. Die Diagnose “Vorhofflimmern” kann nur mittels EKG gestellt werden. Andere Verfahren, wie z.B. die Tastung des Pulses sind nur richtungsweisend.

Medizinischer Nutzen von Smartphone-EKGs – Schlaganfall verhindern 

Das Besondere an den meisten Systemen für Smartphone-EKGs ist eine automatische Erkennung von Vorhofflimmern. Das AliveCor System zeigte in Studien eine Diagnosesicherheit von Vorhofflimmern von über 95%. Die Sicherheit bei der Diagnose eines Normalbefundes lag ebenfalls über 95%.

Sollte die Diagnose Vorhofflimmern gestellt werden, muss fast immer eine notwendige Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls eingeleitet werden. Diese beinhaltet dann auch eine Hemmung der Blutgerinnung, was schlussendlich das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als 70% reduziert.

Problematisch bei Vorhofflimmern ist, dass es häufig immer wieder nur kurzzeitig auftritt und trotzdem gefährlich ist. In diesen Fällen können wir auch als Kardiologen die Rhythmusstörung mittels Ruhe-EKG oder auch Langezeit-EKG nicht erfassen. Diese diagnostische Lücke kann durch das Smartphone-EKG geschlossen werden. Anders gesagt, mit einem Smartphone-EKG können Sie selber Vorhofflimmern erfassen, auch wenn Sie nicht in direkter kardiologischer Betreuung sind oder ein übliches EKG-Gerät in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme unmittelbar erreichbar ist.

Wir sind davon überzeugt, dass sich durch die Früherkennung von Vorhofflimmern mittels Smartwatch-EKGs die Rate an Schlaganfällen deutlich senken lässt.

Neben Vorhofflimmern werden natürlich auch andere Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die bei Symptomen zur Diagnosefindung beitragen können. Ein nicht zu unterschätzender Wert von Smartphone-EKGs ist, dass bei vorliegenden Symptomen eine Rhythmusstörung ausgeschlossen werden kann. Dieses vermeidet weitere unnötige Diagnostik und Therapie.

EKG mit dem Smartphone – Was es nicht leisten kann

Grundsätzlich ist festzuhalten: Ein Smartphone-EKG eignet sich bisher nicht zur Erfassung eines Herzinfarktes.

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern tritt oft anfallsartig auf, sie dauert unterschiedlich lang, einige Minuten bis viele Stunden. Problematisch ist, dass viele solcher Episoden asymptomatisch sind. Studien legen nahe, dass mehr Episoden asymptomatisch als symptomatisch sind. Deshalb macht es auch für Risikopatienten Sinn, dass sie auch ohne Beschwerden 1-2 mal in der Woche messen.

Mit dem Smartphone-EKG kann ich den Herzrhythmus im selben Augenblick messen. Eine Aussage darüber, ob vielleicht in der Vergangenheit Vorhofflimmern vorlag, können wir nicht treffen. Übrigens gilt dies auch für alle anderen herkömmlichen EKG-Methoden.

Vorhofflimmern – Puls tasten, Arrhythmiefunktion mit Blutdruckmanschette oder Smartphone-EKGs

Im Gegensatz zum Tastbefund und der Arrhythmie-Detektion durch eine einfache Blutdruckmanschette ermöglicht das 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone eine schriftliche Dokumentation. Ohne schriftliche Dokumentation ist keine Einordnung von Rhythmusstörungen durch den Arzt möglich, und damit auch keine Therapie. Hier bieten die Smartphone-EKGs einen entscheidenden Vorteil.

Die Daten können an eine Ärztin oder an einen Arzt via Text-messaging, E-Mail oder direkt als Print-out mitgeteilt werden.

EKG mit dem Smartphone – den Kontakt zum Arzt halten 

Das Smartphone-EKG ersetzt nicht den Arztbesuch. Nur ein Arzt kann ein EKG sicher bewerten und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen einleiten.

Im Zweifel sollten Sie bei Symptomen oder unklaren EKG-Befunden daher immer einen Arzt kontaktieren, am besten einen Kardiologen oder eine Kardiologin.

 

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Herzstolpern, Herzrasen – nur ein EKG kann eine Diagnose sichern 

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen sind unterschiedlich. Sie berichten uns „mein Herz stolpert immer mal wieder“, „mein Herz rast“, „manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz macht eine Pause“, zwischen durch ist mein Herz so langsam“ oder „in letzter Zeit schlägt mein Herz immer mal wieder komplett unregelmäßig“.

Symptome können auf spezifische Rhythmusstörungen hinweisen, aber erst das EKG erlaubt eine genaue Diagnose und damit eine sichere Risikoabschätzung. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos, manche allerdings können ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben.

Eine wichtige Frage, die uns in der Cardiopraxis immer wieder gestellt wird, ist:

  • Soll ich überhaupt ein Smartphone-EKG messen?
  • Wie soll ich ein Smartphone-EKG ableiten?
  • Wann sollte ich ein 1-Kanal EKG bestimmen?

Warum 1-Kanal EKG messen? 

Das Smartphone-EKG ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie symptomatische Rhythmusstörungen haben, die bisher schriftlich noch nicht registriert wurden. Die Messung mit schriftlicher Dokumentation ist für den Arzt besonders wichtig, da nur so eine richtige Diagnose möglich wird und damit auch die richtige Therapie. Rhythmusstörungen sind häufig selten, z.B.  einmal im Monat.

Smartphone-EKG – wer sollte diese Funktion nutzen? 

Wir kennen 3 große Gruppen von Menschen, die von einem 1-Kanal EKG profitieren können. Solche mit:

  • Symptomen von Herzrhythmusstörungen
  • einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
  • bekannten Herzrhythmusstörungen

Menschen mit Symptomen und unbekannten Herzrhythmusstörungen 

Symptome von Herzrhythmusstörungen können sich vielfältig äußern. Manchmal merken Sie einfach nur ein plötzlich einsetzendes Unwohlsein, Unruhe auf der Brust bzw. eine Luftnot. Etwas spezifischer für Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Herzstolpern
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei gelegentlich auftretenden Symptomen ist eine Rhythmusstörung häufig noch nicht schriftlich dokumentiert. Gerade hier macht die Aufzeichnung mit dem Smartphone Sinn, um eine richtige Diagnose zu stellen.

Menschen mit symptomatischen Rhythmusstörungen messen zum Zeitpunkt der Symptome, quasi am “point-of-Action“. Des Weiteren sollten auch symptomatische Menschen gelegentlich, das heißt 1-2 Mal pro Woche unabhängig von den Symptomen messen, um gegebenenfalls asymptomatische Rhythmusstörungen zu erfassen und zu dokumentieren.

