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Endokarditis – Entzündung der Herzklappe vorbeugen

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Was ist eine infektiöse Endokarditis?

Eine infektiöse Endokarditis ist eine Entzündung der Innenwand des Herzens (Endokard), die sich vorwiegend an den Herzklappen abspielt und häufig durch eine Besiedlung mit Bakterien verursacht wird. Gelangen dabei Bakterien ins Blut, dann können sie mit dem Blutstrom zum Herzen gelangen und sich dort anheften. Vor allem machen sie dies an Fremdmaterialien, wie z.B. künstlichen Herzklappen. Darüber hinaus führt die unbehandelte Krankheit zu einer Zerstörung der Herzklappe und weist dadurch eine sehr schlechte Prognose auf. Denn zwischen 3 und 10 von 100.000 Menschen erkranken jährlich daran in Deutschland.

Was ist eine Endokarditis-Prophylaxe?

Wenn man vorbeugend Antibiotika gibt (Endokarditis-Prophylaxe), dann kann die Ansiedlung von Bakterien verhindert werden. Die Prophylaxe kommt also dann zum Einsatz, wenn bei diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Bakterien ins Blut eingeschwemmt werden (Bakteriämie). Dabei galt es 50 Jahre lang als selbstverständlich, dass man Menschen, die eine vorgeschädigte Herzklappe (z.B. Aortenklappenstenose) oder ein höheres Risiko für eine Endokarditis haben, mit einer Antibiotika-Prophylaxe bei zahnärztlichen oder anderen Eingriffen behandelt.

Allerdings kam es im Jahr 2007 durch die Leitlinien der American Heart Association (AHA) und European Society of Cardiology (ESC) zu einem Paradigmenwechsel: Demnach konnte der theoretische Nutzen einer Antibiotika-Prophylaxe nie in prospektiven, randomisierten kontrollierten Studien beim Menschen bewiesen werden. Daher kamen Zweifel an der Effektivität der vorbeugenden Antibiotika-Gabe, vor allem wenn sie einer großen Zahl von Patienten mit einem unterschiedlich hohen Risiko für eine Endokarditis gegeben wird. Insbesondere deswegen, weil Keime zunehmend Resistenzen entwickeln und Nebenwirkungen auf Antibiotika (z. B. allergische Reaktionen) möglich sind. Zudem sind alltägliche Bakteriämien (Zähne putzen, Kauen) viel häufiger als bei medizinischen Eingriffen. Deswegen empfehlen die Änderungen nur noch, eine Antibiotika-Prophylaxe bei Hochrisiko-Patienten durchzuführen.

Wer benötigt eine Endokarditis-Prophylaxe?

Die Grundlage für die folgenden Annahmen ist die zuletzt aktualisierte Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) von 2015. Demzufolge sollte eine Prophylaxe mit Antibiotika nur in Betracht gezogen werden bei Patienten mit dem höchsten Risiko für eine infektiöse Endokarditis und hohem Komplikationsrisiko:

  • dazu zählen Patienten mit Klappenprothesen (mechanisch und biologisch), einschließlich Transkatheter-Klappen, oder mit rekonstruierten Klappen unter Verwendung prothetischen Materials
  • darüber hinaus Patienten mit überstandener Endokarditis
  • und Patienten mit angeborenen Herzfehlern: Alle Menschen mit zyanotischem Herzfehler (Blaufärbung der Haut); bis zu 6 Monate nach operativer oder interventioneller Korrektur unter Verwendung von prothetischem Material oder lebenslang bei Rest-Shunt oder Klappeninsuffizienz

Wer benötigt keine Endokarditis-Prophylaxe?

  • dazu gehören Patienten mit einem angeborenen, nicht-zyanotischen Herzfehler
  • auch Patienten mit einem erworbenen (rheumatischen oder nicht-rheumatischen) Herzfehler (Aortenklappenstenose oder -insuffizienz, Mitralklappeninsuffizienz oder -stenose)
  • zudem Patienten mit einem Mitralklappenprolaps
  • darüber hinaus Patienten nach Herztransplantation, die zusätzlich einen Klappenfehler haben. In den Leitlinien der  Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und European Society für Cardiology ist diese Patientengruppe im Gegensatz zu den Empfehlungen der American Heart Association nicht mehr enthalten.
  • außerdem Patienten nach Schrittmacher- /Defibrillatorimplantation

Wann ist eine Endokarditis-Prophylaxe notwendig?