Risikopatienten für Vorhofflimmern 

Aus unserer Sicht macht es Sinn, wenn Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von den Symptomen regelmäßig ein 1-Kanal ableiten. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammern im Herzultraschall
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann sollten Sie z.B. 2 mal pro Woche unabhängig von Symptomen messen. So können asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern erfasst werden.

Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen 

Es macht durchaus Sinn ebenfalls 2 Mal wöchentlich zu messen, wenn bei Ihnen Rhythmusstörungen bekannt und dokumentiert sind. Zunächst harmlose Rhythmusstörungen, wie z.B. vermehrte Vorhofextrasystolen sind nicht selten der Vorbote für Vorhofflimmern.

Wie sollte Sie ein 1-Kanal EKG mit einem Smartphone-EKG gemessen werden? 

Wenn Sie qualitativ ein hochwertiges 1-Kanal EKG mit dem Smartphone ableiten wollen, dann ist eine gute Messroutine wichtig. Nur so können Sie ein verwertbares EKG ohne Störungen, sog. Artefakte ableiten.

Häufig spielt die Bewegung des Armes eine erhebliche Rolle und hat Artefakte zur Folge. Das ist ähnlich wie bei einem verwackelten Foto, wir können dann häufig den Befund nicht richtig erkennen. Am besten Sie leiten ein Smartphone-EKG möglichst im Sitzen ab und legen dabei den Arm auf den Tisch. Während der Aufzeichnung sollte nicht gesprochen werden. Das EKG sollten Sie speichern und zur genauen Betrachtung eventuell auch ausdrucken.

Sie sollten auf den Bedarfsfall vorbereitet sein, da manche Rhythmusstörungen nur einige Minuten anhalten. Daher macht es Sinn, wenn Sie den Umgang mit dem jeweiligen System üben. Zudem ist es sehr wertvoll bei einer auffälligen Messung wiederholt zu messen und somit zu dokumentieren, wie lange die Herzrhythmusstörung dauert.

Smartphone-EKG – automatische Diagnose von Vorhofflimmern – Kommunikation mit einem Kardiologen am besten 

Kardiologinnen und Kardiologen sind Spezialisten für Herzrhythmusstörungen und dafür lange ausgebildet worden. Sie sollten daher mit einem Kardiologen das Vorgehen zur Befundübermittlung und -bewertung besprechen.

Die Diagnosefunktion bei den Kardia-Geräten von AliveCor bzw. von Apple verfügen im Hinblick auf Vorhofflimmern über 3 Diagnosen:

  • normal
  • unklassifiziert
  • mögliches Vorhofflimmern

Bei den Diagnosen “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern” raten wir zur zeitnahen Kontaktaufnahme. Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für einen Schlaganfall an. In der Cardiopraxis haben viele Menschen, die wir betreuen unsere E-Mail oder Handynummer, so dass die Übermittlung rasch erfolgen kann, auch über Textmessaging.

Im Falle von Symptomen, wie Luftnot und Benommenheit raten wir Ihnen eine Notaufnahmestation aufzusuchen bzw. den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

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Routinemessung – Sinusrhythmus – 1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 38-jähriger gesunder Mann hat eine Apple Watch 4 erworben. Folglich testet er auch einmal die EKG-Funktion.

Aktuelle Symptome

  • keine Symptome
  • gute Belastbarkeit

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 70bpm
  • regelmäßiger QRS-Komplex
  • schmaler QRS-Komplex (blauer Punkt)
  • P-Welle gut sichtbar (grüner Punkt)

Diagnose durch den Kardiologen 

  • Sinusrhythmus

EKG – Diagnose-Kriterien

  • regelmäßige P-Wellen
  • Konstante P-Wellen-Intervalle
  • Jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex

Kurzbeschreibung – Sinusrhythmus

Der Sinusrhythmus ist der normale elektrische Rhythmus Ihres Herzen. Zur Diagnose eines Sinusrhythmus gehört, dass der regelmäßig auftretenden P-Welle (blauer Punkt) jeweils ein QRS-Komplex (grüner Punkt) folgt. Folglich tritt durch die geordnete hintereinander geschaltete elektrische Erregung von Vorkammer (P-Welle) und Hauptkammer (QRS-Komplex) auch das mechanische Zusammenziehen der Vorkammer und der Hauptkammermuskulatur nacheinander auf. Kurzum, erst entleeren sich die Vorkammern in die Hauptkammern und danach werfen die Hauptkammern Blut in den Lungen- bzw. Körperkreislauf aus.

Zum Sinusrhythmus gehört ein typischer Vektor der P-Welle. Dies ist im 1-Kanal-EKG im Gegensatz zum 12-Kanal-EKG eingeschränkt beurteilbar. Da alternative geordnete ektope Vorhofrhythmen z.B. aus dem basalen Vorhof, sehr selten sind, ist dies zu vernachlässigen, insbesondere auch, weil dieses Kriterium nicht zur Abgrenzung von Vorhofflimmern herangezogen wird.

Der Sinusrhythmus bestimmt im Normalfall die Herzfrequenz, d.h. die Häufigkeit mit der Ihr Herz z.B. pro Minute elektrisch und mechanisch aktiv ist. Die normale Herzfrequenz beträgt beim Menschen in Ruhe 50-100 bpm. Folglich sprechen wir bei einer Herzfrequenz von >100 bpm von einer Tachykardie, bei einer Herzfrequenz <50 bpm von einer Bradykardie.

Beim Sinusrhythmus ist die Herzschlagfolge regelmäßig, d.h. die Abstände z.B. zwischen den QRS-Komplexen sind fast gleich. Beispielsweise beträgt der Abstand bei 50 bpm 1.200 ms und bei 100 bpm 600 ms.

Allerdings kann der Abstand zwischen zwei elektrischen Herzaktionen atemabhängig sehr geringfügig, z.B. um 30 ms schwanken. Dieses Phänomen nennen wir Herzfrequenzvariabilität, es ist abhängig von der Atmung und ein Zeichen des Gesunden. In der Einatmung nimmt die Herzfrequenz zu, in der Ausatmung nimm sie ab. Dieses Phänomen nennen wir respiratorische Sinusarrhythmie. Im EKG können wir es gerade bei jüngeren Menschen immer wieder sehen.

 

 

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Herzrasen – plötzlich schneller Puls –  1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 62-jähriger gesunder Mann bemerkt aus der körperlichen Ruhe heraus eine plötzliche innere Unruhe. Folglich tastet er einen sehr schnellen Puls. Ein sicherer Auslöser liegt nicht vor.

Allerdings kennt er dieses Herzrasen schon aus seiner Vorgeschichte. Einerseits beginnt  das Herzrasen immer plötzlich,  andererseits hört es auch genauso plötzlich wieder auf  (on-off, wie ein Lichtschalter). Die Episoden kommen 1-2 mal pro Jahr vor und er kann sie bisher durch vagale bzw. mechanische Manöver mit Eiswasser bzw. Kopfstand erfolgreich beenden. Eine Dokumentation mit einem 12-Kanal-EKG ist bisher noch nicht erfolgt.

Aktuelle Symptome bei laufendem Herzrasen

  • innere Unruhe
  • keine Benommenheit
  • körperlich belastbar

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 170 bpm
  • regelmäßige Kammeraktionen
  • schmale Kammerkomplexe
  • keine sichere P-Welle, möglich unmittelbar nach QRS-Komplex

Verdachtsdiagnose durch den Kardiologen 

  • hochgradiger Verdacht auf AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT)

Anamnesekriterien aus der Vorgeschichte

  • plötzliches Einsetzen und Ende der Tachykardie
  • mehrmals durch mechanische und vagale Manöver beendet

EKG – Kriterien der typischen AVNRT

  • schmale QRS-Komplexe
  • regelmäßige QRS-Komplexe
  • Keine oder unmittelbar nach QRS-Komplex erkennbare P-Welle

Akute Therapie der AVNRT 

Mechanisches Manöver

  • Kopfstand

BILD – Kopfstand

  • führt zur Terminierung der Rhythmusstörung mit Sinusrhythmus

Technische Anmerkungen

Bei sehr hohen Herzfrequenzen ist die P-Welle häufig schwierig abgrenzbar. Allerdings kann durch eine komplette Blockade des AV-Knotens mittels Adenosin die P-Welle sichtbar gemacht werden.

Der Analysemodus der Apple-Watch erlaubt die Diagnose „mögliches Vorhofflimmern“ nur bis zu einer Herzfrequenz von 120 bpm. Dasselbe gilt übrigens auch bei einer Herzfrequenz von unter 50 bpm. Kurzum, die Apple Watch ist für die Diagnose „mögliches Vorhofflimmern“ nur in einem Herzfrequenzbereich von 50-120 bpm geeignet. Folglich kann es sich in dem oben genannten Fall streng genommen auch um pseudoreguläres schnelles Vorhofflimmern gehandelt haben. Das ist allerdings aufgrund der Ansprechbarkeit der Rhythmusstörung auf ein vagales Manöver mit prompter Terminierug des Herzrasen unwahrscheinlich. Denn Vorhofflimmern reagiert allenfalls mit einer vorübergehenden Verlangsamung der Herzfrequenz auf vagale Manöver, fast nie mit einer kompletten Terminierung.

 

Kurzbeschreibung AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT) 

Eine AVNRT ist eine grundsätzlich „gutartige“ Herzrhythmusstörung, welche typischerweise plötzlich beginnt und wieder endet. Diese Form der Tachykardie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten.

In der Tat können Sie eine AVNRT häufig durch vagale Manöver (z.B. Augenbulbusdruck, Druck auf eine Halsschlagader, Valsalva-Pressmanöver, Eiswasser) beenden. Allerdings sollten Sie einen Kopfstand wirklich nur dann durchführen, wenn Sie ihn wirklich beherrschen. Folglich muss der  Einsatz von vagalen Manövern immer vor der ersten Durchführung mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen besprochen werden.

Eine AVNRT kann bei langer Dauer von mehreren Stunden zu Luftnot, vermehrter Harnausscheidung („Harnflut“) und Leistungsschwäche führen. Aus diesem Grund kann bei begleitenden weiteren Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzschwäche und Koronare Herzkrankheit eine kritische Kreislaufschwäche mit Lungenödem auftreten.

Folgerichtig, hält die AVNRT an bzw. kann die Tachykardie nicht durch vagale oder mechanische Manöver beendet werden, dann müssen Sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Bei guter Leistungsfähigkeit können Sie unmittelbar zu einem Kardiologen oder eine Notaufnahmestation gehen. Im Zweifel, und immer bei Symptomen, wie z.B. Luftnot und Benommenheit, sollten Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Eine AVNRT kann typischerweise durch die intravenöse Gabe von Adenosin (AdrekarⓇ) beendet werden. Zudem ist so auch die diagnostische Abgrenzung von Vorhofflattern mit regelmäßiger Überleitung möglich.

Überdies können wir  eine AVNRT durch eine Katheterablation behandeln und somit “heilen”. Zudem ist der Eingriff  komplikationsarm und hocheffektiv mit Erfolgsraten > 95%. Eine medikamentöse Rezidivpropylaxe ist wenig effektiv und nicht zu empfehlen.

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Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag – ein zunehmendes Problem

Hohe klimatische Außentemperaturen werden in der Zukunft sehr wahrscheinlich ein zunehmendes gesundheitliches Problem darstellen. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für viele beliebte Reiseländer. Bei Flugreisen in warme Länder konfrontieren der plötzliche Klimawechsel und der Zeitzonenwechsel den Körper mit zusätzlichen Problemen. Das Risiko für akute Hitzeerkrankungen bis hin zum Hitzenotfall ist somit erhöht.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Hitzeerkrankungen sind bei hohen Außentemperaturen das A und O, um Ihre körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten. Nichtsdestotrotz kann auch bei aller Achtsamkeit dann doch einmal eine akute Hitzeerkrankung bei Ihnen oder einem Mitmenschen auftreten.

Folglich ist es für Sie sinnvoll, die Schweregrade von akuten Hitzeerkrankungen voneinander abzugrenzen. So ergreifen Sie dann für sich oder andere Menschen die richtigen Maßnahmen. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn es sich um einen potenziell tödlichen Hitzenotfall wie den Hitzschlag handelt.

Erhöhte Körpertemperatur – Wärme abgeben und Wärme bilden

Zur Wärmeabgabe bei erhöhter Körpertemperatur gibt es folgende Mechanismen:

  • physikalische Abstrahlung
  • Steigerung der Hautdurchblutung
  • Abatmen von warmer Luft
  • Schwitzen

Die Feinregulation der Wärmeabgabe erfolgt im Normalfall über die Steuerung der Durchblutung. Schwitzen ist ein Reservemechanismus.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass sich Ihr Körper aufheizt und es sogar zum Notfall kommen kann? Hier müssen wir in erster Linie nennen:

  • Trinkmenge
  • Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit
  • körperliche Aktivität

Die Trinkmenge spielt dabei eine besonders große Rolle. Um den Reservemechanismus „Schwitzen“ aufrechtzuerhalten, ist sie von kritischer Bedeutung.