Eine Endokarditis-Prophylaxe ist notwendig bei allen zahnärztlichen Eingriffen, die mit einer Manipulation des Zahnfleisches oder einer Perforation der Mundschleimhaut einhergehen können. Dabei gilt die Faustregel: bei allen Eingriffen, die bluten oder bluten können!

Wann ist keine Endokarditis-Prophylaxe erforderlich?

Keine Endokarditis-Prophylaxe ist erforderlich, wenn eine nicht-infektiöse Situation vorausgesetzt wird. Das sind folgende Eingriffe:

  • am Respirationstrakt, einschließlich Bronchoskospie, Laryngoskopie, Intubation (nasal/endotracheal)
  • auch bei Gastroskopie, Koloskopie, Zystoskopie, vaginale Entbindung, Kaiserschnitt, transösophagelae Echokardiographie
  • zudem an Haut und Weichteilen

Wie wird die Endokarditis-Prophylaxe durchgeführt?

Bei zahnärztlichen Risikoeingriffen wird empfohlen, eine Antibiotika-Einzeldosis 30-60 Minuten vor dem Eingriff zu verabreichen. Nur wenn ein Patient keine Prophylaxe vor einem Eingriff erhalten hat, erscheint diese bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff noch sinnvoll.

Situation Medikament Dosis Erwachsene Dosis Kinder
Keine Allergie gegen Penicillin oder Ampicillin Amoxicillin oder Ampicillin 2 g oral oder i.v. 50 mg/kg oral oder i.v. (Dosierung sollte nicht die Erwachsenen-Dosis übersteigen)
Cefalexin 2 g i.v. 50 mg/kg i.v.     (Dosierung sollte nicht die Erwachsenen-Dosis übersteigen)
Cefazolin oder Ceftriaxon 1 g i.v. 50 mg/kg i.v.      (Dosierung sollte nicht die Erwachsenen-Dosis übersteigen)
Allergie gegen Pencillin oder Ampicillin Clindamycin 600 mg oral oder i.v. 20 mg/kg oral oder i.v. (Dosierung sollte nicht die Erwachsenen-Dosis übersteigen)

Wie lässt sich das Endokarditis-Risiko verringern?

Unabdingbar sind eine gute Zahnpflege und Hygiene, da hierdurch die Bakterienlast in der Mundhöhle und somit das Endokarditisrisiko reduziert werden kann. Denn gesunde Zähne und ein gesundes Zahnfleisch schützen das Herz besser vor einer Endokarditis als Antibiotika! Deswegen sollten Hochrisikopatienten sich 2x jährlich und alle anderen Menschen 1x jährlich einer zahnärztlichen Kontrolle unterziehen.

Außerdem können Sie weitere Maßnahmen ergreifen, um das Endokarditis-Risiko zu verringern:

  • Auf Wunddesinfektion achten
  • auch chronische bakterielle Besiedlung der Haut und im Urin beseitigen
  • darüber hinaus jeden bakteriellen Infektionsfokus kurativ mit Antibiotika behandeln
  • zudem keine Selbstmedikation mit Antibiotika vornehmen
  • außerdem Sterilitätsmaßnahmen bei jeglichem Risikoeingriff streng beachten
  • weiterhin Piercing und Tätowieren vermeiden
  • und Infusionskatheter und invasive Eingriffe sollten zurückhaltend genutzt werden; Periphere Zugänge sind gegenüber zentralen Venenkathetern zu bevorzugen. Dabei sollte man jeden peripheren Katheter grundsätzlich alle 3– 4 Tage erneuern.

Abschließend können wir sagen, dass eine Endokarditis-Prophylaxe nur noch für eine kleine Hochrisikogruppe bei zahnärztlichen Eingriffen zu empfehlen ist. Am besten schützen Sie sich vor einer Endokarditis zudem durch eine gute Körper- und Zahnpflege!

Literatur

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

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