Hitzenotfall – unterschiedliche Schweregrade

Hitzeerkrankungen haben unterschiedliche Formen bzw. Schweregrade. Sie unterscheiden sich dabei auch darin, wie notwendig eine ärztliche Behandlung ist. Wir unterscheiden Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag. Dabei ist der Hitzschlag immer ein Notfall, der sofort ärztlich behandlungspflichtig ist.

Grundsätzlich gilt: Aus jeder symptomatischen Überwärmung Ihres Körpers kann sich ein dringlicher Notfall entwickeln, falls Sie nicht die richtigen kühlenden Maßnahmen ergreifen.

Hitzekollaps – zu geringe Trinkmenge bei sommerlichen Temperaturen

Beim Hitzekollaps ist eine zu geringe Trinkmenge, d.h. ein zu geringer Gehalt an „Hydraulikflüssigkeit“ in Ihren Blutgefäßen das Hauptproblem. Erweitern sich bei erhöhten Außentemperaturen dann noch kurzfristig Ihre Blutgefäße, dann fällt der Blutdruck zu stark ab. Die Folgen reichen von Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Die Temperatur an Kopf und Körper muss nicht zwingend erhöht sein. Wer die Beine hochlagert, also die sogenannte Schocklage einnimmt, erzielt rasch einen besseren Zustand.

An akuten Maßnahmen sollten Sie beim Hitzekollaps die Beine hochlagern, 600 bis 900 ml zusätzlich trinken und sich vorübergehend im Kühlen aufhalten. Körperliche Belastung gilt es vorübergehend zu vermeiden.

Wenn Sie diese Maßnahmen beachten, dann ist der Hitzekollaps als harmlos einzustufen. Halten Sie sich nicht daran, kann sich aus einem Hitzekollaps auch einmal eine Hitzeerschöpfung mit gravierenden Konsequenzen entwickeln

Sonnenstich – tückisch durch späte Symptome

Definitionsgemäß ist der Sonnenstich die Folge einer thermischen Reizung der Hirnhäute durch direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf. Diese physikalische Reizung zieht eine Abheilungsreaktion mit Entzündungszellen nach sich, welche nach  dem Verschwinden des Hitzereizes fortbestehen bzw. sich verschlimmern kann.

Sonnenstich – heißer Kopf plus normale Temperatur am Körperstamm

In Abgrenzung zu den anderen Hitzesyndromen ist beim Sonnenstich nur die Temperatur am hochroten und heißen Kopf erhöht. Die Temperatur am Körper selbst bleibt normal. Als betroffener Mensch haben Sie dann das Erscheinungsbild einer glühenden Zigarette. Um Ihren subjektiven Eindruck zu bestätigen, können Sie die Ohrtemperatur mit der rektal gemessenen Temperatur im Enddarm vergleichen: Am Kopf ist die Temperatur deutlich höher.

Das Risiko für einen Sonnenstich ist durch die direkte Sonnenexposition des Kopfes erhöht. Zum Beispiel bei fehlender Kopfbedeckung, dünnem beziehungsweise fehlendem Haar sowie bei eingeschränkter Thermoregulation, z.B. bei Kindern und Senioren.

Sonnenstich – Symptome mit niedrigem und hohem gesundheitlichem Risiko unterscheiden

Die Symptome des Sonnenstichs sind:

  • hochroter, heißer Kopf
  • normale Temperatur an Körperstamm und Extremitäten
  • Unruhe, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit (HR)
  • Übelkeit (HR), Erbrechen (HR)
  • Benommenheit, Ohnmacht (HR), Krampfanfälle des Gehirns (HR)
  • gesteigerte Herzfrequenz

Insbesondere dann, wenn Ihr Gehirn bedroht ist, besteht ein besonders hohes Risiko (HR) für Ihre Gesundheit.

Sonnenstich – Erstmaßnahmen und Dringlichkeit für ärztliche Hilfe

Bei Hochrisikosymptomen (= HR) bei Jugendlichen und Erwachsenen bzw. bei ALLEN Kleinkindern und Senioren liegt ein Notfall vor. Sie sollten hier 112 verständigen.

Jugendliche und Erwachsene, die keine Hochrisikosymptome haben, können zunächst mit allgemeinen (siehe unten) und spezifischen Erstmaßnahmen bei Sonnenstich behandelt werden.

Bei den spezifischen Maßnahmen geht es vor allen Dingen um das Kühlen des Kopfes. Sie sollten den gesamten Kopf mit feuchten Tüchern kühlen, da ja die gesamte Hirnhaut entzündlich gereizt ist. Zusätzlich kann eine kühlende Dusche durchgeführt werden. Ein längerer Aufenthalt in einem kühlen Raum ist sinnvoll.

Verschlechtert sich der Zustand innerhalb von 20 bis 30 Minuten, dann rufen Sie unter 112 den Notarzt. Sollte er nicht besser werden, dann rufen Sie den ärztlichen Notdienst unter 116 117.

Auch wenn der Kopf abkühlt und sich die Beschwerden verbessern, kann zeitlich verzögert eine Verschlimmerung auftreten. Das kann mit gravierenden Folgen, z.B. einem Krampfanfall, verbunden sein. Daher gilt es gerade nach einem Sonnenstich den Betroffenen engmaschig zu beobachten.

Hitzeerschöpfung – heiße und FEUCHTE Haut

Bei der Hitzeerschöpfung ist der ganze Körper erhitzt und Temperaturanstiege auf über 39 Grad Celsius sind möglich. Ab 39 Grad Celsius Körpertemperatur droht der Übergang in einen Hitzschlag, Symptome treten allerdings auch schon unterhalb von 39 Grad Celsius auf.

Wichtig ist, dass Sie bei Hitzeerschöpfung eine feuchte und heiße Haut haben, was durch das starke Schwitzen bedingt ist. Somit sind die Ausgleichmechanismen zur Wärmeabgabe bei der Hitzeerschöpfung noch intakt.

Hitzeerschöpfung – Flüssigkeitsmangel und kritisch geringes Körperwasser

Ausgangspunkt für eine Hitzeerschöpfung ist meistens ein gravierender Flüssigkeitsmangel durch eine zu geringe Trinkmenge. Für Ihren Körper liegt die kritische Grenze bei einem Defizit von 12 % an Körperwasser. Bei einer chronisch geringen Trinkmenge und gleichzeitig gesteigerter Verdunstung über die Schleimhäute bzw. durch das Schwitzen kann die kritische Grenze bei hohen Außentemperaturen schnell erreicht werden.

Durch den so verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihres Körpers sinkt die Wärmeleitfähigkeit von Gewebe und Wärme kann schlechter abgegeben werden. Sie werden somit bei der Wärmeabgabe zunehmend vom Reservemechanismus Schwitzen abhängig. Das bedeutet einen weiteren Verlust an Körperflüssigkeit. Der Körper heizt sich so selbst zunehmend auf.

Bei nun zunehmend verringerter Flüssigkeit in den Blutgefäßen nimmt jetzt auch die Durchblutung ab und die Wärmeabgabe wird dadurch weiter reduziert. Der Körper heizt sich noch mehr auf. Es droht der Übergang in den Hitzschlag.

Hitzeerschöpfung – Symptome einer drohenden kompletten Erschöpfung

Die Symptome der Hitzeerschöpfung sind:

  • feuchte und heiße Haut
  • schneller und flacher Puls (erhöhte Wärmeabgabe über Kreislauf)
  • flache und schnelle Atmung (erhöhte Wärmeabgabe über Ausatemluft)
  • körperliche Schwäche
  • Benommenheit bis hin zum kurzzeitigen Kreislaufkollaps
  • Verwirrtheit bis Apathie (HR)
  • Übelkeit und Erbrechen (HR)
  • Krampfanfall (HR)

Hitzeerschöpfung – im Zweifel den Notarzt rufen

Ärztliche Hilfe ist hier ähnlich dringend wie beim Sonnenstich.

Bei Kleinkindern und Senioren sollten Sie in jedem Fall den Rettungsdienst unter 112 verständigen. Denn bei diesen Menschen wissen Sie meistens nicht, wohin sich die Symptome entwickeln und ihre Widerstandskraft ist einfach geringer. Daher sollten Sie hier immer die Rettungskräfte informieren.

Jugendlichen und Erwachsenen können Sie bis auf Personen mit Hochrisikosymptomen (HR) mit allgemeinen Maßnahmen (siehe unten) helfen. Sie müssen hier allerdings besonders schnell und konsequent sein, denn der lebensbedrohliche Hitzschlag droht.

Wir in der Cardiopraxis halten gerade bei der Hitzeerschöpfung aktive kühlende Maßnahmen des Gehirns für sehr wichtig: mit Cold-Packs an Halsvorderseite und im Nacken bzw. vorher auch eine kühlende Dusche. Das Hochlagern der Beine beugt dem drohenden Kreislaufzusammenbruch vor.

Sollte es innerhalb von 20 bis 30 Minuten nicht zu einer Besserung kommen, dann verständigen Sie in jedem Fall den Notarzt.

Hitzschlag – heiße und TROCKENE Haut

Beim Hitzschlag ist der ganze Körper erhitzt und es werden schrittweise Werte von über 41 Grad Celsius erreicht. Der Unterschied zur Hitzeerschöpfung ist, dass Sie nicht mehr schwitzen, sondern Ihre Haut ist heiß und trocken. Das bedeutet, dass die wesentlichen Ausgleichmechanismen der Thermoregulation nicht mehr funktionieren.

Das Schwitzen wird ungefähr ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius eingestellt. Das Risiko für einen Hitzschlag wird durch eine hohe Luftfeuchtigkeit gesteigert, weil der Körper dann schlechter Wärme durch Schwitzen abgeben kann.

Des Weiteren können Medikamente Ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur steigern. So können z.B. Betablocker und Diuretika zu einem erhöhten Risiko beitragen.

Hitzschlag – hohes Risiko für Hirnödem und Atemstillstand

Durch das Versagen der sogenannten Bluthirnschranke tritt beim Hitzschlag Flüssigkeit aus dem Blutgefäßraum in das Gehirngewebe über. So entwickelt sich ein vasogenes Hirnödem. Sie laufen jetzt Gefahr, dass sich der Hirnstamm einklemmt, was wiederum einen Atemstillstand und Kreislaufversagen zur Folge hat.

Typischer und nicht-typischer Hitzschlag

Wir unterscheiden einen typischen passiven Hitzschlag von einem nicht-typischen aktiven Hitzschlag. Das ist sehr wichtig, gerade für Menschen, die in warmer Umgebung körperlich aktiv sind.

Typischer Hitzschlag

Typischer „passiver“ Hitzschlag. Beim typischen passiven Hitzschlag erwärmt sich der Körper überwiegend passiv durch die hohen Außentemperaturen. „Typisch“ bedeutet hier, dass hohe Außentemperaturen eine wesentliche Voraussetzung sind. „Passiv“ bedeutet, dass Sie überwiegend körperlich inaktiv sind.

Das ist ungefähr so, als ob Sie einen Kessel Wasser auf den Herd stellen und eine feste Temperatur von z.B. 150 Grad Celsius einstellen. Sie können nun schrittweise verfolgen, wie das Wasser sich erwärmt bis zum Kochen: Erst bilden sich Bläschen, dann steigt Dampf auf, schließlich brodelt das Wasser richtig. Ähnlich verhält es sich bei einem typischen „passiven“ Hitzschlag, Sie können beobachten, wie sich die Symptome schrittweise entwickeln. So haben Sie Zeit zu reagieren.

Das Risiko ist bei Kindern, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen besonders hoch. Die Sterblichkeit beträgt beim typischen Hitzschlag 5 %.

Nicht-typischer Hitzschlag

Nicht-typischer „aktiver“ Hitzschlag. Beim nicht-typischen „aktiven“ Hitzschlag gibt es neben erhöhten Außentemperaturen noch einen weiteren Grund für eine gesteigerte Körpertemperatur: körperliche Aktivität. Meistens spielt auch noch eine Wärme-isolierende Kleidung eine Rolle.

So kann diese Form des Hitzschlags auch schon bei moderaten Außentemperaturen, z.B. von 25 Grad Celsius, vorkommen. „Nicht-typisch“ bedeutet folglich, dass hohe Außentemperaturen keine zwingende Voraussetzung sind. „Aktiv“ wiederum meint, dass körperliche Aktivität entscheidend zum Problem beiträgt.

Diese Form des Hitzschlages ist besonders tückisch, da sie auch bereits bei vergleichsweise geringen Außentemperaturen von 20 bis30 Grad Celsius auftreten kann. Durch die körperliche Aktivität entwickeln sich Symptome sprunghaft und plötzlich ist er da, der Hitzschlag. Das Stadium der Hitzeerschöpfung wird meistens rasch übersprungen und gerade bei „wärmender“ Kleidung sind kritische Körpertemperaturen von 41 Grad Celsius schnell erreicht.

Ein hohes Risiko haben vor allem Leistungssportler und hier insbesondere ambitionierte Amateure bzw. Semi-Professionelle. Prädestiniert sind Sportarten mit gepolsterten Uniformen und Helmen (z.B. American Football). Aber auch von den Ausdauersportarten wie z.B. Laufen und Radfahren werden immer wieder Todesfälle berichtet.

Selbstverständlich ist auch bei schwerer körperlicher Arbeit, z.B. auf Baustellen oder an Hochöfen, die Gefahr eines nicht-typischen Hitzschlags erhöht. Haben die Symptome des nicht-typischen aktiven Hitzschlages erst einmal eingesetzt, dann beträgt die Sterblichkeit des nicht-typischen Hitzschlags eindrucksvolle 60 %.

Hitzschlag – Notfall, SOFORT handeln

Die Symptome eines Hitzschlages sind:

  • TROCKENE und heiße Haut
  • schneller und kaum tastbarer Puls
  • deutliche körperliche Schwäche
  • Verwirrtheit bis Apathie
  • fluktuierendes Bewusstsein bis Bewusstlosigkeit
  • zerebrale Krampfanfälle

Im roten Stadium versucht Ihr Körper die Wärmeabgabe über die Hautdurchblutung aufrecht zu erhalten. Im grauen Stadium ist der Kreislauf zusammengebrochen, die Hautdurchblutung ist kritisch verringert und es besteht unmittelbare Lebensgefahr.

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall und Sie müssen sofort 112 verständigen. Bis zum Eintreffen des Notarztes führen Sie die allgemeinen Versorgungsmaßnahmen von Hitzeopfern durch. Bei Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand beginnen Sie dann unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen bei Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Kühlende Maßnahmen für Gehirn und Körper

Das Gehirn ist das Hauptproblem. Deswegen müssen Sie ein Hirnödem in jedem Fall verhindern. Betroffene Menschen müssen zügig in einen kühlen Raum gebracht werden, am besten mit Klimaanlage, eventuell auch in den Keller.

Der Kopf wird leicht erhöht gelagert, was den venösen Abstrom aus dem Gehirn verbessert und somit die Wärme im Gehirn selber reduziert. Den arteriellen Zustrom zum Gehirn sollten Sie kühlen. Dadurch wird nicht nur Ihr Gehirn kühler, sondern auch Ihre arteriellen Blutgefäße verengen sich. Das beugt wiederum dem gefürchteten Hirnödem vor.

Bei der aktiven Kühlung des Kopfes gilt es vor allem die hinteren Hirnarterien (sog. Arteriae vertebrales) zu kühlen. Diese versorgen den lebenswichtigen Hirnstamm, wo ja auch das Atemzentrum liegt. Legen Sie hier Cold-Packs in den Nacken! Auch die vorderen Hirnarterien (sog. Arteriae carotides) sollten Sie links und rechts am Hals mit Cold-Packs versorgen.

Falls es der körperliche und geistige Zustand des betroffenen Menschen zulässt, dann können Sie mit einer kühlenden Dusche sehr rasch den Körper abkühlen. Die Verdunstung von Wasser ist dabei der entscheidende Faktor beim Abkühlen.

Der Betroffene sollte sich möglichst wenig selbst bewegen (möglichst auch nicht gehen), weil das die Körpertemperatur erhöht. Wärmende Kleidung und vor allen Dingen Socken sind zu entfernen.

Hitzenotfall – Kreislauf stabil halten

Da die Blutgefäße, auch die Venen, erweitert sind, versackt viel Blut in der Körperperipherie. Das wiederum kann für die Gehirndurchblutung kritisch werden. Die Beine sollten daher leicht erhöht gelagert werden, damit mehr venöses Blut aus der Peripherie zurückfließen kann. Das verbessert die Kreislaufstabilität.

Bei Benommenheit bzw. Bewusstlosigkeit und erhaltener Spontanatmung muss man die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen. So verhindern Sie im Fall von Erbrechen, dass Erbrochenes in die Lunge gelangt.

Falls der betroffene Mensch ansprechbar ist, kann er bis zu 900 ml Wasser schluckweise trinken. Bei Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand sollten Sie unmittelbar mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Hitzenotfall – Überwachung in der Akutphase und Nachbeobachtung

In der Akutphase lassen Sie den betroffenen Menschen nicht aus den Augen, bis eine Besserung eingetreten ist bzw. der Rettungsdienst vor Ort ist.

Sprechen Sie den Betroffenen immer wieder beruhigend an!

Achten Sie auf die Feuchtigkeit der Haut! Bleibt die Haut heiß und wird trockener, dann müssen Sie sich auf das Schlimmste gefasst machen. Tasten Sie den Puls, und messen, falls ein Gerät vorhanden ist, den Blutdruck!

Die Nachbeobachtung ist wichtig, da Symptome auch Stunden nach der Hitzeexposition erstmalig bzw. erneut auftreten können, wenn die allgemeinen Maßnahmen nicht konsequent durchgeführt worden sind. Ältere Menschen und Kinder sind besonders gefährdet.

Daher halten Sie Menschen mit einer Hitzeerkrankung grundsätzlich unter Beobachtung! Lassen Sie den betroffenen Menschen auf dem Sofa bei Licht schlafen und bleiben Sie am besten selbst wach! Sollten sich erneut Symptome verstärken, verständigen Sie den Notarzt!

Zusammenfassung: Hitzenotfall richtig vorbeugen und behandeln

  • Bei klimatischer bzw. körperlicher Hitze immer vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Hitzestress ergreifen!
  • Menschen, die bei moderaten bzw. hohen Temperaturen hart körperlich arbeiten oder Sport treiben, müssen sich regelmäßig aktiv abkühlen.
  • Trinken Sie immer 30 bis 40 ml/kg Körpergewicht und Tag, an heißen Tagen eher 40 ml/kg Körpergewicht!
  • Im Fall von Benommenheit und Unwohlsein bei hohen Außentemperaturen, immer an Nebenwirkungen von Hitze denken!
  • Bei leichten Symptomen von Hitzestress aktiv kühlende Maßnahmen ergreifen, vor allen Dingen für den Kopf!
  • Betroffene Menschen in der Akutphase bis einige Stunden nach den Symptomen nicht alleine lassen und beobachten!
  • Bei heißer und trockener Haut stellen Sie die Diagnose des Hitzschlages und rufen den Rettungsdienst unter 112!

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Schlaganfall – immer ein Notfall!!

Ein Schlaganfall ist eine Notfallsituation. Allerdings ist der betroffene Mensch meistens hilflos oder nimmt den Schlaganfall selber gar nicht wahr. Die fehlende Wahrnehmung von Symptomen bei Betroffenen nennen wir in der Medizin „Neglect“ und dieses Verhalten ist gerade typisch bei einem akuten Schlaganfall.

Zeitliche Verzögerung kann kritisch für den weiteren Verlauf sein, denn je früher ein Schlaganfall medizinisch behandelt wird, desto geringer sind die Spätfolgen, wie z.B. eine schwere körperliche Behinderung.

Folglich kommt gerade Angehörigen bei der Erkennung des Schlaganfalls eine große Bedeutung für die Einleitung der Rettungskette zu. Wir erleben es in der Cardiopraxis immer wieder, dass dem Ehepartner am Morgen beim Frühstück oder bei der Hausarbeit auffällt, dass mit dem Partner irgendetwas nicht stimmt.

Schlaganfall bei Mitmenschen erkennen

Folglich ist es sinnvoll, wenn Sie als Mitmensch die Symptome eines Schlaganfalls auch bei anderen Menschen erkennen können. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn Menschen in Ihrem sozialen Umfeld Risikofaktoren für einen Schlaganfall haben, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern oder auch eine Koronare Herzkrankheit.

Bemerkbar macht sich ein Schlaganfall zum Beispiel durch folgende Warnsymptome:

  • hängender Mundwinkel
  • halbseitige Lähmung
  • Sprachstörung
  • Sehstörungen
  • Schwindel und Gangstörung
  • heftigster, nicht gekannter Kopfschmerz

Nutzen Sie den FAST-Test:

Schlaganfall – so verhalten Sie sich bei einem Notfall

Wenn Sie (z. B. als Angehöriger oder Arbeitskollege) einen Schlaganfall vermuten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Wählen Sie sofort 112, um einen Notruf abzusetzen!
  • Äußern Sie Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall und beschreiben Sie genau, seit wann welche konkreten Symptome bestehen!
  • Beachten Sie: Nicht Sie, sondern die Notrufzentrale beendet das Gespräch! Somit gehen keine wichtigen Informationen (z. B. die Adresse) verloren.
  • Und: Fahren Sie niemals die betroffene Person selbst in die Klinik!

Schlaganfall – das machen Sie, bis der Rettungsdienst eintrifft

Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollten Sie sich intensiv um den Menschen mit Verdacht auf Schlaganfall kümmern:

  • Beruhigen Sie ihn, indem Sie mit ihm sprechen!
  • Signalisieren Sie, dass Hilfe zeitnah kommt!
  • Öffnen Sie enge Kleidung!

Auch körperlich können Sie die Person unterstützen:

  • Sorgen Sie für eine 30 Grad-Oberkörperhochlagerung (z. B. mit einem Kissen)!
  • Achten Sie, dass sie auf dem Sofa oder Boden sitzt, nicht auf dem Stuhl (Sturzgefahr!)!
  • Wenn die Person bewusstseinsgestört ist und normal atmet: Machen Sie eine stabile Seitenlage! Auch bei Erbrechen können Sie eine stabile Seitenlage durchführen.
  • Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet: Beginnen Sie mit Wiederbelebung!

Bei einem Schlaganfall können Schluckstörungen auftreten. Daher sollten Sie der betroffenen Person

  • keine Medikamente geben
  • kein Essen oder Trinken reichen
  • mögliche Zahnprothesen entfernen

Schlaganfall – Dokumentation für Klinik bereithalten

Wenn der Notarzt bzw. die Notärztin eintrifft, geben Sie bitte Medikamentenpläne und Arztbriefe mit. Es kann hilfreich sein, den Schlaganfall-Patienten ins Krankenhaus zu begleiten, zum Beispiel bei Sprachstörungen.

Fazit: Auch der Verdacht auf einen Schlaganfall ist immer ein Notfall. „Es wird schon wieder“ ist immer die falsche Sichtweise. Wählen Sie daher bei Verdacht die 112 und verständigen Sie den Rettungsdienst. So können Sie womöglich ein Leben retten oder dauerhafte geistige und körperliche Schäden bei einem Mitmenschen verhindern.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Erneuten Schlaganfall verhindern

80 bis 85 Prozent aller Schlaganfälle sind sogenannte ischämische Schlaganfälle. Dabei ist eine Gehirnarterie verstopft, entweder durch ein lokales Gerinnsel oder durch eine Embolie, meistens aus dem Herzen. Im ersten Jahr liegt das Risiko bei 20 Prozent, dass erneut eine Verstopfung auftritt. Damit kein neuer Schlaganfall passiert, ist es wichtig die genaue Ursache zu kennen. Liegt zum Beispiel die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern vor oder besteht eine hochgradige Engstelle der Halsschlagader? Essenzielle erste Informationen dazu liefert auch die Bildgebung des Gehirns mit Hilfe des MRT und Computertomografs. Daher sind verschiedene Behandlungsstränge nach einem ersten Schlaganfall wichtig.

Neuen Schlaganfall vorbeugen: Blutverdünnung

  • bei Menschen ohne Vorhofflimmern: mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) 1 x 100 mg täglich, bei Unverträglichkeit alternativ Clopidogrel 75 mg 1x täglich
  • bei nachweisbarem Vorhofflimmern: mit neuen Gerinnungshemmern, sogenannten NOAKS wie zum Beispiel Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran, Edoxaban

Neuen Schlaganfall vorbeugen: Operation der Halsschlagader

Ist auf der betroffenen Gehirnseite die Halsschlagader (Arteria carotis interna) hochgradig verengt, so wird diese Operation empfohlen. Dabei gibt es 2 unterschiedliche Methoden: entweder die offen gefäßchirurgische Methode, bei der die Arterie ausgeschält wird, oder die Katheter- gestützt Methode, bei der ähnlich wie an den Herzkranzgefäßen eine Gefäßstütze, ein sogenannter Stent, implantiert wird.

Schlaganfall bei offenem Foramen ovale: Katheter-gestützter Verschluss

Ein offenes Foramen ovale ist eine Kurzschlussverbindung in der Vorhofscheidewand, zwischen der rechten und der linken Herzvorkammer. 25 Prozent aller Menschen haben ein offenes Foramen ovale. Ein Schlaganfall entsteht bei ihnen durch eine sogenannte gekreuzte Embolie: Ein Gerinnsel im venösen System umgeht die Lunge und gelangt über den Kurzschluss in die linke Vorkammer und bis in das Gehirn, wo es die Arterie verstopft. Ein offenes Foramen ovale wird mit Hilfe der transösophagealen Echokardiographie, d.h. ein Ultraschall des Herzen über die Speiseröhre, festgestellt.

Ein Verschluss des Foramen ovale ist angezeigt, falls keine andere erkennbare Ursache vorliegt. Meistens sind junge Menschen betroffen.

Nach Schlaganfall: Risikofaktoren vermeiden

Darüber hinaus ist es für Schlaganfall-Patienten hilfreich, allgemeine Gefäß-Risikofaktoren einzustellen:

  • Cholesterin senken
  • Blutdruck kontrollieren
  • Diabetes mellitus einstellen
  • auf Nikotin verzichten
  • körperlich aktiv sein

Die Therapie nach einem ischämischen Schlaganfall muss individuell an den Ursachen orientiert sein. Vor allem der Nachweis beziehungsweise Ausschluss von Vorhofflimmern ist sehr wichtig aber auch schwierig.

 

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Schlaganfall – schnelle Therapie entscheidend

Schlaganfall ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns, die dort zum Untergang von Gehirngewebe und dauerhaften Funktionsverlusten führt. Ursächlich ist in 80-85% der Fälle eine Verstopfung einer Gehirnarterie, in 15-20% eine primäre Einblutung in das Gehirngewebe. Therapieziele sind daher:

  • die Durchblutung schnell wiederherstellen
  • das Absterben von Gehirnzellen vermeiden
  • dauerhafte Behinderung verhindern

Schlaganfall – Warnsymptome erkennen

In Deutschland erzielen wir mittlerweile sehr gute Therapieresultate. Die dauerhafte Wiederherstellung von  Körperfunktionen gelingt immer häufiger. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein Schlaganfall sofort behandelt wird. Ein erster Schritt dorthin: Sie erkennen Warnzeichen bei sich selbst oder anderen Menschen und handeln schnell. Daher nutzen Sie den FAST-Test, um einen Schlaganfall sicher zu erkennen.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall. Ärztinnen und Ärzte können Ihnen nur helfen, wenn Sie Alarm geben. Ist die Symptomatik gering oder auch nur vorübergehend, kann es sich um Vorboten für einen schweren Schlaganfall handeln.  Im Zweifel sollten Sie daher immer sofort den Notruf 112 wählen.

Schlaganfall – moderne Akutbehandlung

Im Krankenhaus angekommen wird als erste diagnostische Maßnahme eine Schichtaufnahme des Kopfes gemacht (CCT oder MRT). Dadurch können Gehirnblutungen ausgeschlossen werden, die für etwa 15-20% aller Schlaganfälle verantwortlich sind. Die Therapie bei einer Hirnblutung ist selbstverständlich komplett anders, als die Therapie eines Schlaganfalls durch ein verschlossenes Gehirngefäß durch ein Blutgerinnsel.

Mit einer Akuttherapie versuchen Ärzte die Durchblutung wiederherzustellen. Durch Gabe von bestimmten Substanzen kann sich das Blutgerinnsel in der Gehirnarterie wieder auflösen (systemische Lyse). Mögliche Nebenwirkungen einer solchen Therapie sind Blutungskomplikationen. Daher wird diese Form der Therapie nur durchgeführt, wenn die Schlaganfallsymptomatik sehr ausgeprägt ist und das Blutungsrisiko des Betroffenen als gering eingestuft wird. In letzten Jahren sind neue Therapiestrategien entwickelt worden. In spezialisierten Zentren führen Neuroradiologen auch sogenannte Thombektomien durch: Über einen Katheter, der über die Leistenarterie bis in die betroffene Gehirnarterie vorgebracht wird, wird das Blutgerinnsel entfernt – wie bei einer Herzinfarkttherapie.

Moderne Schlaganfalltherapie ermöglicht es, das Risiko bleibender Schäden zu verringern. Das Wichtigste beim Erkennen, Handeln und Behandeln ist die Zeit, denn jede Minute zählt: Time is Brain!

 

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Vorhofflimmern früh erkennen – Schlaganfall verhindern

Ein Schlaganfall ist ein gravierendes Ereignis, häufig genug mit bleibenden Folgen für die körperliche, geistige und seelische Selbstbestimmtheit. Auch wir und er Cardiopraxis sind immer wieder sehr betroffen, wenn ein Patient mit einem Schlaganfall zu uns kommt. Folglich unternehmen wir alle Anstrengung um bei den Menschen, die wir betreuen einen Schlaganfall in der Zukunft zu verhindern.

Vorhofflimmern häufig in der Praxis unerkannt

Da gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, wie z.B. nach Herzinfarkt oder Bluthochdruck Vorhofflimmern eine sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall ist, nutzen wir selbstverständlich auch die herkömmlichen Methoden zur vorbeugenden Diagnostik. Dazu gehören das bekannte Ruhe-EKG, das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG und zur Risikostratifizierung auch der Herzultraschall.

Weil Vorhofflimmern häufig ohne Symptome und/oder nur kurzzeitig anfallsartig auftritt, können wir anläßlich eines Besuchs in der Praxis Vorhofflimmern häufig nicht feststellen.

Ein Weg dieser diagnostischen Lücke zu begegnen ist die Selbstmessung durch die potentiell Betroffene. Methoden zur selbständigen Erfassung von Vorhofflimmern reichen dabei von der Pulstastung bis hin zur der Ableitung eines 1-Kanal-EKGs über ein Smartphone.

Pulstastung auf Regelmäßigkeit erlernbar und ein erster wichtiger Schritt

Einen Schlaganfall können Sie selbst verhindern: Tasten Sie Ihren Puls auf Regelmäßigkeit! Denn der Tastbefund gibt einen wertvollen Hinweis darauf, ob Sie zu den rund 1,7 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Vorhofflimmern gehören. Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist 5x so hoch wie normal – bis zu 25% aller Fälle werden durch Vorhofflimmern verursacht!

In der Tat können Sie das  Pulstasten bei guter Schulung und mit etwas Geduld ziemlich zuverlässig selber lernen. Folglich können Sie in  92% aller Fälle Vorhofflimmern durch diese einfache Methode richtig erkennen. Im Gegensatz zum normalen, regelmäßig schlagenden Puls zeichnet sich Vorhofflimmern durch absolute Unregelmäßigkeit aus.

Von der Pulsabfolge sieht das in etwa so aus:

Normaler = regelmäßiger Puls:
__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

Einzelne elektrische Extrasystolen = regelmäßiger Grundrhythmus + mechanische Pausen:
__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

Vorhofflimmern = absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“):
__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Im letzten Fall sollten Sie noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen! Das Risiko für einen Schlaganfall steigt 48 Stunden nach Einsetzen von Vorhofflimmern bedeutsam an.

Folglich empfehlen Risikopatienten für Vorhofflimmern grundsätzlich 2x pro den Puls auf Regelmäßigkeit zu tasten.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit der Pulstastung ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

? Taggar JS et al. Eur J Prev Cardiol 2016;23:1330-38

 

…..weiter im Selbsthilfekurs.

 

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